"Das war einfach nur herrlich", zeigte sich Sven Heidfeld vom Großen Preis von Ungarn begeistert. Bevor sich die Formel 1-Welt in die alljährliche dreiwöchige Sommerpause verabschiedete, zeigte sich dank der gütigen Mithilfe des Wettergottes noch einmal, warum man sie irgendwann einmal Königsklasse des Motorsports getauft hat.
Nach diesem Feuerwerk, wie man es normalerweise aber an jedem Rennwochenende erwarten müsste, rechnete niemand damit, dass in den folgenden Tagen des Sommerurlaubs, Sommerlochs und der Newswüste viel passieren würde - doch da hatte man die Rechnung ohne den Montag gemacht.
Alles begann mit der Radmutter von Alonso. Nachdem Renault sich doch noch dazu bekannte, dass diese den Spanier nicht wegen eines Antriebswellendefekts ins Aus riss, sondern wegen unsachgemäßer Befestigung, platzte die erste Bombe: Jacques Villeneuve und BMW Sauber gehen ab sofort getrennte Wege.
Wer dachte, dass damit der Rest des Tages mit Villeneuve-Themen gefüllt wäre, der irrte sich gewaltig. Die F1-Bosse wollten noch vor ihrem Urlaubsantritt alle ihre Entscheidungen loswerden, um danach zwei ruhige Wochen genießen zu können. Als nächstes platzte die FIA mit einem Press Release heraus: Der Weltverband und die Automobilhersteller hätten sich "in allen Belangen" über die Zukunft der Formel 1 geeinigt!
Diese Aussage erschien schon allein aufgrund der Vielzahl an Forderungen der Hersteller unrealistisch, denn neben dem Motorenreglement streiten sich die beiden Parteien ja auch um die Transparenz und Organisation der Königsklasse. Aber selbst bei der Motoreneinfrierung kam das FIA-Statement mehr als nur "verfrüht": Schon wenige Minuten nach der Veröffentlichung dementierte die GPMA eine endgültige Einigung - schließlich hatten sich nur Max Mosley und Burkhard Göschel auf diese Punkte geeinigt; die anderen Hersteller mussten erst noch zustimmen - was sie bis Wochenende nicht machten. Da wollte Max wohl zu schnell in seinen Urlaub zurück...

Den Schlusspunkt eines aufreibenden Montags setzte Red Bull Racing. Die Bullen gaben Mark Webber und David Coulthard als ihre Fahrerpaarung für 2007 bekannt und versetzten Christian Kliens Cockpithoffnungen damit nach einer langen Zeit des Zitterns und der negativen Kommentare den Todesstoß. Immerhin bieten sie ihm an, seine Karriere in den Staaten oder der DTM unter dem Banner der roten Bullen fortzusetzen. Sein Urlaub wird wohl trotzdem nicht gerade sehr entspannt ausfallen...
Von diesem völlig schrägen Montag abgesehen, verlief die erste Pausenwoche wie gewohnt: Es gab jenen einen Tag mit allen Ereignissen, Tage ohne jegliche Ereignisse und Tage mit Ereignissen, die eigentlich gar keine waren. So zum Beispiel am Freitag, an dem eine große deutsche Boulevardzeitung aus der Kleidungsfarbe von Michael Schumacher eine rosa Lackierung für dessen Ferrari ableitete. Da brauchte vielleicht jemand etwas Urlaub...
Das Wochenende stand dann ganz im Zeichen der Vergangenheit: Die GP Masters sorgte dafür, dass die Newswüste nicht mit noch mehr farbenfrohen Geschichten ohne Realitätsbezug gefüllt wurde. Aber auch die Altstars hatten mit dem Thema der Woche zu kämpfen: den Motoren.
Die "depperten Motorenleute" von Motorenhersteller Nicholson McLaren legten der Rennserie laut Christian Danner ein unerwünschtes Ei. Die unnötigen "Verschlimmbesserungen" an den Einheits-Aggregaten verursachten etliche Motorschäden und ließen die ehemaligen Weltmeisters und GP-Stars das Gefühl der modernen Formel 1 hautnah erleben: Vom 1. bis 3. Training wurde Silverstone vom Rundengeiz beherrscht. Zumindest in diesem Fall wäre eine Motoreneinfrierung wohl wirklich die beste Lösung gewesen - aber lassen wir das lieber Max nicht hören; schließlich ist er im Urlaub...



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