Formel 1 / Interview

Abu Dhabi ist extrem - Jens Marquardt

Toyota Team Manager Jens Marquardt sprach im Team-Interview über die logistischen Herausforderungen von Abu Dhabi.

Motorsport-Magazin.com - Was sind die ersten Schritte, die man bei der Logistik setzt, wenn man sich auf eine neue Strecke vorbereitet?
Jens Marquardt: Zunächst versucht man einmal, im Vorfeld so viele Informationen wie möglich zu sammeln, man wendet sich also direkt an die Strecke oder sie lassen uns schon frühzeitig wissen, wie ihr Status aussieht; das passiert öfter. In Suzuka wurden beispielsweise Änderungen an der Box gemacht. Sie schickten uns Zeichnungen, Informationen über ihre Pläne und eine Einladung für eine Erkundungstour, wo wir Fotos machen konnten, Fragen stellen durften und Wünsche äußerten, um zu verstehen, wie die Situation aussieht. Es ist nützlich, wenn wir unseren Input dazu geben können, was wir in punkto Elektronik und Netzwerk-Verbindungen brauchen, all diese Sachen.

Ein anderer wichtiger Punkt wäre es, von Strecke zu Strecke sehr ähnliche Einrichtungen zu haben, damit wir unser Equipment nicht ständig tauschen oder anpassen müssen
Jens Marquardt

Wenn du drei Wünsche für die Einrichtungen an einer neuen Strecke hättest, welche wären das?
Jens Marquardt: Das erste wäre genug Platz zum Arbeiten und zur komfortablen Unterbringungen aller Dinge, vor allem mit Blick auf das nächste Jahr, wenn es mehr Teams geben wird. Ein anderer wichtiger Punkt wäre es, von Strecke zu Strecke sehr ähnliche Einrichtungen zu haben, damit wir unser Equipment nicht ständig tauschen oder anpassen müssen. Der letzte Punkt ist, dass eine gute Transport-Infrastruktur notwendig ist, denn sonst kann es für das Team wirklich unangenehm sein.

Wie sieht das in Abu Dhabi aus?
Jens Marquardt: Im Fall von Abu Dhabi kommen wir an eine völlig neue Strecke, also ist die Situation anders als in Suzuka, weil wir keine bereits vorhandenen Informationen hatten. Wir wurden eingeladen, nach dem Bahrain Grand Prix vorbeizuschauen und uns wurde gezeigt, was damals vorhanden war und was noch geplant war. Sie haben sich unseren Input angehört und Dinge wie die Zugangsmöglichkeiten ebenso besprochen, wie Installationen an der Box oder in den Büros. Abu Dhabi ist etwas anders, denn Richard Cregan und Andy Beaven arbeiten an dem Projekt, wir haben aufgrund ihrer Zeit bei Toyota mit beiden einen sehr guten Kontakt. Außerdem haben die Beiden viel Erfahrung aus Teamsicht, sie wissen also genau, was verlangt wird.

In Abu Dhabi wurde nicht gespart - Foto: Sutton

Wie sieht es mit der Logistik abseits der Strecke aus?
Jens Marquardt: Nachdem wir uns die Strecke selbst angesehen haben, besteht die nächste Aufgabe darin, die logistische Situation bezüglich der bestehenden Hotels zu untersuchen, zu schauen, welcher Flughafen am geeignetsten ist und wie wir die Leute herumtransportieren, wenn sie hier sind. Wir schauen, ob es irgendwelche Bestimmungen für Ausländer gibt, die Mietwagen fahren und ob es angemessen ist, Busse zu benutzen; wir treffen die Entscheidung basierend auf der einfachsten, effektivsten und kosteneffizientesten Lösung. Bei der langfristigen Vorbereitung ist das viel Arbeit, man braucht da also zwischen sechs Monaten und einem Jahr Vorlauf.

