Juan Pablo Montoya gilt als Kämpfer. Der Kolumbianer lieferte sich in seiner abrupt beendeten F1-Karriere schon einige heiße Duelle, unter anderem mit Michael Schumacher. Umso erstaunlicher war es, dass Montoya im letzten Jahr wegen eines vermeintlichen "Tennis-Unfalls" einige Wochen pausieren musste. Mit Pedro de la Rosa fand McLaren Mercedes jedoch einen würdigen Ersatzmann: Der Silberpfeil-Testfahrer lieferte bei seinem Einsatz in Bahrain eine kämpferische Leistung ab, die selbst Montoya nur schwer hätte überbieten können.

Zwar wurde dem Spanier vorgeworfen, dass er bei seinen vielen gescheiterten Überholversuchen einfach blind angefahren und es auf der "falschen" Seite versucht hätte - aber dies wurde mit der fehlenden Rennpraxis entschuldigt. Seine Fahrt auf Platz 5 sorgte jedenfalls für Aufsehen und Beifall im Fahrerlager.

Nach 9.500 Testkilometer im MP4-21 seit Beginn dieses Jahres kehrt de la Rosa am kommenden Wochenende in Magny Cours zurück. Auch diesmal wird er Juan Pablo Montoya ersetzen, aber nicht, weil dieser etwa auf zwei Rädern Tennis gespielt hat, sondern weil Montoya seinen Wechsel in die NASCAR Serie, die Geburt seines zweiten Kindes und sein neues Leben in den USA "vorbereiten" muss - so zumindest lautet die offizielle Version des Teams. Die Gerüchteköche salzen die südamerikanische Suppe noch mit ein bisschen Spekulationen über Montoyas Un- sowie Zwischenfälle in Montreal und Indy.

Applaus für den Zweikämpfer vom Dienst., Foto: West
Applaus für den Zweikämpfer vom Dienst., Foto: West

De la Rosa ist vor seinem unverhofften GP-Comeback natürlich "extrem aufgeregt", gerade da er sich im Chrompfeil so wohl fühlt und das Auto fast noch besser als die Stammfahrer kennt. Seine Zielsetzung machte er schon vor dem Beginn des Wochenendes klar: Pedro fährt voll auf Angriff, wie bei seinem letzten Rennen in Bahrain.

"Die Leute glauben immer, dass man in Magny Cours nicht überholen kann, aber das stimmt nicht, man muss nur sicherstellen, dass man das richtige Setup dafür hat." Allerdings sieht auch Überholkünstler Pedro nur eine richtige Überholstelle: "Die lange Gerade zwischen Estoril und Adelaide." Letztere ist jene enge Haarnadel, in der Kimi Räikkönen einst auf dem Öl von Allan McNish's Toyota ausrutschte und so Michael Schumacher den WM-Titel bescherte.

"Man muss schon in Estoril richtig nah hinter dem Vordermann liegen und das bei der Setup-Erstellung berücksichtigt haben." Sprich: Die Flügel müssen flach, die hohen Gänge lang übersetzt sein. "Mit dem richtigen Setup kann man in der geschwungenen Estoril ans Limit gehen und besitzt danach den Speed, um zu überholen."

Rubens Barrichello, Takuma Sato, Jenson Button und Mark Webber werden schon jetzt vor dem Spanier zittern; sie erfuhren im letzten Jahr, dass Pedro niemals aufgibt - selbst wenn er wie in Bahrain "das gesamte Rennen in Zweikämpfen" steckt.