Auch wenn die Betroffenen die Wirkung eher herunterspielen - nach dem endgültigen Verbot der Renault-Schwingungsdämpfer bleiben viele Fragen offen. Denn nicht nur bei Renault war man ja überzeugt gewesen, mit der eigenen Position durchzukommen, auch neutrale Beobachter wie Nick Heidfeld wunderten sich. "Ich war von dieser Entscheidung überrascht, ich hatte wirklich gedacht, dass die Dämpfer wieder erlaubt werden." Seiner Meinung nach ist die neue Interpretation der FIA, es handle sich um ein aerodynamisches Hilfsmittel, so nicht haltbar: "Sicher hat er einen kleinen Nebeneffekt in diese Richtung, aber dann wäre jede Feder, jeder Stoßdämpfer auch so ein Hilfsmittel. Wo zieht man denn dann die Grenze?" Dazu käme dann noch die Tatsache, "dass das Teil ja vorher von der FIA genehmigt und offensichtlich okay war. Und jetzt plötzlich nicht mehr? Das ist schon eigenartig - aber das ging uns ja mit unseren Flügeln, den Twin-Towers, genauso."

Dass da mal wieder künstlich in eine Weltmeisterschaft eingegriffen werden solle, wie es ja nicht nur den immer wieder zitierten Verschwörungstheoretikern in der Formel 1 in den Sinn kam, streitet die FIA natürlich vehement ab. Man versucht sogar, mit einer Veröffentlichung der Biographien der Mitglieder des Entscheidungsgremiums, des World Council, den "Beweis" absoluter Neutralität zu erbringen. Freilich, wer kann denn auch so vermessen sein, aus einer Reihe ähnlicher Ereignisse seit 1997, vom Verbot eines bestimmten Williams-Flügels, über das Verbot der vorher genehmigten Bremsen bei McLaren 1998, das Verbot von Beryllium im Mercedes-Motor 2000, dazu einer ebenfalls vorher genehmigten Getriebeentwicklung bei den Silbernen im gleichen Jahr, den plötzlichen Einschränkungen in Sachen Reifenbreite bei Michelin 2003 in einen Zusammenhang zu stellen? Etwa in den, dass da jedes Mal ein direkter Titelrivale von Ferrari eingebremst wurde...

Aber wenn das so völlig abwegig sein soll, was könnte denn dann noch dahinter stecken? Eine Theorie besagt, dass es der FIA-Spitze nicht unbedingt gefalle, dass ihre eigenen Sportkommissare seit der Ernennung des britischen Anwalts Tony Scott Andrew zum permanenten Vertreter bei allen Rennen zu Beginn des Jahres durchaus versuchen, einen eigenständige Kurs zu verfolgen. Deshalb habe man ihnen jetzt, mit der Zurückweisung ihrer Entscheidung, ihre Grenzen aufzeigen und ihren Platz zuweisen wollen.

Und um noch eine weitere Frage kommen die Verantwortlichen freilich nicht herum: Wie ist es eigentlich um die technische Kompetenz der FIA-Leute bestellt, wenn man, wie ja jetzt argumentiert wird, bei der Genehmigung im Herbst 2005, einfach noch nicht absehen konnte, wie dieses System funktionieren und sich entwickeln würde? Wenn das wirklich so sein sollte, dann stellt sich die FIA damit erst recht kein gutes Zeugnis aus, sondern nur eigene Unfähigkeit unter Beweis!