Seit hundert Jahren gibt es den Grand Prix von Frankreich - bekanntlich wird in diesem Jahr das Jubiläum gefeiert. Der Ungar Ferenc Szisz gewann den ersten Grand Prix der Geschichte, auf einem mit Michelin-Reifen bestückten Renault. In der modernen Formel 1-Dekade, ab 1950, gab es in jedem der 55 Jahre einen Grand Prix von Frankreich - dieser wurde auf sieben verschiedenen Rennstrecken abgehalten: Le Mans, Clermont-Ferrand, Rouen, Dijon, Reims, Paul Ricard und Magny Cours.
Rouen, wo 1951 zum ersten Mal ein nicht zur WM zählendes Formel 1-Rennen abgehalten wurde, war eine aufregende Strecke - ein Straßenkurs im Westen der Stadt Rouen, Waldstraßen, eine dramatische Bergab-Sektion mit schnellen Spitzkehren und einer gepflasterten Haarnadelkurve plus dem dazugehörigen Bergaufstück, ebenfalls durch die Wälder führend. Es herrschte ein Kommen und Gehen, inklusive Umbauarbeiten - im Jahr 1968 trat die Formel 1 zum letzten Mal in Rouen auf, als Jo Schlesser im Regen schwer verunfallte und im Flammeninferno sein Leben ließ.
Aber auch Reims war eine berühmte, charaktervolle Rennstrecke, die sich ihren Namen in den Zwanzigerjahren erarbeitet hat - ein Straßenkurs in Form eines Dreiecks. 1950 wurde dort der erste Grand Prix von Frankreich, in der damals neu gegründeten FIA-F1-Weltmeisterschaft gefahren. Auch diese Strecke überlebte die Sechzigerjahre nicht - heute stehen dort noch Tribünen, diese sind mit Gras überwachsen...
Heiße Kämpfe in Dijon
In den Siebzigerjahren wurde in Dijon Prenois oder auch in Le Castellet gefahren. In Dijon gab es 1977 und 1979 elektrisierende Zweikämpfe zu sehen, über die eingefleischte Formel 1-Fans noch heute sprechen. 1977 kämpften Brabham-Pilot John Watson und Lotus-Crack Mario Andretti in den letzten Runden um die Führung - am Ende siegte Andretti knapp vor Watson. Zwei Jahre später erzielte Renault-Pilot Jean Pierre Jabouille den ersten Sieg mit einem Turbomotor. Doch in Erinnerung bleib der Kampf um Platz 2 - zwischen René Arnoux im zweiten Renault und Ferrari-Kultpilot Gilles Villeneuve. Rad an Rad wurde hier gekämpft, mehrmals wurden die Positionen getauscht - am Ende konnte Villeneuve den zweiten Platz erobern, fuhr zwei Zehntelsekunden vor Arnoux über die Ziellinie.

Die 1969 von dem exzentrischen Hersteller alkoholischer Getränke, dem Erfinder des anishältigen Pastis, Paul Ricard, errichtete Strecke in Le Castellet war 1971 erstmals Austragungsort des Grand Prix von Frankreich. Die 1,8 Kilometer lange Mistral-Gerade war das Markenzeichen dieser Strecke - und am Ende dieser ultralangen Geraden folgte die hyperschnelle "Signes"-Kurve. 1990 wurde dort der letzte Formel 1-Grand Prix abgehalten. Nach dem Tod von Paul Ricard verkaufte man die Strecke an Bernie Ecclestone - heute stellt sich der Paul Ricard-Circuit als eine Hightechstrecke dar, auf der bis zu hundert verschiedene Streckenvarianten gefahren werden können. Die Formel 1, allen voran Toyota, testet regelmäßig in Le Castellet...
15 Jahre im Niemandsland
Der Grand Prix jedoch wird seit 1991 in Magny Cours abgehalten. Früher, in den späten Sechziger- respektive frühen Siebzigerjahren, war dort die berühmte Winfield-Rennfahrerschule ansässig - französische Größen wie Patrick Depailler, Jean Pierre Jarier oder Jacques Laffite lernten auf der damals noch extrem kurzen Strecke ihr Handwerk.

Seit 15 Jahren wird der F1-GP in Magny Cours abgehalten, seit 15 Jahren wird über das nicht vorhandene Umfeld in Magny Cours geschimpft, seit 15 Jahren spielt man scherzhaft mit dem Wörtchen "Niemandsland", weil die Strecke nahe Nevers liegt. Der Kurs an sich ist jedoch weitaus besser als sein Ruf. Die Fahrbahnoberfläche ist extrem glatt, daher können die Autos tief gesetzt werden, die Boliden fahren wie auf Schienen durch die Kurven. Nachteil der glatten Oberfläche: Bei Regen fließt das Wasser nicht ab. Es kommt zu Aquaplaning. Und: Es kann in Magny Cours zu plötzlichen Wetterränderungen kommen – 1997 und 1999 gab es dort recht verrückte Regenrennen.
1999 war das gesamte Rennwochenende verregnet. Schon im Qualifying gab es Überraschungen. In der ersten Startreihe standen Rubens Barrichello (Stewart) und Jean Alesi (Sauber). Das Rennen wurde zur totalen Rutschpartie - am Ende siegte Heinz Harald Frentzen im Jordan - der Deutsche war nach einem schweren Crash in Kanada noch nicht genesen, humpelte noch, mit seinem Sieg haben die wenigsten gerechnet. Das Team konnte die Konkurrenz mit einer schlauen Boxenstrategie bezwingen.
Ein Phänomen in Magny Cours: Von 1998 bis 2002 konnte in jedem Jahr der Schotte David Coulthard die Schnellste Rennrunde drehen - gewonnen hat er den Frankreich-GP nur im Jahr 2000. Danach hagelte es die in dieser Epoche üblichen Michael Schumacher-Siege (2001, 2002, 2004), 2003 stand Bruder Ralf ganz oben auf dem Podium. Im Vorjahr bescherte Fernando Alonso dem Renault-Team einen Heimsieg, neben dem Spanier standen Kimi Räikkönen und Michael Schumacher auf dem Siegerpodest.

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