Formel E

Formel E - Andre Lotterer nach Team-Crash: Weiter freie Fahrt

Andre Lotterer ist in Chile mit einem großem Knall zu seinem ersten Podium in der Formel E gefahren. Der Techeetah-Rookie erklärt, wie es weitergeht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - In der Formel E geht es derzeit kunterbunt zu. Nicht die großen Hersteller wie Audi, Renault oder Jaguar geben den Ton an - stattdessen sorgen die kleineren Teams für Furore. Nach vier von zwölf Saisonrennen führt Jean-Eric Vergne die Meisterschaft an.

Der frühere Formel-1-Pilot startet für das chinesische Team Techeetah, hervorgegangen aus dem Aguri-Rennstall. Zuletzt in Chile holten Vergne und Teamkollege Andre Lotterer den ersten Doppelsieg eines Teams in der Geschichte der Formel E.

Lotterer-Teamkollege Vergne mit Titelchancen

Vergne kann sich gute Chancen ausrechnen, weiter ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitzureden. Am kommenden Samstag gastiert die Elektro-Serie zum fünften Rennen in Mexiko (ab 23:00 Uhr live bei Eurosport) und Techeetah werden gute Chancen auf ein weiteres Top-Ergebnis ausgerechnet.

Vorteil Vergne: Im Titelkampf kann er auf einen starken Teamkollegen zählen. Lotterer hat nun angekündigt, sich in den Dienst des Teams zu stellen und Vergne gegebenenfalls zu unterstützen. "Er ist weit vorne in der Meisterschaft und da ich so wenige Punkte habe, ist das ein Vorteil für ihn für den Fall, dass ich ihm entgegenkommen kann und er mehr Punkte holt. Es ist noch früh in der Meisterschaft, aber das kann ein Thema werden", sagte Lotterer in Mexico-City.

Der dreimalige Sieger der 24 Stunden von Le Mans weiter: "Damit hätte ich in der Situation jetzt kein Problem. Natürlich, wenn es um Siege geht, dann sind wir trotzdem Racer. Das hat man in Santiago ja gesehen." Beim letzten Rennen in Chile sorgte Lotterer für die Szene des Rennens, als er den Führenden Vergne beim Überholversuch am Heck erwischte. Die Aktion endete glimpflich.

Santiago-Crash war ein Thema

"Natürlich war das im Team ein Thema nach dem Rennen in Santiago", sagte Lotterer. "Aber es ist ja alles gut gegangen. Ich hatte die Möglichkeit, vorbeizukommen, wir sind Racer und das ist auch in Ordnung so. Das Team lässt uns die Rennen weiter so fahren." Kurios: Die heikle Szene konnte die Techeetah-Truppe am Kommandostand gar nicht richtig mitverfolgen, weil die Übertragungssysteme ausgefallen waren.

Ebenso verrückt: Wahrscheinlich wäre es gar nicht erst zu dem brenzligen Zwischenfall zwischen Lotterer und Vergne gekommen, hätte Letzterer nicht eine falsche Anzeige auf dem Dashboard gehabt. Vergne hatte nach dem Autowechsel in der zweiten Rennhälfte Gas rausgenommen, weil er dachte, noch eine weitere Runde fahren zu müssen. Dabei war tatsächlich nur die Anzeige defekt gewesen und hatte eine falsche Rundenzahl angezeigt.

Keine Sorgen wegen Teambeziehung

Nach dem Santiago-Rennen herrschte kein böses Blut zwischen Vergne und Lotterer, stattdessen überwog die Freude über den historischen Doppelsieg. Die beiden verstehen sich abseits der Strecke sehr gut, wie ihren Instagram-Stories immer wieder zu entnehmen ist. Dort flachsen die beiden Rennfahrer häufig rum und fliegen auch gemeinsam zu den Rennen.

"Um unsere Beziehung muss sich das Team keine Sorgen machen", bestätigte Vergne. "Ich arbeite gern mit Jev zusammen, wir haben Spaß und er ist ein Top-Typ. Er hätte es nicht nötig, mir so viel zu helfen. Aber so ist es eine tolle Situation, weil ich ein Neuling in der Formel E bin. Für das Team ist es natürlich auch besser, wenn ich so schnell wie möglich auf einem guten Level bin."

Lotterer: Es hat klick gemacht

Lotterer tat sich bei seinen ersten Rennen in der Formel E schwer. Zuvor hatte er wegen des Reglements - Kundenteams wie Techeetah dürfen nur drei Tage testen - kaum Vorbereitungszeit gehabt. Ein Beispiel: Bei seinem allerersten Rennen in Hongkong kassierte er ganze vier Strafen. Punkte sprangen für ihn in den ersten drei Rennen nicht heraus.

"Ich hatte nur drei Testtage in Valencia, was sehr wenig ist für so eine spezifische Rennserie", sagte Lotterer. "Die ersten Rennen waren nicht einfach. Es sah aber schlimmer aus, als es war. Die durchschnittlichen Rundenzeiten waren schon gut, ich musste einfach nur alles zusammenbekommen. In Santiago hat es auf jeden Fall klick gemacht und das gibt mir Selbstvertrauen und Motivation."


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