Wie sieht es damit aus, die Leute in Abu Dhabi an die Strecke zu bekommen?
Jens Marquardt: Ich würde sagen, bei der Logistik sieht in Abu Dhabi alles gut aus. Unser Hotel liegt zwischen dem Flughafen, der Stadt und der Strecke, wir sollten also keine Transportprobleme haben und das Fahren sollte klappen. Wir hatten kleine Bedenken wegen der Einreise und des Zugangs zu Yas Island, wofür man normalerweise eine Bewilligung braucht, aber das wurde mit der FOM [Formula One Management] und der Regierung geregelt, also sollte es für das Team recht einfach werden..

Unsere Philosophie ist, dass wir bessere Arbeit von den Leuten erhalten, wenn sie eine passende Unterbringung in einer annehmbaren Entfernung zur Strecke haben
Jens Marquardt

Wie entscheidet ihr, welche Hotels ihr bucht?
Jens Marquardt: Das ist mehr oder weniger ein Kompromiss zwischen Kosten, Örtlichkeit und Komfort. Wir haben einige Standards, die wir dem Team gerne bieten wollen, gleichzeitig haben wir ein gewisses Budget, das wir für jeden Event abstellen, wir müssen da also das Passende finden. Für Abu Dhabi sahen wir uns sogar die Möglichkeit an, in Dubai zu wohnen und jeden Tag zu pendeln, wenn die Hotels besser gewesen wären, aber das war in der Realität nicht machbar. Die Transferzeit ist lange und es besteht die Möglichkeit von Sandstürmen oder Unfällen auf den Straßen. Deswegen haben wir ein Hotel in Abu Dhabi genommen. Unsere Philosophie ist, dass wir bessere Arbeit von den Leuten erhalten, wenn sie eine passende Unterbringung in einer annehmbaren Entfernung zur Strecke haben. Wenn man einen langen Arbeitstag hat, dann ist ein Transfer zum Hotel von einer Stunde oder mehr schon eine ziemliche Last.

Sorgt der Start am Abend für irgendwelche Probleme oder Änderungen an den Arbeitsabläufen?
Jens Marquardt: Das Gute ist, dies ist das letzte Rennen der Saison, die spätere Startzeit ist also logistisch oder beim Zusammenpacken nicht wirklich ein Problem. Beim Nachtrennen in Singapur war das anders, da sich das auf den eine Woche später stattfindenden Grand Prix in Japan auswirkte. Das war am Sonntag logistisch ein ziemliches Problem, denn wir hatten das späte Rennen und mussten unsere Fracht aber zur normalen Zeit fertig haben, was so 4:00 Uhr am Morgen ist. Das hat die Jungs echt gefordert, weil sie alles rechtzeitig fertig haben mussten, aber in Abu Dhabi wird das kein Problem. Hier ist das letzte Rennen, also gibt es keine Eile, um das Equipment an die nächste Strecke zu bringen und unsere Flüge sind am Montag, es gibt also viel Zeit.

Es sollte genug Platz vorhanden sein - Foto: Sutton

Wie kamen die Autos von Brasilien nach Abu Dhabi?
Jens Marquardt: Die Autos kamen per FOM-Luftfracht direkt von Brasilien nach Abu Dhabi. Sie kamen Ende voriger Woche an und wurden in Abu Dhabi untergebracht, bevor unsere Jungs am Montagmorgen ankamen, um die Arbeit zu beginnen.

Wie sind generell deine Eindrücke vom Yas Marina Circuit?
Jens Marquardt: Er ist extrem. Als ich im April dort war, um mich umzusehen, arbeiteten sie dort schon zu jeder Tageszeit - allerdings nicht zur heißesten Zeit, denn das ist unmöglich. Was wir seitdem an Updates gesehen haben, ist unglaublich; das habe ich noch nie zuvor bei einer Formel-1-Strecke gesehen. Die Marina, die sie bauen und um die die Strecke herumführt, das Hotel mit der Brücke über der Strecke - sie haben in die ganze Anlage viel Geld gesteckt und sie ist in jedem Fall einmal etwas Anderes. Sie haben sich für die Teams wirklich Mühe gegeben, damit alles genau so ist, wie wir das wollen. Ich hoffe für uns, dass es der einfachste neue Event für lange Zeit wird.


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