Sebastian Vettel wird am Freitag die Nummer 7. Allerdings nicht zwangsläufig in der Zeitenliste; der 19-Jährige wird der siebte Deutsche, der in dieser Saison in einem F1-Rennwochenende zum Einsatz kommt. "Das ist schön für ihn", freut sich sein Landsmann Ralf Schumacher mit dem F3-Youngster. "Er ist sicherlich noch sehr jung und man sollte ihn nicht überrumpeln, aber er wird sicher einen guten Job erledigen."
Davon ist auch Sebastians Teamkollege Nick Heidfeld überzeugt, der allerdings auch zu bedenken gibt, dass es für Vettel nicht einfach wird. "Er hat noch nicht so viel Erfahrung in der F1, weshalb es für ihn schwieriger wird, als beispielsweise für Robert [Kubica], der vor seinem Debüt im Winter viel fahren konnte. Aber Sebastian hat in den anderen Serien gute Arbeit geleistet und das sollte ihm auch hier gelingen."
Wichtig wird es, dass er viele Fragen an Nick und Robert stellt und das Team ihm so gut es geht unter die Arme greift. "Wir waren gestern Abend zwar zusammen essen, haben uns aber noch nicht über die Formel 1 unterhalten", so Nick. "Das wird aber sicher noch kommen." Gerade weil auch Nick darauf angewiesen ist die Fahrweise seines Landsmanns besser kennen zu lernen.
"Bei Robert und bei Jacques weiß und wusste ich immer genau, wie ich ihre Aussagen zu deuten hatte. Robert fährt ein bisschen aggressiver und Jacques geht mit den Reifen ein bisschen zaghafter um als ich. Deswegen konnte ich das alles einordnen und das kann ich bis jetzt beim Sebastian noch nicht." Eines weiß Nick aber schon jetzt: "Sebastian kann uns mehr helfen als der Freitagstester vom letzten Mal." Denn in Ungarn verzichtete das Team auf diesen 'Luxus'.

Für Vettel wird der Freitag ein Tag der Premieren und ein Tag der Erinnerungen. "Es wird ein komisches Gefühl sein, da ich noch nie gegen Michael gefahren bin", sagt er über die bevorstehende Begegnung mit dem siebenfachen Weltmeister. "Vor zehn Jahren hat er noch die Zielflagge geschwenkt, als ich in Kerpen Kart gefahren bin, und jetzt fahre ich in einem Auto, das ähnlich schnell ist wie seines und kann mich direkt mit ihm messen - das wird sicher ein tolles Gefühl."
Besagter Michael Schumacher kann sich sogar sehr gut in Sebastians Position hineinversetzen; auch wenn sein F1-Debüt 1991 in Spa schon einige Jährchen her ist. "So eine Situation hat es für mich damals, als ich kam, nicht wirklich gegeben, dass ich da auf jemand getroffen wäre, den ich schon persönlich ganz gut kannte und der für mich dann plötzlich zum Gegner im gleichen Auto geworden wäre", nannte Schumacher aber auch einen Unterschied zu früher.
"Wenn man mal davon absieht, dass damals natürlich eine Menge sehr starker Fahrer in der Formel 1 unterwegs waren. Aber man legt dann auch sehr bald - ich würde nicht sagen, den Respekt allgemein, aber vielleicht eine besondere Scheu ab und betrachtet jeden als normalen Gegner. Ich glaube auch nicht daran, dass in der Formel 1 Hierarchien dazu da sind, eingehalten zu werden, sondern man hat das Ziel, sie zu verändern." Sebastian wird das gerne hören, insbesondere von einem Idol, dessen Poster er vor einigen Jahren in seinem Zimmer hängen hatte.
Dieser Michael Schumacher war es auch, den nicht nur Nick Heidfeld für den großen Motorsport-Boom verantwortlich macht. "Allerdings stammen nicht alle Fahrer aus dieser Zeit, aber das Interesse am Motorsport ist dadurch in Deutschland enorm gewachsen", so der Mönchengladbacher, dem Michael zustimmt: "Mein Erfolg hat sicher einen gewissen Einfluss gehabt, der Kartsport hat hier in den Neunzigern schon geboomt, wie er das jetzt auch in Spanien tut und dadurch war natürlich vielmehr Potenzial da. Aber man muss auch den großen Einfluss deutscher Hersteller in der Formel 1 sehen, in der ja viel technisches deutsches Know-how steckt, viele dieser Hersteller haben auch aus Image-Gründen viel Nachwuchsförderung betrieben."
Das sieht auch Michaels Bruder Ralf so. "Es gab Jahre, da waren es Italiener oder Brasilianer, jetzt sind es eben Deutsche. Wir haben ja auch viele deutsche Hersteller, die viel machen - hoffentlich hält es noch lange an." Mit vier deutschen Stammfahrern, drei Testfahrern und Talenten wie Timo Glock oder Michael Ammermüller in der Warteschlange sollte das doch kein Problem sein...



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