Formel 1 / Hintergrund

Gegen den Uhrzeigersinn - Interlagos: Eine echte Herausforderung

Interlagos stellt für Mensch und Material eine echte Herausforderung dar - nicht nur weil im Autodromo José Carlos Pace gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird.
von Kerstin Hasenbichler

Motorsport-Magazin.com - Interlagos gehört sicherlich zu den schwierigeren Strecken im Formel-1-Rennkalender, aber der Ruf des Autodromo José Carlos Pace ist legendär. In den letzten beiden Jahren war es der Ort, an dem die Titelentscheidungen fielen. Wer kann sich nicht an das Herzschlagfinale 2008 erinnern? Felipe Massa gewann sein Heimrennen vor tausend frenetisch jubelnden Fans und glaubte sich als Weltmeister.

Nur wenige Sekunden später zerplatzte sein Traum als Lewis Hamilton als Fünfter die Ziellinie überquerte und sich den Titel mit einem Punkt Vorsprung sicherte. McLaren Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh gestand: "Keiner im Team wird jemals die dramatische Schlussphase des Grand Prix vergessen - das sind Erinnerungen, die uns ein Leben lang begleiten werden. Die entscheidenden Szenen im Titelkampf der letzten beiden Jahre spielten sich jeweils in Brasilien ab, dadurch ist dieses Rennen für uns eine ganz besondere Veranstaltung geworden."

Eine brasilianische Party

Nehmen wir also die 4,309 Kilometer lange Strecke mit langsamen, mittleren und schnellen Kurven sowie einer langen Geraden einmal unter die Lupe. "Am besten gefällt mir zunächst Kurve eins. Du bremst in eine lang gezogene Linkskurve, die durch einen Rechtsknick auf die Gegengerade führt. Dann Ferra Dura, eine schnelle Rechtskurve, in der dein Körper fest an die Seitenwand des Cockpits gedrückt wird. Schließlich folgt die Zielgerade - hier beschleunigst du bergauf und kannst dabei die begeisterten Fans und ihre brasilianischen Trommeln von der Haupttribüne hören", beschreibt Lewis Hamilton den Kurs.

Die meisten Fahrer genießen die besondere Atmosphäre in Interlagos. Hamilton: "Die brasilianischen Fans versprühen so viel Energie und Lebenslust. Wir arbeiten und sie machen Party und jeder ist glücklich." Und die F1-Piloten müssen auf den 71 Runden einiges an Arbeit leisten. Vor allem wegen des welligen Asphalts gilt Interlagos als große Herausforderung für Mensch und Material. "Der Asphalt ist normalerweise ziemlich wellig, also brauchen wir ein Setup, das mit diesen Unebenheiten zurechtkommt", weiß Fernando Alonso. Kein Wunder, dass das Autodromo Carlos Pace vor langer Zeit den Beinamen "Waschbrett-Kurs" erhielt, wobei in den letzten Jahren die Bodenwellen weniger wurden.

Die Strecke wurde wegen den Bodenwellen neu asphaltiert - Foto: adrivo Sportpresse

"Vor ein paar Jahren war die Strecke ziemlich holprig und wir haben sehr viel Zeit damit verbracht an der Aufhängung zu arbeiten, um die Bodenwellen zu absorbieren. Aber in den letzten Jahren wurde sehr viel an der Strecke gearbeitet", erklärte Pascal Vasselon. An Herausforderung hat die Strecke aber nichts verloren. Sie verfügt über viele langgezogene Linkskurven, in denen hohe G-Kräfte auf die Piloten wirken sowie über eine sehr lange Gerade. "Das Geheimnis einer guten Rundenzeit besteht in Interlagos vor allem in einem effizienten Aerodynamikpaket und einem Auto mit gutem mechanischen Grip für den Mittelteil der Strecke", meinte Alonso.

Kimi Räikkönen sagt: "Das Wichtigste ist der aerodynamische Downforce. Aber das Auto muss auch stabil beim Bremsen sein und auch die letzte Kurve ist sehr wichtig, weil sie auf die lange Bergaufgerade führt - hier sollte KERS sehr helfen." "Die Strecke ist einerseits ziemlich schnell, andererseits sehr technisch. Man muss beim Setup einen guten Kompromiss finden", erklärte Toyota-Pilot Jarno Trulli. Hinzu kommt, dass in Interlagos gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. "Das ist physisch ziemlich anstrengend, weil wir gewohnt sind, andersherum zu fahren. Dennoch macht die Rennstrecke sehr viel Fahrspaß", sagte Robert Kubica.

Zudem wird in 800 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gefahren, durch die geringere Luftdichte verlieren die Motoren circa acht Prozent an Leistung. "Das kostet zum einen Motorleistung und erfordert zum anderen ein exakt angepasstes Motoren-Mapping", erklärte Renault-Teamchef Bob Bell. Die Motorleistung ist vor allem im letzten Abschnitt, wo die Start-Ziel-Gerade steil ansteigt, entscheidend. Besondere Würze erhält die Suche nach dem optimalen Setup schließlich durch das teilweise unberechenbare brasilianische Wetter. Kubica: "Wenn es regnet, wird es tückisch, weil dort dann sehr viel Wasser auf der Strecke steht."


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