Warum können GPMA und FIA nicht einmal auf die Fahrer blicken, damit sie lernen, wie das mit der Einigkeit aussieht. Denn wenn sogar Deutsche und Österreicher einer Meinung sein können, dann muss da doch irgendwas sein. Besonders guten Anschauungsunterricht hätte dabei das Verhalten der schnellen Herren nach dem Qualifying in Istanbul geboten, nachdem auch wieder große Übereinstimmung unter Heidfeld, Klien, Rosberg, Schumacher und Schumacher (in alphabetischer Reihenfolge) herrschte.
Diese Einigkeit bestand in der Zieldefinition, die sich alle fünf Herren für das Rennen zu Recht geschnitzt hatten: Es soll platztechnisch nach vorne gehen am Sonntag. Dass auch Michael Schumacher in diesen Chor mit einstimmen konnte, lag daran, dass er mit einer ungewöhnlichen Einstellung in das Zeittraining ging. "Ich hatte nur noch einen Reifensatz und es war besser Zweiter oder Dritter zu werden, als Platz 1 anzugreifen und noch weiter hinten zu landen. Es war besser auf Nummer sicher zu gehen", sagte der Ferrari-Pilot.

Am Ende wurde es dann, dank Sicherheitsfahrt, Startplatz zwei, womit er als bestplatzierter der deutschsprachigen Fraktion als erster das Motto für den Sonntag verkünden durfte: "Ich hoffe, dass wir auf den Rängen 1 und 2 einlaufen können und ich vorher Felipe entweder auf der Strecke oder über die Strategie überholen kann." Einfach gesagt: es soll nach vorne gehen.
Ganz so weit vorne will Nick Heidfeld nicht hinein fahren, aber doch zumindest unter die ersten Acht. Na gut, von Startplatz sechs sollte das möglich sein, deswegen war er auch der einzige, der ein etwas entschärftes Motto für den Sonntag ausgab: "Es wäre super, wenn wir in dem Bereich bleiben könnten." Deswegen sei von dieser Stelle einfach einmal spekuliert, dass Nick Heidfeld doch auch Rennfahrer-Blut in sich trägt und am Sonntag doch nicht nur auf Halten fährt.

Christian Klien wird das sicher nicht tun. Der Österreicher startet das Rennen nämlich von Platz zehn und wird die direkt vor ihm liegenden Punkteränge erreichen wollen. Deswegen meinte er auch nach dem Qualifying: "Hoffentlich können wir morgen von dieser Position ein gutes Rennen haben." Es läge auf jeden Fall an ihm, zu zeigen, dass Red Bull Racing eben nicht nur Punkte-Aasgeier sind, wie David Coulthard in Magny Cours behauptet hat.
Ralf Schumacher will es Klien gleich tun und sich einen der Punkteränge schnappen. Rein vom Qualifying-Speed her, wäre Ralf schon mittendrin in den Punkten, doch sein Motorwechsel kostet ihn Platz fünf und lässt ihn auf 15 abrutschen. Doch das lässt ihn nicht vom Glauben an Punkte und damit einen Vorstoß im Rennen abfallen. "Wir waren das ganze Wochenende konkurrenzfähig, also sind wir mit unserer Pace zuversichtlich und es ist hier möglich, zu überholen", sagte Schumacher.

Einer von den zu Überholenden ist Nico Rosberg, der das Rennen als 14. angehen wird. Der Williams-Pilot hatte in seinem Qualifying mit einem bizarren Problem zu kämpfen: zu viel Downforce. "Es war heute Morgen im freien Training mein bestes Training mit dem Auto und dann vom freien Training zum Qualifying haben wir Marks Setup übernommen, was schon ein recht großer Unterschied war. Ich kam einfach nicht damit zu Recht", meinte er. Dennoch glaubt er, dass er sich an die neuen Einstellungen im Rennen wird gewöhnen können und schloss deswegen mit der Losung des Tages: "Ich erwarte, dass wir nach vorne kommen und uns steigern. Mal sehen, wie weit es geht." Einmal sehen was GPMA und FIA aus dieser Einigkeit lernen können.

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