Wenn jemand Michael Schumacher vor dem China GP einen zweiten Platz hinter Fernando Alonso angeboten hätte, "dann hätte ich sofort unterschrieben". Nach 56 harten Runden konnte der siebenfache Champion froh sein, dass ihm niemand ein solches unmoralisches Angebot unterbreitet hat. Mit seinem 7. Saisonsieg zog er mit Alonso nach Punkten gleich und ging mit 7:6 Siegen in der WM-Wertung in Führung.

Dennoch glaubte Jean Todt erst nach der Zieldurchfahrt an den Triumph. "Da gibt es nichts zu grinsen", betonte Todt, der am Morgen noch die Punkte kalkulierte, die man verlieren könnte. "Michael war eingangs der letzten Runde vier Sekunden vor Alonso, hatte aber bei einsetzendem Regen Rillenreifen aufgezogen. Wer dann glaubt, dass es einfach werden würde, der hat keine Ahnung. Ich habe bis zuletzt gezittert, dass er das Auto in der letzten Runde verlieren könnte."

China war für Ferrari auch eine lehrreiche Lektion. Als die beiden Renault während Alonsos Problem nebeneinander fuhren, damit Michael Schumacher nicht von einem Überholmanöver profitieren konnte, lernte Jean Todt zum Beispiel, "was man machen kann". "Das war eine gute Lektion für uns. Wir wollen immer alles lernen - intern als auch was die anderen machen." Die Beurteilung der Aktion überließ er wie üblich anderen. Man werde es aber zukünftig in Betracht ziehen. In Shanghai war Felipe Massa für solche Spielchen aber zu weit weg.

In einer Situation schien es jedoch so zu sein, als ob Ferrari selbst einige Tricks auf Lager habe. Vor Schumachers zweitem Stopp gingen die Mechaniker einmal kurz nach draußen, um danach ihre Zelte wieder abzubrechen. Laut Todt habe man nur "darüber nachgedacht", wann man stoppen würde und "sich für den Fall der Fälle" vorbereitet. Eine Beeinflussung des Stopps von Fisichella hatte man natürlich nicht im Sinn...