Selbst als Formel 1-Pilot kam man in den zurückliegenden Wochen nicht am Fußball vorbei. Ich persönlich sehe mir normalerweise keine Fußballspiele an, weil ich kein großer Fußball-Fan bin. Bei der WM interessiert mich aber schon, wer weiter kommt und schlussendlich Weltmeister wird. Deshalb Gratulation an die Italiener! Mein persönlicher Favorit Brasilien ist schon früh ausgeschieden.

Ähnlich erging es mir in vielen Rennen der ersten Saisonhalbzeit: Ich bin leider viel zu früh ausgeschieden. Demnach kann ich mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden sein. Dabei muss man allerdings zwischen Pech und technischen Problemen unterscheiden. Ich war in drei Startkollisionen verwickelt, bei denen man wenig machen kann - das ist Pech. Aber ich kam auch dreimal nicht ins Ziel, weil technische Probleme zum Ausfall führten. Leider ließ mich ausgerechnet bei Rennen wie in Monaco und Montreal, wo ich bereits in den Punkterängen fuhr, die Technik im Stich und vereitelte somit sichere Punkte.

Punkte sind möglich

Ich werde immer wieder gefragt, warum es so schwierig ist den Rückstand auf die anderen Teams aufzuholen? Wir testen und entwickeln kontinuierlich neue Teile, aber das führt nicht immer gleich zu einem merklichen Erfolg; zumal die Konkurrenz ebenfalls weiter entwickelt. Wenn man dann keine größeren Entwicklungssprünge als die Konkurrenz macht, wird man zwar selber schneller, aber eben nicht im Vergleich zur Konkurrenz. Wir arbeiten sehr hart daran, unsere Performance zu verbessern. Wir müssen jetzt von Rennen zu Rennen sehen, wo wir stehen. Ich meine schon, dass wir in dieser Saison noch weitere Punkte einfahren können.

Jedes Rennen stellt für uns eine neue Chance dar, um Punkte für das Team einzufahren - das gilt auch für meine beiden Quasi-Heimrennen in Deutschland und Ungarn. An Hockenheim habe ich viele positive Erinnerungen, da ich dort schon in fast allen Rennserien vor der F1 gewonnen oder zumindest auf dem Podest gestanden habe. Ich freue mich aber auf jedes Rennen, auch wenn wir es derzeit nicht einfach haben, aus eigener Kraft in die Punkte zu fahren.

Unnötige Fragen

Noch einen Tick schwieriger wird dies, da an jedem Wochenende immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden, die ich vorher schon mehrfach beantwortet habe. Das finde ich unnötig. Die Rede ist natürlich von den Spekulationen um meine Zukunft. Ich konzentriere mich auf das jeweilige Rennen und meine Arbeit mit dem Team. Alles andere interessiert mich nicht.

Andere Diskussionen im Fahrerlager drehen sich derzeit um das neue Motorenreglement. Da dieses inzwischen sehr komplex ist, befassen sich unsere Experten im Team intensiv damit. Für uns Fahrer bleibt wenig Zeit sich direkt einzubinden. Sicher müssen die Kosten gesenkt und es sollte versucht werden, die Autos möglichst ähnlich in der Performance zu halten. Aber Weiterentwicklung ist ebenfalls sehr wichtig für die Königsklasse des Motorsports. Hier die Balance zu finden, ist der Kern der Aufgabenstellung.

Begeisterungsfähig, aber nicht nachtragend

Bevor wir jetzt in Europa die zweite Saisonhälfte fortsetzen, stand der beliebte Nordamerika-Ausflug auf dem Programm. Viel Zeit für Sightseeing bleibt uns Fahrern zwar nicht, schließlich fahren wir ja wegen des Rennsports dorthin, aber es ist prima, dass die Rennen in Montreal und Indianapolis back-to-back, sprich innerhalb einer Woche, stattfinden. Das spart Zeit.

Speziell Montreal ist immer voll im Formel 1-Fieber und die ganze Stadt macht mit. In jedem Shop, Restaurant oder Pub spürt man die Verbindung zur und die Begeisterung über die Formel 1. In Indianapolis war unsere Abreise vor einem Jahr wenig glorreich. Die Fans waren damals zu Recht sauer. Sie wurden nicht über die genauen Gründe für das Chaos informiert und hatten das Gefühl, dass die Fahrer nur nicht fahren wollten. Das wurde dann im Nachhinein aufgeklärt.

Glücklicherweise sind die US-Fans nicht nachtragend: Auch in diesem Jahr war dieselbe Begeisterung zu spüren wie schon zu Beginn des 2005er Wochenendes. Die Fans sind absolut begeistert von der F1 und überdies sehr emotional und fair. Es gibt in Amerika viele echte F1-Fans, die diesen Sport lieben. Demnach macht ein Grand Prix in den USA sicherlich Sinn, auch wenn das TV-Zuschauer-Interesse noch sehr ausbaufähig ist.