Formel E

Crash-Kontroversen in der Formel E: Warn-System soll helfen

Die zahlreichen Kollisionen in der Formel E überschatten das Geschehen. Eine Neuerung ab dem Rom-Rennen soll Abhilfe schaffen. Fahrer schlagen Alarm.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Kollisionen am laufenden Band und schier endlose Debatten über Strafen überschatten das Geschehen in der Formel E seit vielen Wochen. Zum Auftakt der Europa-Saison an diesem Samstag in Rom (ab 16:00 Uhr live bei Eurosport und ZDF) soll dem Einhalt geboten werden, bevor es völlig aus dem Ruder läuft.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com wird die FIA ab dem Rom ePrix eine Art Warn-System einführen. Heißt: Droht ein Fahrer im Zweikampf über die Grenze des Erlaubten hinauszugehen, erhält er von der Rennleitung eine mündliche Verwarnung. Im Fußball wäre dies mit einer gelben Karte vergleichbar.

Ändert der Fahrer sein Verhalten auf der Rennstrecke nicht umgehend, droht eine Strafe. Mittels dieser Abmachung, die auch Thema im ruhig geführten Fahrer-Briefing am Freitagnachmittag war, sollen massenhafte Kollisionen wie in der Vergangenheit vermieden werden. Es ist darüber hinaus davon auszugehen, dass die FIA im Falle weiterer Zwischenfälle härter durchgreift als zuletzt.

"Der Kampf ist hart, es ist ein Krieg da draußen", sagt Techeetah-Pilot Andre Lotterer in Rom zu Motorsport-Magazin.com. "Es soll schon spektakulär sein. Aber wenn es zu extrem wird, haben wir ein Problem."

Genau das hat die Formel E, die eigentlich Werbung für Nachhaltigkeit und eine bessere Umwelt machen möchte, seit einigen Rennen. In so ziemlich jedem der bislang sechs Läufe der Saison 2018/19 knallte es mehrfach auf der Strecke. Und auch abseits, wie etwa der fragwürdige Protest von Techeetah in Hongkong gegen die vermeintlich zu milde Strafe für Sam Bird zeigte. Der Virgin-Pilot hatte im Rennen Andre Lotterer wegen einer späten Kollision den fast sicheren Sieg gekostet.

Das generelle Problem der Formel E: In den seit dieser Saison auf 45 Minuten plus eine Runde verkürzten Rennen spielt das Energie-Management eine eher untergeordnete Rolle. Sprich: Die Rennen werden mit hohem Vollgas-Anteil bestritten. Das birgt ein großes Kollisions-Risiko auf den ohnehin engen Stadtkursen. Und erst recht mit den neuen Gen2-Rennwagen, dessen Robustheit sich Fahrer immer wieder zunutze machten.

"Ich habe manchmal das Gefühl, dass hier jeder machen kann, was er will", mahnt Audi-Werksfahrer Daniel Abt im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Das sorgt für großes Risiko und das muss sich ändern. In jedem Briefing gibt es Beschwerden und Ansagen. Aber die Stewards selbst äußern sich nicht, das ist das größte Problem. Es gab bisher keine Konstanz - und so etwas sollte auf diesem Level nicht der Fall sein."

Von Schnellschüssen in Sachen Bestrafungen wollen Formel E und FIA erst einmal absehen. In Zukunft wäre jedoch denkbar, die Rennen zeitlich etwas zu verlängern. Dadurch würde das Energie-Management anstelle von Vollgas-Fahrten wieder mehr in den Fokus rücken. Auch eine Erhöhung der Leistung während des Attack Mode - 250 statt 225 kW im definierten Zeitraum - ist ein Thema.


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