Formel 1 / Kolumne

Massedämpfer: Die Lehren des 17. WM-Laufs

Alles war riesig, monströs, bombastisch. Kein Wunder, dass es in Abu Dhabi viel zu lernen gab: über UFOs, Bierwetten, Sushi und schlechte Autos.
von Stephan Heublein

Die Lehre vom UFO

Wie ein bedrohliches, rotes Etwas aus einer Independence Day DVD mit Rotstich thronte ein rotes UFO über dem neuen Yas Marina Circuit. Statt mörderischen Aliens sprang ein schwarzes Pferd aus dem Raumschiff heraus. Geholfen hat das pompöse Dach der Ferrari World nicht: Ferrari verlor das Duell um den 3. Platz der Konstrukteurs-WM gegen McLaren.

Wirklich glanzvoll war der Zweikampf nicht: Die beiden scheidenden Finnen Heikki Kovalainen und Kimi Räikkönen mussten nach den Ausfällen ihrer Teamkollegen (Lewis Hamilton = technischer Ausfall, Giancarlo Fisichella = abermals leistungstechnischer Ausfall) das Duell ausfechten, allerdings kam keiner von beiden in die Punkte. Die beiden Spitzenrennställe haben sich fürwahr schon spannendere Kämpfe geliefert...

Die Lehre von der Strategie

Die Aliens sind gelandet: Platz 3 konnten aber auch sie nicht mehr retten. - Foto: Ferrari

Nach dem Qualifying waren selbst die Konkurrenten baff: Fast sieben Zehntel hatte Lewis Hamilton seinem ersten Verfolger Sebastian Vettel abgenommen. Wer sollte ihn im Rennen aufhalten und wie? "Das ist einfach", meinte Mark Webber. "Wir machen keinen Boxenstopp. Wir ziehen einfach für die letzte Runde die weichen Reifen auf und überholen sie so. Das ist ganz unkompliziert."

Kimi Räikkönen wusste wohl schon nach dem Qualifying, dass diese Strategie und auch die Hilfe der Besucher vom roten Planeten nicht helfen würden. "Wir können hier sowieso nicht siegen", sagte er trocken. "Es sei denn, alle vor uns scheiden aus." An Einfallsreichtum mangelte es der Hamilton-Konkurrenz also nicht. Und was machte der Brite? Er strapazierte sie nicht noch einmal und gab freiwillig auf. Die Bremsen sollen wohl auch eine Rolle gespielt haben...

Die Lehre vom Bier

Manche Dinge weiß jeder, obwohl sie noch nie ausgesprochen wurden. Etwa den Wechsel von Nico Rosberg von Williams zu Brawn GP. In der deutschen Presserunde am Donnerstag wahrte Nico noch die offizielle Linie des Teams und wollte partout nicht zugeben, dass er in Abu Dhabi sein letztes Rennen für Williams fahren würde. "Ich wette um ein Bier", sagte er - und verlor. Schon ein paar Minuten später sagte er in der englischen Presserunde: "Das ist mein letztes Rennen für Williams." Vielleicht waren die Stimmungsschwankungen aber auch nur Nachwirkungen seiner letzten Simulatorfahrt für Williams. Denn Nico verriet: "Da bin ich drei Mal im Tunnel in die Wand gekracht."

Die Lehre vom Radsport

Alle Radsportler sind gedopt? Nix da! Sebastian zeigt es allen, er radelt sogar an so manchem Formel-1-Auto vorbei. All das und noch viel mehr in den F1-Satire News Comedy-Videos von Motorsport-Magazin.com: Das war die Saison 2009! Brawnie Button triumphiert, Vize Vettel war auch nicht schlecht, und Lichtgestalt Schumi hat das alles sowieso schon immer gewusst...

Die Lehre vom Streit

Jarno Trulli und Adrian Sutil werden so schnell keinen gemeinsamen Radausflug machen. Auch zwei Wochen nach der Kollision von Sao Paulo war Trulli nicht zu bremsen: Fast überall hatte er Beweismaterial und Bilder vom Sutil-Crash mit dabei. In der Pressekonferenz, im Fahrerbriefing, überall. Es ließ ihm einfach keine Ruhe. Minutenlang diskutierte er in der Donnerstags-Pressekonferenz mit Sutil oder vielleicht sollte man besser "diskutierte er" durch "stritt er" ersetzen.

