Ökonomie der Aufmerksamkeit ist ein Buch von Georg Franck, das sich mit… der Ökonomie der Aufmerksamkeit beschäftigt. Wer aber zu faul ist, ein ganzes Buch zu lesen, der hat es am Sonntag in Shanghai auch ganz beeindruckend vor Augen geführt bekommen. Es war quasi eine Verfilmung des Buches, bei der der Regisseur gehörig an der Story herumgepfuscht hatte. Immerhin ist es ja heutzutage groß in Mode, Bücher mehr oder weniger inhaltsgetreu auf die Leinwand zu bringen, damit sich der normalsterbliche Couch-Potatoe das Lesen sparen kann.

Also Shanghai war wirklich eine sehr freie Interpretation des Buches, wie man ganz klar erkennen konnte. Im Prinzip war es unmöglich allen vier deutschen Fahrern die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Michael Schumacher machte alleine für sich so viel PR auf der Strecke, dass seine Landsmänner schon einmal völlig aus dem Blickfeld gerückt waren. Sogar das gute Rennen von Nick Heidfeld wurde beinahe übersehen und fiel schließlich nur deswegen besonders ins Auge, weil es am Ende völlig zerstört wurde. Tja auch, oder besonders mit, Negativismus werden Nachrichtenwerte bedient, bedienen Sie sich und Ihre Aufmerksamkeit da gleich mit.

Schumacher spielte auf jeden Fall ein ganz klares Konzept durch: Tief stapeln, hoch gewinnen, viel Gehör finden. Deswegen waren auch mehr als nur zwei Ohren dabei, als er sagte: "Nach gestern sah es für uns überhaupt nicht gut aus", gab er sich realistisch. "Das Rennen unter ähnlichen Bedingungen zu starten, war ebenfalls nicht gerade sehr viel versprechend. Dass ich am Anfang mit denen vor mir mithalten konnte, war also mehr als ich mir erhofft hatte." Aber es war auch ein "gutes" Zeichen. Denn "selbst wenn Fernando gewonnen hätte, hätte ich nur zwei Punkte verloren - das wäre noch im Rahmen gewesen. Vor dem Start hätte ich so ein Angebot sicher sofort unterschrieben und wäre gleich nach Suzuka gefahren"

Für dort will er sich aber noch nicht festlegen, da wieder einmal alles anders sein kann. "Es ist unglaublich schwierig etwas vorherzusagen", wiegelte er ab. "Die Reifen sind ein entscheidender Faktor, der sich je nach Strecke komplett verändern kann. Deshalb wage ich keine Prognose." Damit hat er klarerweise auch sichergestellt, das wir dem Ganzen unsere volle Aufmerksamkeit widmen, da ja wieder einmal alles passieren kann, wie zum Beispiel, dass Michael Schumacher tief stapelt, hoch gewinnt und viel Gehör findet.

Doch einer untergrub Schumachers Bemühungen um Aufmerksamkeit ein wenig. Das aber nur deswegen, weil er wegen eines ziemlich Wutanfalls überall gut zu hören war und weil ihm wegen eines ziemlich unglücklichen Unfalls auch einige zuhören wollten. "So habe ich mich in meiner ganzen Karriere noch nie aufgeregt", gestand Nick Heidfeld im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Das war ein sicherer vierter Platz und dann..." Ja, dann setzte sich Takuma Sato vor ihn, Jenson Button neben ihn und Rubens Barrichello in sein Heck. Dadurch waren dann am Ende Jenson Button und Pedro de la Rosa vor ihm und Rubens Barrichello mit einem Teil seines Hecks auch noch.

Die Wut von Heidfeld entfachte auch die Aufmerksamkeit der Rennkommissare, doch die befanden nur, dass die Überrundeten, die Heidfeld gebremst hatten, namentlich Christijan Albers und Takuma Sato, bestraft werden sollten. Heidfeld, der vor der Verkündung der Strafen sagte: "Wenn ich Glück habe, bekomme ich einen Platz zurück, aber keine drei", bekam also gar keinen Platz zurück. Nachdem das Ganze aber nun geklärt ist, können wir unsere Aufmerksamkeit auch wieder anderen Dingen zuwenden.

Rot hatte irgendwie sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, Foto: Sutton
Rot hatte irgendwie sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, Foto: Sutton

Bleibt nur die Frage: Was denn? Achja genau, da war ja noch etwas, dass sich fast unserer Aufmerksamkeit entzogen hätte. Nico Rosberg fuhr zu einem elften Platz, den er gegenüber motorsport-magazin.com einem seiner besten Freunde widmete: "Ich kam halt nicht an dem Coulthard vorbei, an der alten Sau." Sollte es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, auch im Aufmerksamkeitsloch ist trotzdem Humor zuhause und deswegen lag es nicht in Rosbergs Absicht, Coulthard zu beschimpfen, schließlich hätte das negative Aufmerksamkeit erzeugt.

Beinahe unsichtbar verbrachte Ralf Schumacher seinen Tag. Kein Wunder betätigte er sich doch als Garagenparker mit einem Öldruck-Problem. Damit erobert man kaum Aufmerksamkeit. Da er aber nicht bei seinem Bruder abschauen will, wird er auch weiterhin aufregende Sachen wie folgende erzählen: "Im Rennen waren wir angemessen konkurrenzfähig, aber ich habe in den ersten Runden viel im Verkehr festgehangen." Was? Hat er was gesagt? Ich habe gerade meine Aufmerksamkeit gesammelt. Schließlich muss ich damit ökonomisch umgehen, da in einer Woche schon wieder ein Rennen ist.