Vor Saisonbeginn war KERS das große Schlagwort, von Diffusoren war nirgends die Rede. Die Ergebnislisten des Qualifyings zeigen jedoch, dass die kinetische Energierückgewinnung derzeit nicht den Stellenwert einnimmt, den sie im Vorfeld hatte.
Im ersten Qualifying der Saison in Melbourne stand das beste KERS-Auto auf Platz 7 (Felipe Massa im Ferrari). Daneben war nur Kimi Räikkönen mit einem KERS-Boliden in den Top10. Nick Heidfeld und Fernando Alonso belegten die Ränge 11 und 12. Heidfelds KERS-loser Teamkollege Robert Kubica fuhr hingegen auf Platz 4.
Das könnte natürlich ein Zufall oder streckenabhängig gewesen sein. Doch auch in Malaysia (wo KERS laut Teams und Fahrern wegen der langen Geraden viel wichtiger ist) fand sich der beste KERS-Pilot (ohne Strafversetzungen) auf Position 9 wieder - nämlich Kimi Räikkönen. Direkt dahinter kamen Fernando Alonso und Nick Heidfeld auf den Plätzen 10 und 11. Im Grunde also das gleiche Bild wie eine Woche zuvor.
Komplexität überschätzt
"Die besten KERS-Autos stehen deutlich hinter uns", analysiert Red Bull Berater Helmut Marko. "Und sie haben Probleme über die Distanz, wie man in Melbourne gesehen hat." Für Red Bull sei es also der richtige Weg gewesen, ohne KERS zu fahren. "Ich glaube, man hat die Komplexität dieses neuen, technischen Systems unterschätzt", sagte der Österreicher zu Motorsport-Magazin.com. "Deshalb waren alle Teams bis auf BMW dafür, KERS um ein Jahr zu verschieben. Das wäre in der wirtschaftlichen Situation mehr als gut gewesen."

Beim besagten BMW Sauber Team hält Motorsportdirektor Mario Theissen erwartungsgemäß dagegen: "KERS hat klar einen kleineren Einfluss als die Aerodynamik und die Reifen, aber es bringt trotzdem etwas, speziell auf dieser Strecke." Im Ergebnis spiegelt sich das noch nicht wider. Theissen kämpft dennoch tapfer für die Energierückgewinnung: "Man muss sich nur die erste Sektorzeit ansehen." Autos mit KERS hätten auf Start- und Ziel 8-10 km/h mehr Höchstgeschwindigkeit.
KERS wird noch wichtig
"Aber selbst wenn KERS bei der Rundenzeit neutral wäre, hätte man immer noch den strategischen Vorteil auf der Geraden zu überholen oder mit einem schwachen Auto seine Position zu verteidigen", nennt Theissen die Vorteile des Systems. Das sei vor allem im Rennen signifikant.
Theissen gibt aber zu: "Es ist völlig richtig, dass der Einfluss von KERS im Bereich von drei Zehnteln liegt, der einer guten oder schlechten Aerodynamik oder der Reifenwahl jedoch bei einer halben bis ganzen Sekunde." Umso schwerwiegender seien die Unterschiede durch die so genannten Doppel-Diffusoren von Brawn GP, Toyota und Williams, die ohne KERS ganz vorne in den Ergebnislisten anzutreffen sind. Theissen beharrt dennoch: "Im Laufe der Saison wird man KERS brauchen, um vorne zu stehen und im Rennen gut zu sein."
Zumindest diesen KERS-Vorteil bestätigten die Fahrer nach dem ersten Rennen mit Zusatz-PS in Australien. "Die KERS-Autos sind einfach an mir vorbeigefahren", lautete die einhellige Meinung. Und umgekehrt meinte Timo Glock: "Ich kam an Alonso nicht vorbei, er hat immer wieder den Knopf gedrückt."



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