Nehmen wir das wichtigste gleich vorneweg: Mein Heimrennen in Hockenheim war nicht das letzte Rennen, bei dem ich in diesem Jahr als Freitagstestfahrer zum Einsatz gekommen bin. Das hat sich ganz kurzfristig ergeben und ich bin selbstverständlich absolut happy schon an diesem Wochenende in Ungarn wieder im Auto zu sitzen.
Am besten ist, dass diesmal nicht wieder so ein riesiger Zeitabstand von mehreren Monaten zwischen meinen Einsätzen liegt. Dennoch war ich am Freitag überrascht: Ich bin ins Auto eingestiegen und habe mich sofort pudelwohl gefühlt. Ich benötigte keinen großen Anlauf, um mich auf den Wagen einzustellen, allerdings hat es mir natürlich geholfen, dass ich die Strecke gekannt habe.
Überhaupt hat man dem Auto die Verbesserungen seit meinem letzten richtigen Einsatz in Australien angemerkt. Das Auto war weniger nervös und gerade in den schnellen Ecken, in denen Downforce benötigt wird, war mehr Abtrieb da. Außerdem hat man gemerkt, dass Bridgestone Fortschritte bei den Reifen gemacht hat. Das Paket war eindeutig besser als in Australien.
Immer wieder Reifen...
Der Freitag war sehr gut: Das Team war sehr zufrieden und ich war es auch. Mit den Plätzen 11 und 14 habe ich mein Ziel erreicht und war in beiden Sessions schneller als die Stammfahrer - im 2. Training war ich sogar schneller als Fernando Alonso! Aber im Ernst: Die Resonanz vom Team war absolut positiv und deswegen haben sie mich auch eingeladen in Ungarn noch einmal für sie zu fahren.
Viele Journalisten wollten meine Leistung unbedingt mit der meines Teamkollegen Adrian Sutil vergleichen. Allerdings ist dies nicht möglich, da Midland in Magny Cours deutlich konkurrenzfähiger war als in Hockenheim. Wer wirklich einen aussagekräftigen Vergleich ziehen möchte, der muss ihn am gleichen Tag, auf der gleichen Strecke machen - und nicht erst vierzehn Tage später auf einem anderen Kurs.
Meine Aufgabe bestand in beiden Trainings darin Reifenvergleiche zu fahren. Als Freitagsfahrer stehen mir sieben Reifensätze zur Verfügung, die aus zwei verschiedenen Mischungen bestehen. Zusammen mit meinen Ingenieuren muss ich dann die jeweils beste Mischung für das Qualifying und das Rennen heraussuchen. Auf dieser Basis werden die Reifenwahl und die Taktik für den Rest des Wochenendes getroffen.
Ich muss also immer wieder mit den beiden Reifensätzen rausfahren und danach sagen, wie der Reifensatz reagiert, wie lange man braucht, um ihn anzufahren, wie lange er hält, ob er Graining auf der Vorderachse auslöst oder ob er vorne respektive hinten mehr beziehungsweise eher abbaut. Hinzu kommen noch ein paar Setuparbeiten und die allgemeine Vorgabe so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen, um dem Team eine möglichst große Datenbasis zu verschaffen.
Für den Rest des Wochenendes sitze ich aber nicht tatenlos herum: Wie in Bahrain und Australien nahm ich auch in Hockenheim an allen Meetings und Briefings teil. Auf diese Weise lerne ich die Arbeitsweise des Teams kennen und kann sogar Einfluss auf bestimmte Entscheidungen nehmen, da ich als Freitagsfahrer ja wertvolle Erfahrungen mit den unterschiedlichen Reifenmischungen sammeln konnte.
Neuland Hungaroring
Jetzt geht es nach Budapest. Leider bin ich dort noch nie gefahren und kenne ich den Hungaroring nur aus dem Fernsehen. Ich weiß nur so viel: Überholen ist in Ungarn schwierig. Das Team hat mir einige Daten vom letzten Jahr gegeben und ich hoffe, dass ich am Donnerstagabend einige Runden mit einem Roller drehen kann. Am Donnerstag werde ich die Strecke mit meinen Ingenieuren ablaufen. Das mache ich übrigens auch auf mir bekannten Strecken wie zuletzt in Hockenheim. Auf diese Weise kann man sehr gut erkennen, ob sich seit dem letzten Rennen etwas an den Kerbs oder dem Asphalt verändert hat. In Hockenheim war zum Beispiel ein Kerb vor der Mercedes-Tribüne verändert und am Ein- und Ausgang des Motodroms haben sie Kunstrasen gelegt.
Außerdem werde ich mit meinen Teamkollegen sprechen, Tiago und Christijan sind ja beide schon dort gefahren; vielleicht können sie mir den ein oder anderen Tipp geben - ansonsten heißt es: Reinsetzen und hoffen, dass ich so schnell wie möglich mit der Strecke klar komme.
Ich mache mir da allerdings keine Sorgen, da ich normalerweise sehr gut und schnell mit neuen Strecken zu Recht komme. Eigentlich sind die Vorzeichen genau umgekehrt wie vor Hockenheim: Ich kenne die Strecke nicht, aber ich bin ja erst vor einer Woche mit dem Auto gefahren und habe mich sofort darin wohl gefühlt, dass sollte diesmal genauso sein.

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