Das vierte Überseerennen in Folge führt den Formel-1-Tross auf die dritte Strecke von Hermann Tilke. "Der Kurs ist gut, er bietet eine lange Gerade und schöne Überholmöglichkeiten", freut sich Pedro de la Rosa. Nico Rosberg pflichtet dem Spanier bei: "Die Rennstrecke von Schanghai ist eine tolle Herausforderung für die Fahrer. Es gibt auf den beiden langen Geraden gute Überholmöglichkeiten, dazu eine interessante Mischung unterschiedlicher Kurven, von denen mir besonders die Hochgeschwindigkeitsabschnitte gefallen."

De la Rosa hat es ein langsamerer Part angetan. "Die Strecke präsentiert eine große Vielfalt unterschiedlicher Kurven, darunter eine Haarnadelkurve, für die man hart bremsen muss, aber auch andere, sehr flüssige Kurven." Neben den Hochgeschwindigkeitsteilen weist der Kurs auch engere Biegungen und zwei Haarnadeln auf, eine davon vor Start und Ziel.

"Es ist eine typische, moderne Rennstrecke", sagt Jenson Button. "Sie weist eine Mischung verschiedener Kurven auf, aber verbindet sie mit einigen technischen Abschnitten, schnellen Kurven, und langen Geraden." Für Button ist es eine gute Fahrerstrecke, die nach einem gut ausbalancierten Auto verlangt. "Auch Überholmanöver sind hier möglich", fügt Lewis Hamilton hinzu. "Besonders am Ende der langen Gegengeraden." Diese erachtet auch Rubens Barrichello als perfekten Überholpunkt.

Setup-Kompromiss gesucht

Der Shanghai International Circuit verlangt wie so viele Kurse nach einem Setupkompromiss. "Um eine schnelle Runde zu fahren, benötigt das Auto eher eine starke Aerodynamik als eine starke Mechanik, aber die exakte Mischung zu finden, ist ziemlich schwierig", erklärt Barrichello. "Zusammen mit der Tatsache, dass die Runde sehr lang ist und viele verschiedene Variablen aufweist, ist es harte Arbeit, das Auto richtig abzustimmen."

Das Tor zum Shanghai International Circuit. -
Das Tor zum Shanghai International Circuit. -Foto: Sutton

In Shanghai wird mit einem ähnlichen Abtriebsniveau gefahren wie in Bahrain, Australien und Malaysia. "Die lange Gerade verlangt einen Kompromiss in Sachen Abtrieb", sagt Sauber-Technikdirektor James Key. "Dass der Belag recht gute Haftung bietet, könnte uns in die Hände spielen, um mit etwas weniger Flügel zu fahren. Bremsstabilität und Traktion sind sehr wichtig. Die beiden schneckenartigen Kurven sind knifflig für die Fahrer."

Motor: 50% Vollgas

Grundsätzlich ist Shanghai keine harte Strecke für die Motoren, allerdings weist der 5,451 Kilometer lange Kurs zwei besonders lange Geraden auf. Entsprechend wichtig ist die Höchstleistung der Motoren. Da die Autos mit mittlerem bis hohem Abtrieb unterwegs sind, werden die Motoren auf den beiden langen Geraden stärker belastet.

Anders als auf anderen Strecken ist die Gegengerade mit über einem Kilometer Länge länger als die Zielgerade. Hier bremsen die Fahrer von 320 km/h auf 70 km/h herunter, was nach einer exzellenten Bremsstabilität verlangt. Trotzdem wird nur ein geringer Anteil der Runde mit Vollgas gefahren. Das bewirkt einen niedrigeren Benzinverbrauch. Zudem zählen die Temperaturen in China normalerweise zu den niedrigsten des Jahres. Das kommt der Motorkühlung zugute.

Hart zu den Reifen

Die Motoren kommen in Shanghai relativ glimpflich davon. Umso härter werden die Reifen herangenommen. "Der Shanghai International Circuit ist hart zu den Reifen", verrät Bridgestone-Technikchef Hirohide Hamashima. "Es bestehen sehr hohe laterale Kräfte und wir erwarten Graining an den linken Vorderreifen, besonders durch den steigenden Radius in Kurve zwei und die Überhöhung in Kurve dreizehn." Auch die rechten Hinterreifen könnten zu Graining neigen.

In den Kurven 7-8 wird zudem die Konstruktion und Hitzebeständigkeit der Reifen auf die Probe gestellt. Bridgestone bringt die harten und weichen Reifenmischungen mit, womit man auf die hohen Ansprüche reagiert. Im letzten Jahr hatte man weichere Reifen im Gepäck.