Stellen Sie sich vor, dass Ihnen bei über 300 km/h der Hinterreifen explodiert. Sie vermeiden es gerade noch so den Vordermann abzuschießen, kriechen Kilometer lang auf der Felge dahin und müssen auch noch Beschädigungen an Ihrem Auto hinnehmen. Genau das geschah Fernando Alonso im Qualifying. In Folge dieses Zwischenfalls musste er nach seinem zweiten Reifenwechsel mit Vollgas aus der Boxengasse heraus brettern, um seine Outlap so schnell wie möglich zu absolvieren - schließlich kam er zwei Sekunden vor dem Ablaufen der Zeit über die Linie; besser geht es nicht. Danach drehte er mit Felipe Massa im Schlepptau seine letzte fliegende Runde. Alles in allem klingt dies nicht wie ein Szenario, bei dem man den Hintermann behindert oder diese Idee einem überhaupt in den Sinn kommt. Immerhin ging es darum die eigene Qualifying-Position zu verbessern und nicht den Teamkollegen des Titelrivalen zu blockieren - was hätte auch man davon?

"Ich verstehe die Strafe nicht, da wir ihn nicht behindert haben", klagte ein verärgerter Pat Symonds am Samstagabend im Media Centre in Monza. "Auf dieser Strecke wünscht man sich immer einen Windschatten, gerade im Qualifying." Warum sich dann Massa darüber beschwerte und sich dadurch behindert fühlte, weiß der Chefingenieur von Renault nicht. "Ich habe Massa gefragt: Morgen musst Du 53 so fahren - wie willst Du damit klarkommen?"

Das Urteil über die Bestrafung von Fernando Alonso überließ Symonds den Journalisten. "Schaut Euch die Fakten an und entscheidet selbst." Als Entscheidungshilfe schickte er hinterher: "Ich habe die Telemetrie von Ferrari gesehen und Massa war schneller in der Parabolika als zuvor. Mitten in der Kurve hat er gelupft - für mich sah es noch einem Fehler aus. Er klagte jedoch, dass er Downforce verloren hätte."

Symonds glaubt aber, dass die F1 etwas ganz anderes verloren hat: ihre Erinnerung an frühere Qualifying-Zeiten. "Wir scheinen vergessen zu haben, wie das Qualifying bis 2003 war. Damals beklagte sich das halbe Feld über Verkehr. Das gehört zum Racing - darum geht es. Wir sind jetzt politisch viel zu korrekt: Wollen wir Racing sehen oder nicht? Was kommt als nächstes? Blinker oder eine Hupe im Auto?"

Von Startplatz 10 wird es für Fernando Alonso nun doppelt schwer - im Italien GP und in der Weltmeisterschaft. "Mit P5 im Grid hatten wir eine Siegversprechende Strategie. Jetzt wird es viel härter", verriet Symonds. "Denn es ist hier schwierig zu überholen. Somit ist es eine härtere Strafe als auf einer anderen Strecke. Die meisten Sorgen macht uns aber die erste Kurve. Wir sind mittendrin im Feld, wenn etwas passiert sind wir höchstwahrscheinlich dabei."