Es ist nicht cool, ein schlechtes Auto zu fahren.
Kimi Räikkönen

"Ich weiß nicht, ob du blind bist, aber meine Bilder zeigen genau, dass mein Frontflügel genau neben deinem ist", polterte der Italiener. Nach diversen Schlagabtäuschen erwiderte Sutil: "Ich habe dich nicht getroffen, du hast mich getroffen. Ich weiß nicht, wo das Problem liegt, aber vielleicht sind es deine Augen." So ging es immer weiter und weiter... Fernando Alonso und Kimi Räikkönen fühlten sich fast ein bisschen überflüssig. Der Spanier fragte den Finnen: "Wollten wir gehen?" Im Rennen kam Trulli hinter seinem Rookie-Teamkollegen Kamui Kobayashi ins Ziel, vielleicht hätte er etwas weniger Aufmerksamkeit auf seine Dokumente und Bilder legen sollen...

Die Lehre vom Iceman

Noch mal Toyota: Teampräsident John Howett war in den vergangenen Wochen schwer beschäftigt. Es gab keinen Tag, an dem er nicht in jedes Mikrofon sprach, das sich halbwegs in seiner Nähe befand. Sein Lieblingsthema waren Rennfahrer. Mal die eigenen, die er ziemlich vernichtend beurteilte. Mal die anderer Teams, die er gerne haben würde, die davon aber nichts wissen wollten.

Streckenbesichtigung: Kein Wunder, dass Giancarlo Fisichella einen ganz anderen Speed anschlug... - Foto: Ferrari

So täuschte er Verhandlungen mit Robert Kubica und Kimi Räikkönen vor. Über Kubica sprach Howett im Beisein des neuen Teamchefs des Polen, Bob Bell, obwohl dieser ihn schon längst verpflichtet hatte, zu Räikkönen sagte er sogar, dass dieser zu viel Geld verlange, obwohl dieser meinte, nie mit Toyota verhandelt zu haben. Warum auch? Kimis Antwort an Howett: "Es ist nicht cool, ein schlechtes Auto zu fahren."

Die Lehre vom Sushi

Wenigstens Kamui Kobayashi gab Howett Grund zur Freude. Dabei fürchtete der Japaner vor zwei Monaten nach einer enttäuschenden GP2-Saison noch um seine Karriere und spielte mit dem Gedanken, zurück nach Japan zu gehen, um wieder im Sushi-Restaurant seines Vaters zu arbeiten. "Ich koche gerne", meinte er. Nur nicht Französisch, obwohl er derzeit in Paris wohnt. Bei seinen beiden Rennen in Brasilien und Abu Dhabi kochte er aber vor allem Jenson Button ab. Dem gefiel das gar nicht, nach dem Duell in Interlagos klagte er: "Das war zu hart, er gehört bestraft!" Vielleicht sollte Jenson zur Beruhigung das eine oder andere Glas Rotwein von seinem Papa John abstauben.

Die Lehre von der Hochzeit

Warum nicht? Liebst Du sie nicht?
Sebastian Vettel

Er mag der neue Weltmeister sein, aber bei der letzten Siegerpressekonferenz des Jahres war Jenson Button von Red Bull umzingelt: "Ich habe gehört, dass du heiratest", stellte plötzlich Sebastian Vettel die Fragen. Während Button versuchte, das Thema zu ersticken. Ließen die Scherzkekse Vettel und Mark Webber für den Rest der Pressekonferenz nicht locker. "Wir haben gehört, dass Jenson heiratet", wiederholte Vettel. "Und wir sind alle eingeladen", ergänzte Webber. "Aber Japan ist eine weite Reise." Dort stammt Jensons Freundin Jessica her.

So ging es weiter. "Würdet ihr bitte aufhören, ich spreche hier - das wollt ihr Euch vielleicht anhören", rüffelte Button die Plaudertaschen an seiner Seite. Webber ließ das kalt: "Aber wir sprechen doch über Deinen Hochzeitstag, Kumpel. Wir wollen nur unsere Terminpläne frei machen." - Button: "Ich heirate dieses Jahr nicht." - Vettel: "Warum nicht? Liebst Du sie nicht?" - Webber: "Haltet Euch den Januar frei, macht es." Das nennt man wohl Psychokrieg noch vor Saisonbeginn 2010...


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