Zumindest äußerlich machte Fernando Alonso in Istanbul einen sehr lockeren und entspannten Eindruck, als er dem Fahrerlager am Donnerstag einen eher kurzen Besuch abstattete - schon kurz nach halb fünf ging's in charmanter Begleitung wieder Richtung Hotel. Vor allem "entspannen und meine Batterien wieder ein bisschen aufladen" wollte er in der Sommerpause seit Ungarn - es scheint geklappt zu haben: "Vor den entscheidenden fünf Rennen, davon drei in Übersee, war das sehr wichtig. Ich wollte nichts von der Formel 1 hören oder sehen, physisch und psychisch Abstand gewinnen."

Auch durch das gestrige FIA-Urteil gegen die Renault-Schwingungsdämpfer ließ er sich zumindest öffentlich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen - wobei da natürlich auch die Psychologie eine Rolle spielt. "Wir haben auch schon ohne die Dämpfer getestet, waren ohne sie in Ungarn sehr schnell, das Auto war extrem konkurrenzfähig - ich glaube nicht, dass das ein großer Nachteil ist", betonte er. Aber was ist mit den zwei bis drei Zehnteln, die diese Entscheidung ja doch pro Runde kosten soll? "Wir haben einiges getan, um das Auto auch ohne die Schwingungsdämpfer noch schneller zu machen, wir haben an der Vorderachse deswegen ein paar neue Teile. Ich bin überzeugt, dass wir hier super aufgestellt sein werden", so der Spanier.

Der verlorenen Chance von Ungarn, dort mit einem Sieg den Abstand auf Michael Schumacher deutlich zu vergrößern, trauert er nicht mehr nach: "Ungarn war ein schwieriges Rennen, am Anfang des Wochenendes sah es schlecht aus, dann zeitweise sehr gut, dann wieder sehr schlecht, nach meinem Ausfall, als Michael noch mit vorne lag. Und dann hat sich am Ende gar nichts geändert - uns alles beginnt hier von Neuem."

Einen großen Unterschied sieht er zum WM-Kampf mit Kimi Räikkönen in der vergangenen Saison, nicht nur darin, dass er davon ausgeht, "dass wir in diesem Jahr keine vorzeitige Entscheidung haben werden wie in den letzten Jahren immer, sondern ein spannendes Finale bis ganz zum Schluss. Und das ist für die Fans doch sehr aufregend." Vor allem aber sei eines anders: "McLaren war letztes Jahr sehr schnell, war uns deutlich überlegen, normalerweise konnten wir sie auf der Strecke nicht schlagen, mussten auf mechanische Probleme warten, um zuzuschlagen. Dieses Jahr ist das anders. Da sind mal wir besser, dann wieder Ferrari - aber der Ferrari ist so zuverlässig, dass man da nicht auf Ausfälle von denen warten kann."

Gegenüber 2005 hofft er hier in Istanbul auf ein besseres Wochenende: "Damals hatten wir hier gegenüber McLaren ziemliche Probleme, es war ein schwieriges Wochenende für uns - aber Ferrari hat damals auch alles andere als gut ausgesehen. Hoffen wir mal, dass es so bleibt..."

Auf weitere Fehler von Michael Schumacher - wie in Ungarn - will er aber gar nicht erst hoffen - die Meinung, dass Schumacher jetzt besonders nervös werde, teilt er sowieso nicht. "Jeder macht mal Fehler. Aber wenn man vorne ist, steht man halt mehr unter Beobachtung. Die Leute hinten auf Platz sieben oder acht machen mehr Fehler, nur fällt das nicht so auf..." Ein Problem des Drucks von außen sei das aber für beide nicht: "Er und ich machen das Maximum, im Rennen wollen wir beide gewinnen, maximale Punkte holen, Michael durch seinen Rückstand vielleicht noch ein bisschen mehr als ich. Letztlich machen wir uns selbst den Druck." Wobei Alonso überzeugt ist: "Michael steht stärker unter Druck als ich. Weil er hinten liegt. Ich bin jedenfalls lieber vorn als hinten. Ich weiß, dass einige Leute immer die Theorie vertreten, es sei besser, von hinten zu kommen. Aber das ist vielleicht im Radsport so - in der Formel 1 nicht."