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Formel E

Formel E: Mercedes erhält Startfreigabe nach Mortara-Unfall

Beim Formel-E-Auftakt in Saudi-Arabien erhalten Mercedes und Venturi die Startfreigabe zum Rennen. Schwerer Unfall löste Qualifying-Verbot aus.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-E-Teams von Mercedes und Kundenteam Venturi haben von der FIA die Startfreigabe für das Samstagsrennen in Saudi-Arabien erhalten. Rund 80 Minuten vor dem Beginn des Nachtrennens (ab 18:00 Uhr live in Sat.1 und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) erhielten die Teams grünes Licht, wie Mercedes in einem Statement mitteilte.

"Wir haben jetzt das Softwareproblem behoben und zur Zufriedenheit der FIA gezeigt, dass die Angelegenheit gelöst wurde. Infolgedessen wird die FIA heute Abend allen Mercedes-Fahrzeugen erlauben, Rennen zu fahren", hieß es darin.

Vorausgegangen war ein schwerer Unfall von Venturi-Pilot Edoardo Mortara zum Ende des 3. Freien Trainings am Mittag. Bei Startübungen beschleunigte das Mercedes-Kundenauto des früheren DTM-Piloten ohne Verzögerung in die TecPro-Barrieren am Ende der ersten Kurve. Mortara soll zu diesem Zeitpunkt rund 140 km/h schnell gewesen sein. Der Italo-Schweizer war nach dem Crash bei Bewusstsein, musste aber mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus zu weiteren Untersuchungen eingeliefert werden. "Der größte Schreck meines Lebens", teilte Mortara via Instagra mit und kündtige an, am Rennen teilnehmen zu wollen.

Mercedes liefert Erklärung für Unfall

Mercedes teilte nach seiner Untersuchung mit: "Das Bremssystem der Formel-E-Fahrzeuge ist so ausgelegt, dass bei einem Ausfall der vorderen Bremsen das hintere Bremssystem ausfallsicher aktiviert wird. In diesem Fall wurde ein falscher Softwareparameter aktiviert, was bedeutete, dass das hintere Bremssystem nicht wie beabsichtigt aktiviert wurde und die Ausfallsicherung nicht aktiviert wurde."

Venturi-Teamchefin Susie Wolff vermutete in einer ersten Reaktion ein Problem an den Bremsen. Wenige Minuten vor dem Beginn des Qualifyings (75 Minuten nach Trainingsende) verweigerte die Rennleitung sowohl Venturi als auch Mercedes die Teilnahme an der Session. Die Silberpfeil-Fahrer Nyck de Vries und Stoffel Vandoorne sowie Mortaras Teamkollege Norman Nato durften nicht am Qualifying teilnehmen und mussten wieder aus ihren Autos aussteigen.

In der finalen Startaufstellung wird Mortara auf Platz 21 geführt. Freitags-Sieger de Vries startet von P20, Teamkollege Stoffel Vandoorne von der 22. Position. Hinter Mortara-Teamkollege Nato nimmt Andre Lotterer, der das Qualifying nach einem Trainings-Unfall ebenfalls nicht bestreiten konnte, das Rennen als Letzter in Angriff.

Kein Bremsdruck trotz Bremsvorgang

Nach dem Ende des Qualifyings mit 19 statt 24 Fahrern veröffentlichte die Rennleitung eine Begründung für die Startverweigerung. Mercedes habe dem technischen Delegierten der FIA nicht rechtzeitig beweisen können, dass alle vier Autos sicher sind.

Die Rennleitung sprach mit Blick auf Mortaras Unfall von einem Bremsausfall. "Das Bremssystem verlor den vorderen Bremsdruck und der Drucksensor war auf 0. Beide Bremspedal-Fahrsensoren zeigten an, dass das Bremspedal vom Fahrer vollständig gedrückt wurde", hieß es im offiziellen Statement. Eine Anhörung des Teammanagers bis zum Beginn des Qualifyings sei aufgrund der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen.

Rückschlag für Mercedes und Venturi

Für beide Teams bedeutete das Verbot einen harten Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft. Das Rennen am Freitag gewann Nyck de Vries, der seinen Debütsieg in der Formel E feierte. Als Zweiter überquerte Mortara die Ziellinie. "Das ist absolut nicht ideal", sagte Mercedes-Teamchef Ian James bei Sat.1 kurz vor dem Qualifying. "Nach einem Tag wie gestern hatten wir für heute größte Hoffnungen. Aber wir müssen jetzt die richtigen Schritte durchführen."

James weiter: "Nach dem Unfall von Edo müssen wir sicherstellen, dass wir alles Griff und unter Kontrolle haben. Es gibt Schnittstellen zwischen Einheitsteilen und denen der Hersteller. Nach dem Unfall müssen wir ganz sicher sein, auf welcher Seite das Problem liegt. Sobald wir das wissen, können wir Maßnahmen einleiten. Vorher dürfen wir nicht fahren."

Neuer Mercedes-Motor eingeflogen

Im Mercedes-Boliden mit der Bezeichnung 'Mercedes-EQ SilverArrow 02' kommt in dieser Saison ein neu entwickelter Antriebsstrang zum Einsatz. Per Reglement dürfen die Hersteller für die Saisons 7 und 8 (2021/22) nur einmal einen neues Motorenpaket homologieren. Der neue Antriebsstrang von Mercedes wurde offenbar kurzfristig von Stuttgart nach Riad geflogen und demzufolge nicht in Santiago de Chile zwischengelagert, wo die Formel E im Januar eigentlich in die Saison hätte starten sollen.

Mit dem neuen Antriebsstrang gelang Mercedes am Freitag durch de Vries und Mortara ein 'Motor-Doppelsieg'. De Vries führte zudem am Freitag jedes Training an und erzielte zudem die Pole Position im Qualifying. Mercedes führte nach dem Freitag die Teamwertung mit 33 Punkten vor Kundenteam Venturi (18 Punkte) an.

Mortara-Unfall: Erinnerungen an Daniel Abt

Mortaras Unfall erinnerte an den Crash von Daniel Abt, heutiger Sat.1-Experte und früherer Audi-Fahrer, beim Formel-E-Rennen 2020 in Mexiko-City. Der Kemptener war mit rund 180 km/h in die Streckenbegrenzung eingeschlagen, nachdem sein Bolide wegen eines Softwareproblems unkontrolliert beschleunigt hatte. Abt hatte zwar gebremst und durch die Kraft sogar das Bremspedal verbogen, doch das Fahrzeug verlangsamte nicht mehr.


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