Nach dem Übersee-Ausflug kehrt der F1-Tross auf das europäische Festland zurück. Magny Cours gilt dabei für einige Teams als traditioneller Neuanfang: Hier zeigen die Designer und Ingenieure, was sie in den letzten Wochen und Monaten in ihren Windkanälen ausgetüftelt haben. Die große Frage ist jedoch: Wer von ihnen hat einen so großen Fortschritt erzielt, um nicht nur den Rückstand auf die Konkurrenz, sondern auch deren Fortschritte wettzumachen?
Renault: Zurück an die Spitze!
Für Renault gibt es beim Heimspiel in Magny Cours nur ein Ziel: Die Gelb-Blauen wollen ihren Fans und Partnern einen Heimsieg schenken - am besten noch einen Doppelsieg. Von einem solchen waren sie in Indianapolis weit entfernt. Dennoch kehrt Renault vor dem 11. Saisonlauf in die Rolle des Favoriten zurück; die Bridgestone-Ferrari-Überlegenheit von Indy wird sich auf dem Michelin-Heimkurs nicht wiederholen - davon sind selbst die Italiener überzeugt. Mit einer neuen Motorenausbaustufe für beide Fahrer und weiteren aerodynamischen Verbesserungen sollte Renault Ferrari mehr als nur ebenbürtig sein. Teamintern dürfte sich das Bild ebenfalls drehen: Das US-Tief von Fernando Alonso sollte hier der Vergangenheit angehören, da sollte Giancarlo Fisichella selbst sein neues Helmdesign zu Ehren des italienischen WM-Titels nicht viel helfen.

Ferrari: Kampf gegen den Trend
Noch nicht einmal in den Reihen der Roten glaubt man daran, dass man die Dominanz von Indy in Magny Cours wird fortsetzen können. Dennoch wird man alles daran setzen erneut WM-Punkte gutzumachen - dafür wirft Ferrari ein rundum erneuertes Auto ins Gefecht; und auch Bridgestone hat sich für die elfte Ausgabe des Reifenduells wieder etwas einfallen lassen. Ob das aber ausreicht, um Michael Schumacher den nötigen Sieg zu bescheren, bleibt abzuwarten. Vorerst gelten die Italiener nur als Außenseiter im Kampf gegen die Franzosen, zumindest am letzten Sonntag jubelten am Ende trotzdem die Tifosi.
McLaren: Volldampf in Richtung Sieg
McLaren Mercedes möchte in der zweiten Saisonhälfte endlich den ersten Sieg einfahren - so lautet das klare Ziel der Silbernen. Nicht mehr dafür sorgen wird Juan Pablo Montoya, der nach seinem NASCAR-Wechsel mit sofortiger Wirkung durch Pedro de la Rosa ersetzt wird. Der Spanier ist kein Unbekannter: Er kennt den MP-21 von unzähligen Testfahrten in- und auswendig und sprang bereits im letzten Jahr erfolgreich für Montoya ein, als dieser seine Tennisverletzung auskurieren musste. Im Duell gegen Kimi Räikkönen dürfte de la Rosa aber ebenso wenig eine Chance haben wie sein Vorgänger. Wie stark die Chrompfeile im Vergleich zur Konkurrenz sind, muss sich noch herausstellen, in Indy fehlte ihnen jedenfalls der Schwung der vorangegangen Rennen.
Honda: Frischer Wind aus dem Kanal
In Jerez testete Honda neue Aerodynamikteile, in Brackley stellte man den neuen Windkanal vor: Jetzt müssen in Magny Cours Resultate erbracht werden. Die großen Hoffnungen vom ersten Sieg dürften mittlerweile im hintersten Kämmerchen verstaut worden sein, derzeit gilt es das Punktepolster aufzustocken und zu verhindern, dass BMW Sauber den Japanern Rang 4 streitig machen kann. Alle Hoffnungen liegen auf den neuen Teilen, schon in Nordamerika verwiesen Barrichello und Button auf die Jerez-Tests nach dem US Grand Prix. Dieser gab ihnen zusätzlich Mut, allerdings kann dies in Europa schon wieder ganz anders aussehen...

