Derzeit kämpft sich Mark Webber in Tasmanien durch Flüsse, Dschungel-Dickicht und über Berge. Die vergangenen zwei Jahre fightete er mit seinem dunkelblauen Arbeitsgerät und der Williams-Führung, die sich aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung nicht auf seine Ideen angewiesen fühlte.

So konnte sich Webber voll auf seine Leistung im Auto konzentrieren, sich aber nicht besonders stark ins Team einbringen. Bei Jaguar sei er ein Bestandteil der gesamten Mannschaft gewesen, bei Williams ließ er hingegen das Team die Arbeit machen und fuhr einfach nur. "So wird hier nun mal gearbeitet; der Truppe ist es lieber so", sagte ein enttäuschter Webber gegenüber der Motorsport aktuell. Der Fahrer Mark Webber war beim einstmals erfolgreichsten Rennstall der 90er Jahre eben nur ein Fahrer und kein Antreiber oder Denker und Lenker.

Für ihn war diese Arbeitsweise natürlich entspannter, aber gleichzeitig auch wahnsinnig frustrierend. "Ich stand den Leuten in der Führungsetage bei Jaguar einfach viel näher als hier", klagte er. "Die Chefs bei Williams haben früher schon viele Rennen gewonnen, bevor ich zum Team kam - ich dagegen noch kein einziges. Da war meine Meinung nicht wichtig."

Das klinge zwar hart, sei aber die Wahrheit. "Ich musste lernen, damit umzugehen. Aber so war es nun mal; ich musste mich damit abfinden. Die Teambesitzer haben viel mehr gewonnen als ich. Also musste ich auf sie hören - und die Ergebnisse sprechen lassen." Das taten sie dann auch: Williams erlebte die größte Durststrecke der Teamgeschichte. "Frank Williams und Patrick Head sind sehr erfolgreich. Ich hatte überhaupt keine Argumentationsgrundlage, auf der ich begründen konnte, warum meine Meinung die richtige sei." Irgendwann kam deshalb der Punkt an dem er sagte: "Was soll's? Ist ja auch nicht so wichtig."

Die Zeit bei Williams lehrte Webber somit vor allem eins: "Was früher mal war, ist völlig unwichtig." Das hier und jetzt zählt und da ist Williams kein Top-Team mehr. "Wenn man in der Konstrukteurs-WM nur auf dem 8. Platz liegt, dann realisiert man das ziemlich schnell."

Für Webber soll sich das 2007 ändern - bei Red Bull Racing. Dort möchte er nicht mehr nur ein kleines Rädlein in einem stufenlosen, aber oftmals defekten Getriebe sein. Den Grund für seine Zuversicht nannte er auch gleich: "Die Motoren werden alle sehr ähnlich sein; daneben haben wir Einheitsreifen. Also wird das Auto den mit Abstand größten Unterschied bilden", begründete er seinen Wechsel. "Und bei einer solchen Ausgangslage kämpfe ich doch lieber Seite an Seite mit Adrian Newey als gegen ihn - vorausgesetzt, ihm gelingt auch ein guter Wagen."