Es ist immer sehr schwierig seine eigene Leistung zu beurteilen, aber nach meinem zweiten Freitagseinsatz in Magny Cours zeigten die Daten und Rundenzeiten, dass es eine sehr gute Leistung war. Das Team war super zufrieden und hat mir bestätigt, dass man sehr beeindruckt war. Die Abstände zu Alex Wurz oder Anthony Davidson im 2. Training lagen bei zwei bis drei Zehntel. So nah war MF1 noch nie an der Spitze dran! Ich habe keinen Fehler gemacht und konnte wichtige Informationen abliefern.

Die Strecke ist am Samstag rund sieben Zehntel schneller geworden. Die schnellste MF1-Zeit von Christian Albers beim Qualifying lag nur neun Zehntel unter meiner Zeit. Das sagt mir, diese Zeit hätte ich am Samstag auch fahren können. Mit dem Wissen, dass ich erst zum dritten Mal in einem F1-Auto gesessen habe, ist das eine ganz ordentliche Leistung.

Damit die Pause zwischen meinen Einsätzen nicht wieder so groß wird und weil mir viele Testkilometer fehlen, ist es wichtig so oft wie möglich im Auto zu sitzen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass ich Anfang August einen Straight-Line-Test absolvieren durfte. Auch wenn Tests dieser Art nicht mit Tests auf Rennstrecken zu vergleichen sind. Es geht halt immer wieder die Gerade rauf und wieder runter. Einen ganzen Tag lang versucht man die Aerodynamik zu optimieren. Danach werden die Daten mit meinen Aussagen verglichen und ich gebe meine Eindrücke an die Ingenieure weiter. Auch wenn es vielleicht nicht danach aussieht: Solche Aerodynamik-Tests sind wirkliche Arbeit, bei der man die Zusammenhänge viel besser verstehen lernt.

Natürlich werde ich oft gefragt, ob ich in dieser Saison noch einmal als Freitagsfahrer zum Einsatz komme. Die Antwort ist: Ja, es sieht danach aus. Mein Manager ist eifrig dabei das Paket für 2007 und weitere Freitagseinsätze dieses Jahr zu realisieren. Ich denke das klappt. Und was das nächste Jahr angeht: Ich bin ein Optimist und gehe davon aus, dass sich meine Leistung auszahlt. Also hoffe ich 2007 als fester Test- oder Stammfahrer in der F1 zu sein.

Japan - Eine Reise wert...

Um meine F1-Ambitionen zu untermauern, möchte ich unbedingt den Titel in der japanischen Formel 3 holen. Deshalb bin ich mit den Plätzen 6 und 3 bei den letzten zwei Läufen in Auto Polis nicht zufrieden, auch wenn das zweite Rennen ganz okay war. In Japan zählen für mich nur Siege!

Daher habe ich mich schon geärgert, dass jetzt zum zweiten Mal im Qualifying Probleme auftraten. Die Qualifyings für die beiden Rennen sind nur je 15 Minuten lang und finden direkt hintereinander mit nur einer Viertelstunde Pause statt. Das bedeutet man kann nichts ändern und muss von Anfang an ein perfektes Setup haben. Leider war das bei mir nicht der Fall. Jetzt kommen aber Strecken die ich kenne und da will ich wieder siegen. Das Gute ist, dass ich immer noch einen komfortablen Vorsprung von 43 Punkten habe.

Vor den letzten drei Rennwochenenden der Saison ist mein Zwischenfazit also klar: Japan war und ist eine Reise wert, für meine persönliche Entwicklung und auch für meine Entwicklung als Rennfahrer. Die Serie ist in der Spitze viel stärker als ich es erwartet hatte und ich bin sicher, in den nächsten Jahren kommen einige schnelle Fahrer aus Japan nach Europa und in die F1.

Die langen Flugreisen zwischen Japan und Europa bedeuten natürlich viel Stress, aber momentan genieße ich das sogar: Denn ich darf die ganze Welt sehen und es ist einfach toll ein Jahr in Asien zu verbringen und zu sehen, wie die Menschen dort leben. Es gibt einfach riesige Unterschiede zu Europa. Der größte ist sicherlich die Sprache: Ich versuche zwar Japanisch zu lernen, aber es ist sehr schwer. Da braucht man schon viel Zeit, um die ganzen Wörter mitzubekommen. Die Sprache ist einfach völlig anders.

Mit der japanischen Mentalität komme ich sehr gut zurecht. Die Leute sind alle sehr freundlich und dadurch fühlt man sich wohl. Egal wo man reinkommt, man wird immer herzlich begrüßt.