So nah und doch so fern: Obwohl der Circuit de Nevers für Formel 1-Verhältnisse praktisch zwischen den Haustüren der britischen, deutschen, italienischen und selbstverständlich französischen Teams liegt, müssen sie eine lange Anreise über die entlegenen Landstraßen in Kauf nehmen. Und dann kennen sie sich auf dem topfebenen Parcours keinesfalls besser aus als auf den meisten anderen Grand Prix-Strecken - Magny-Cours gehört nicht zu jenen Pisten, auf denen die Königsklasse des Motorsports regelmäßig testet.
So sehr die Billardtisch-ähnliche Fahrbahndecke des Kurses den Fahrern und Ingenieuren die Abstimmungsarbeit erleichtert, so sehr erschweren die anderen Merkmale die Arbeit von Piloten und Technikern. Der Asphalt reagiert zum Beispiel stark auf Temperaturänderungen. Selbst die kleinste Schwankung der Quecksilbersäule erfordert möglicherweise eine andere Reifenwahl und ein modifiziertes Setup.
Die ebene Fahrbahn-Oberfläche erlaubt bei der Abstimmung die Wahl der geringstmöglichen Bodenfreiheit und den Einsatz sehr harter Federn, führt also zu einer besonders straffen Fahrwerksabstimmung. In den lang gezogenen, oft sehr schnellen Kurven braucht ein Auto gute aerodynamische Effizienz und Stabilität bei schnellen Richtungswechseln.
Die lang gestrecke 180-Grad-Rechtskurve am Ende der Start-Ziel-Geraden, Estoril genannt, stellt vor allem die Pneus in puncto Ausdauer auf eine harte Probe. Für die engen und langsameren Passagen im weiteren Verlauf kommt es speziell auf eine gute Traktion an.
Neben dem Fahrbahnbelag kann in Magny Cours auch das Wetter entscheidenden Einfluss auf den Rennausgang ausüben, da die Wetterlage in Nevers sehr wechselhaft sein kann. Die letzten Regenrennen fanden in den Jahren 1992, 1997 und 1999 statt, bei denen das Wasser dank der hohen Fahrbahnglätte nur sehr schlecht abfließen konnte.
Obwohl die Highspeed-Stellen über die Rundenzeit entscheiden, sollten die Boliden auch in den langsamen Ecken fahrbar bleiben. Seit einer leichten Modifikation der Strecke sind Überholmanöver auch an anderen Punkten als der Adelaide-Haarnadel möglich, bleiben aber immer eine Herausforderung.
Der moderne Retortenkurs in der französischen Provinz bietet neben weitläufigen Auslaufzonen und guten Sicherheitsstandards also auch zwei interessante Stellen zum Überholen. So ergeben sich für die Piloten bei der bis zu 11,4 Meter breiten Anfahrt zur Adelaide-Spitzkehre sowie auf der Bergab-Passage vor Start und Ziel sehr gute Überholmöglichkeiten.



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