In der Formel 1 ist nahezu alles vorhersehbar, 'Wer holt die Pole?' oder 'Wer gewinnt das Rennen?' sind da noch die einfachsten Übungen für die Wahrsager der Königsklasse. Diese benutzen allerdings keine handelsüblichen Kristallkugeln, sondern hypermoderne Supercomputer. Dank Telemetriedaten lässt sich alles ablesen, vom Lenkradeinschlag über den Benzinverbraucht bis hin zum ach so wichtigen Reifenverschleiß.
Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Fernando Alonso und sein Renault Team schon vor dem Qualifying wussten, dass Ferrari ihnen zumindest auf einer schnellen Runde überlegen sein würde. "Wir wussten, dass wir Ferrari auf einer Runde nicht schlagen konnten", gestand Alonso nach Startplatz 3." Für Chefstratege Pat Symonds lief das Qualifying deshalb genau "nach Plan".
"Platz 3 ist ein gutes Ergebnis", war auch Alonso zufrieden. "Morgen geht es darum ins Ziel zu kommen und Punkte für beide WM-Wertungen zu sammeln." Dem Rennen blickt der WM-Leader "optimistisch" entgegen. "Wir wussten, dass wir im Qualifying keine Chance hatten und haben uns ganz auf die Rennabstimmung konzentriert, die ist perfekt, da rechne ich mir mehr aus." Für Flavio Briatore galt ohnehin nur eins: "Das Wichtigste ist, dass wir direkt an Ferrari dran sind und keiner dazwischen steht."
Bei Ferrari glaubte man vor dem Qualifying auch für alle denkbaren Zwischenfälle und Ausgänge gerüstet zu sein. Doch dann kam es anders: Die Vorhersager der Roten versagten. Statt Michael Schumachers 69. Pole Position mussten sie in Istanbul Felipe Massas allererste Pole feiern. Da war selbst der siebenfache Weltmeister platt: " Vom Gefühl her habe ich heute nicht so langsam gemacht, um die drei Zehntel Rückstand zu erklären." Vielleicht war Massa also mit weniger Benzin in seinem Ferrari unterwegs, mutmaßte der Ex-Champion.
Die Schuld an der roten Überraschung trägt aber nicht der böse Computer, der die Qualifying-Vorhersage falsch berechnet hatte. Es war der Ex-Weltmeister höchstpersönlich, der gleich zwei Fehler beging. "Ich hatte nur noch einen Reifensatz und es war besser Zweiter oder Dritter zu werden, als Platz 1 anzugreifen und noch weiter hinten zu landen", sagte der anscheinend nach Ungarn geläuterte Ferrari-Star. "Es war besser auf Nummer sicher zu gehen." In Budapest verteidigte er sich noch mit den Worten: "So sind wir nun einmal, wir gehen immer auf Risiko. Wo gehobelt wird, da fallen Späne."
Dem Rennen blickt er trotzdem zuversichtlich entgegen. "Wir sind für das Rennen sehr gut gerüstet", wagte er eine neue Prognose. "Ich hoffe, dass wir auf den Rängen 1 und 2 einlaufen können und ich vorher Felipe entweder auf der Strecke oder über die Strategie überholen kann."
Massa hatte diese Strategie-Entscheidung sicherlich schon heute im Hinterkopf. "Ich werde morgen mein Rennen fahren, dabei aber immer die Ziele des Teams im Hinterkopf haben." Und diese Ziele beinhalten zwei WM-Titel, den Konstrukteurs- und den Fahrertitel. Dank der Konstanz der Bridgestone-Reifen sieht Ross Brawn "viele Gründe", um optimistisch zu sein. Aber was solche Vorhersagen wert sind, erfuhren die Roten ja heute am eigenen Qualifying-Ergebnis. Der alte Leitsatz vom Ungarn-Renntag scheint wohl nur noch bedingt zu gelten: Die Formel 1 ist nicht nur dann unvorhersehbar, wenn es einmal regnet...



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