BMW Sauber: Neu beflügelt
Red Bull mag vielleicht Flügel verleihen, aber BMW kann das auch: Mit McLaren-artigen "Horn-Wings" und kuriosen, neuen "Tower Wings" war der F1.06 die Attraktion der Jerez-Testfahrten. Beides soll auch in Magny Cours zum Einsatz kommen und Nick Heidfeld sowie Jacques Villeneuve weitere Punkte bescheren; diese blieben ihnen zuletzt in Indy verwehrt. Die Konkurrenz um die letzten Punkteränge hinter den drei Top-Teams ist mit Honda und Toyota jedoch groß und stark. Zusätzliche Spannung bringt der Streit um die flexiblen Flügel mit sich: Angeblich sollte BMW seinen Heckflügel bis zum Frankreich GP ändern, nun wird sich zeigen, ob diese Meldungen der Realität entsprachen...
Toyota: Es geht aufwärts
Für Ralf Schumacher lief der Nordamerika-Ausflug nicht gerade perfekt, aber Jarno Trulli konnte mit seiner Ausbeute durchaus zufrieden sein. Immerhin bestätigten die Weiß-Roten bei beiden Rennen ihren Aufwärtstrend. In Frankreich soll sich das fortsetzen: Mit Honda, BMW Sauber und McLaren hat man sich starke Gegner im Kampf um die Punkteränge und vielleicht einen übrigen Podestplatz ausgesucht.
Red Bull: Nieder mit den Franzosen
Auf der Rennstrecke machte Red Bull in diesem Jahr keine so großen Schlagzeilen wie im Vorjahr. Abgesehen von David Coulthards Podium in Monaco, blieben die roten Bullen relativ blass. Dass hinderte sie aber nicht daran, ihre mittlerweile legendären GP-Previews fortzusetzen. Im letzten Jahr sorgte man genau vor dem Frankreich GP mit einem satirischen Text über das Niemandsland von Nevers für Furore - diesmal fiel die Preview aber eher wenig witzig aus; vielleicht läuft es dafür ja auf der Strecke besser...

Williams: die Hoffnung stirbt zuletzt
Bei Williams fielen die Aktien in den letzten Wochen stark in den Keller: Die große Hoffnung ist nun ein neues Aerodynamikpaket, welches höchstwahrscheinlich auch den FW28 mit "aeroflexiblen" Flügeln ausstatten wird. Bislang waren die Mitternachtsblauen eines der wenigen Teams, welches noch mit herkömmlichem Flügelwerk unterwegs war. Zum großen Frankreich-Upgrade gehört auch eine neue Cosworth-Motorenausbaustufe sowie ein neues Benzin von Partner Petrobras. Jetzt gilt es auf der Rennstrecke zu beweisen, was all diese Entwicklungen wert sind.
Toro Rosso: Der Kampf geht weiter
Nachdem die Scuderia Toro Rosso in Indianapolis endlich ihren ersten WM-Punkt feiern durfte, geht das Abenteuer Formel 1 für die Jungbullen weiter: Die nächsten WM-Zähler wollen erkämpft und die guten Eindrücke der vergangenen Rennen bestätigt werden; teilweise war man sogar schneller oder ähnlich schnell wie das große Schwesterteam. Das sollte Ansporn genug sein.
MF1 Racing: Die Rückkehr der Deutschen
Tiago Monteiro sang vor einigen Wochen in Silverstone ein Loblied auf die beiden deutschen Testfahrer des MF1 Racing Teams. Nach langer Abstinenz kehren sie nun in Magny Cours und Hockenheim zurück. Zunächst nimmt Adrian Sutil im dritten M16 Platz, danach übernimmt Markus Winkelhock bei seinem Heimrennen in Hockenheim das Steuer. Die Einsatzpiloten versuchen derweil ihren Aufwärtstrend fortzusetzen und die Lücke zur Konkurrenz weiter zu schließen. Bislang ist ihnen das äußerst gut gelungen.
Super Aguri: Ein Kommen und Gehen
Eigentlich sollte schon in Frankreich der neue SA06 debütieren, doch jetzt erfolgt das Debüt des neuen Autos erst zwei Wochen später in Deutschland. Somit wird der Frankreich GP gleich im doppelten Sinne zum Abschiedsrennen: Einmal für den ehemaligen Arrows-A23 und einmal für Franck Montagny, der ab Hockenheim aus dem Stamm- ins Testcockpit zurückgestuft wird. Für ihn übernimmt dann der bisherige dritte Mann Sakon Yamamoto das zweite Einsatzauto vom Typ SA06 - jedenfalls so lange dessen Debüt nicht noch einmal verschoben wird...



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