Er ging am Donnerstagmorgen nicht zum ersten Mal durch das F1-Drehkreuz in Bernies Welt, doch er ging zum ersten Mal als Aktiver der Königsklasse des Motorsports in den F1-Paddock. Sebastian Vettel hat es früher als geplant geschafft: Am Freitag gibt er sein Debüt als Freitagstestfahrer für das BMW Sauber Team.
"Es ist ein gutes Gefühl und ich freue mich auf morgen", strahlte er immer und immer wieder bei jedem Interview in die Kameras und Mikrofone. "Es ist keine einfache Aufgabe, da ich noch nicht allzu viel Erfahrung habe, aber es sollte schon ganz gut hinhauen", gab er sich optimistisch.
Die Vorzeichen könnten nicht besser sein. Zwar musste er bis Mittwochnachmittag auf die Erteilung der Superlizenz durch die FIA warten, zuvor hatte er sich am letzten Wochenende in der Formel 3 EuroSeries am Nürburgring aber eine gute Motivation geholt: Mit der Pole Position und zwei Siegen liegt er jetzt nur noch knapp hinter dem Meisterschaftsführenden Paul di Resta.
"Es war sehr wichtig am Nürburgring zu gewinnen und es gibt mir ein gutes Gefühl gewonnen zu haben und jetzt mit diesem Schwung etwas Neues anzugehen", sagte Sebastian in Istanbul. Eine gewisse Nervosität ist beim 19-Jährigen natürlich vorhanden, aber verrückt macht er sich deshalb nicht. "Ich mache mich nicht besonders verrückt. Letztlich kommt es darauf an, möglichst viele Informationen über die Reifen zu sammeln. Ich setze mich ins Auto, fahre aus der Box und mache mir keine Gedanken, was alles passieren könnte."
Am meisten aufgeregt ist er vor den ersten Runden, "denn bislang habe ich noch nicht allzu oft in einem F1-Auto gesessen". Genau genommen hat Sebastian erst zwei Testtage absolviert: Einen mit BMW-Williams im letzten Jahr und einen mit BMW Sauber vor einigen Wochen. "Insgesamt habe ich rund 500 Testkilometer absolviert, das ist nicht allzu viel - aber es muss reichen", sagt er selbstbewusst. "Es wird sicherlich nicht ganz einfach mich sofort wieder an das Auto zu gewöhnen, aber zu Beginn sollte die Strecke morgen noch ziemlich leer sein, so dass ich genügend Platz für mich haben sollte."

Das Hauptaugenmerk liegt als Freitagsfahrer natürlich darauf "möglichst viele Informationen" zu sammeln, "damit den Stammfahrern die eine oder andere Entscheidung etwas einfacher fällt." Damit ihm dies gut gelingt, wird er sich im Laufe des Donnerstags noch einmal mit Robert Kubica kurzschalten und ihn "ausquetschen", immerhin hat der Pole bis zu seinem F1-Debüt in Ungarn die Rolle des Freitagsfahrers ausfüllte - und das alles andere als schlecht.
Am Freitag wird bei Sebastian ein großer Moment den nächsten jagen. Zuerst sein Debüt an einem GP-Wochenende, dann der erste Kontakt mit Michael Schumacher. "Es wird ein komisches Gefühl sein, da ich noch nie gegen Michael gefahren bin. Vor zehn Jahren hat er noch die Zielflagge geschwenkt, als ich in Kerpen Kart gefahren bin, und jetzt fahre ich in einem Auto, das ähnlich schnell ist wie seines und kann mich direkt mit ihm messen - das wird sicher ein tolles Gefühl."
Im Freien Training könnte Vettel am Ende sogar vor dem siebenfachen Weltmeister in den Zeitenlisten stehen - aber vorerst wünscht er sich nur eines: "Ich hoffe, dass ich morgen nicht fünf Sekunden zu langsam sein werde." Denn genau diesen Rückstand hatte er bei seinen ersten simulierten Runden im Istanbul Speed Park auf seiner Playstation. "Im letzten Jahr sind sie hier ungefähr 1:25 gefahren, das ging da nicht", lachte er. Seine Fingerverletzung vom Renault World Series Rennen in Spa ist mittlerweile auch soweit verheilt, dass er keine Probleme erwartet. "Der Zeigefinger ist noch etwas dick, aber ich habe ja noch mehr Finger an der Hand..."



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