Dank des ersten kürzlich verkündeten Urteils in der Causa Schwingungsdämpfer waren die mittlerweile verbotenen Teile am Donnerstag in Istanbul ständiger Begleiter im Themenpool der Journalisten. So kam dann auch Nick Heidfeld nicht darum herum, seine Meinung zu der Entscheidung im Fall FIA gegen Dämpfer kund zu tun.
"Mich hat es überrascht, ich dachte, dass es für legal erklärt wird", meinte Heidfeld mit der Begründung, "weil es für mich in erster Linie kein aerodynamisches Hilfsmittel ist. Wenn man das weiterspinnen würde, könnte man eventuell sagen, die normalen Dämpfer, die Federn und alles sind auch aerodynamische Hilfsmittel. Bei diesen Dingern wäre es noch ein bisschen extremer, aber wo ziehst du da die Grenze?"
Überhaupt war der Mönchengladbacher verwundert, dass jetzt auf einmal die Masse-Dämpfer aus den Autos verbannt wurden. "Das ist schon komisch. Renault setzt den jetzt seit fast einem Jahr ein. Es war vorher anscheinend legal, weil bevor du was eingebaut hast, hat das Team ja normalerweise nachgefragt und jetzt ist es auf einmal nicht mehr legal, das ist schon komisch. Das war mit unseren Twin-Towers ja auch ähnlich." äußerte sich Heidfeld über die Umstände des Verbots.
Über die Auswirkungen der fehlenden Dämpfer konnte er sich allerdings nicht genau äußern. BMW Sauber hatte diese Teile nämlich nie in den Autos. Deswegen kann Heidfeld nur nach dem Urteilen, was er so hört. "Da sagt man eigentlich, dass es Renault stärker treffen wird als Ferrari oder bei den letzten Rennen bereits stärker getroffen hat." Für das eigene Team sei es jedenfalls ein Vorteil, dass es die Masse-Dämpfer nicht mehr gebe, meinte er noch.
Nachdem er also ausgiebig zum Thema Dämpfer gelöchert worden war, durfte er auch ein wenig über seine Freizeit berichten, von der er in den vergangenen Wochen ja doch ein wenig gehabt hat. "Ich war die ganze Zeit zu Hause in der Schweiz, weil ich dachte, es wäre Sommer. Aber es war natürlich scheiß Wetter. Die meiste Zeit hat es leider geregnet, es war aber trotzdem nicht schlecht", sagte Heidfeld.

Und nun ist er wieder in Istanbul. Wenn man seinen Ausführungen Glauben schenken darf, ist er gerne hier. Das liegt vor allem an dem Blick aus dem Hotel und den Eindrücken, die er bei einem kurzen Stadtausflug im vergangenen Jahr sammeln konnte: "Letztes Jahr hab ich ganz wenig gesehen, weil da hatte ich ein Motorhome direkt an der Strecke. Ich war einmal Abends in der Stadt. Da sind wir über den Bosporus gefahren, ich war schön im Restaurant essen. Das war wirklich fantastisch. Jetzt war ich das erste Mal wirklich bei Tageslicht drin, war oben im Hotel mit Überblick über den Bosporus und die Stadt. Traumhaft schön!"
Das einzige Problem, dass die diesjährige Unterkunft mit sich bringt, ist der Weg zur Strecke, zwar ist das Hotel nicht mitten in der Stadt und nah an der Autobahn, dennoch kann der Verkehr in Istanbul auch gerne einmal zum erliegen kommen, und das nicht nur wenn die Formel 1 zu Gast ist. "Das war der Grund warum ich im letzten Jahr ein Motorhome genommen hab. Deswegen hab ich dieses Jahr statt einem Auto ein Motorrad genommen und bin dementsprechend heute Morgen auch mit dem Motorrad zur Strecke gekommen", sagte Heidfeld.

Auf der Strecke hat er für das Wochenende auch konkrete Pläne. Zwar weiß er, dass die Wiederholung des dritten Platzes von Budapest äußerst unwahrscheinlich ist, aber im Vergleich zu den Rennen davor hätte er gerne eine Steigerung. "Wir haben ein paar Neuerungen im aerodynamischen Bereich. Der Frontflügel und hinten die Bremskühlung in erster Linie", nennt er die Gründe für seine Zuversicht. Dabei ist ihm aber auch klar, dass die anderen Teams die Sommerpause auch nicht mit Daumendrehen verbracht haben. "Die Frage ist natürlich, was die anderen haben. Auch wenn wir nicht getestet haben, es waren fast drei Wochen Zeit, um im Windkanal zu arbeiten und da kommen die neuen Teile auch her. Die waren bis jetzt noch nicht am Auto, aber wir sind ganz zuversichtlich."
Der Erste, der die neuen Teile am Freitag genauer unter die Lupe nehmen wird, ist Sebastian Vettel, der Robert Kubicas Freitagsrolle übernommen hat. Heidfeld begrüßt zwar den Neuzugang, weiß aber auch, dass es gerade beim ersten Einsatz noch nicht ganz einfach sein wird. Er sagt: "Beim Robert und beim Jacques weiß und wusste ich das immer genau. Der Robert fährt ein bisschen aggressiver mit den Reifen und der Jacques geht damit ein bisschen zaghafter damit um als ich. Deswegen konnte ich das alles einordnen und das kann ich bis jetzt beim Sebastian noch nicht."
Heidfeld ist aber auch der Meinung, dass Vettel dank dieses ersten Einsatzes, dann bei zukünftigen Rennen umso wertvoller werden würde, da das Team dann genau wüsste, wie seine Daten zu bewerten sind. Deswegen fände es Heidfeld auch gut, wenn Vettel bei den Tests in Monza ebenfalls im Auto sitzen könnte. Vettel selbst würde das sicher auch gefallen.

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