Herr Haug, in Indianapolis hatten sie gleich doppelt zu tun: Einerseits mit dem F1 Grand Prix und andererseits mit der DTM in Brands Hatch. Wie haben Sie das DTM-Rennen verfolgt?
Norbert Haug: Ich habe das Rennen in Indianapolis live im Fahrerlager gesehen, mit einem Downlink, den RTL für uns organisierte, Start war um sieben Uhr Ortszeit am Sonntag. Ich denke, dass die DTM einen guten Auftritt in Brands Hatch hatte und dass sie dort die Top-Veranstaltung der letzten Jahre war. Mehr zahlende Zuschauer waren in Brands Hatch wahrscheinlich seit Ewigkeiten nicht. Und darauf lässt sich aufbauen.
Die Formkurve von McLaren Mercedes zeigt seit dem Monaco GP stetig nach oben. Im Fürstentum hatte man dies aufgrund der anderen Streckencharakteristik erwartet, aber danach konnte das Team auch auf High-Speed-Strecken wie Silverstone oder Montreal starke Leistungen zeigen...
Norbert Haug: Wir haben ein schnelleres Auto als im letzten Jahr, als wir 10 von 18 Rennen gewonnen haben. Die Konkurrenz hat sich noch deutlicher gesteigert, und diesen Vorsprung wollen und werden wir aufholen.
Seit Jahresbeginn hat McLaren Mercedes sowohl an der Aerodynamik als auch am Motor viele Verbesserungen nachgeschoben und sich somit stark verbessern können. Auch Michelin lieferte immer wieder verbesserte Reifen. Ab dem nächsten Jahr könnten solche Sprünge zumindest bei Reifen und Motor durch Einheitspneus und die Motoreneinfrierung verhindert bzw. eingegrenzt werden. Gingen dadurch nicht zu viele Chancen auf spannende Kämpfe verloren, da niemand etwaige Fehler bzw. Rückstände im Laufe des Jahres mehr aufholen könnte?
Norbert Haug: Das sehe ich nicht so. Wir haben in den letzten Rennen der Formel 1 zugegebenermaßen nicht gerade Spannung pur erlebt, aber doch Überraschungen und einen immer noch offenen Titelkampf. Das wird auch im nächsten Jahr so sein und vermehrt dann, wenn es vielen Teams gelingt, siegfähige Autos zu bauen. Ich denke, der Trend weist in diese Richtung, denn die Herstellerteams sind nicht in die Formel 1 gekommen, um auf Punkteränge zu fahren.
In Indianapolis lief es schon im Qualifying, vor dem großen Knall zwischen den ersten beiden Kurven, nicht so gut. Konnten Sie schon herausfinden woran das gelegen hat?
Norbert Haug: Zuerst einmal an sehr viel Sprit an Bord, wir hatten eine Ein-Stopp-Strategie gewählt und ich bin mir sicher, dass wir alle Chancen hatten, wie bei den drei Rennen zuvor, auf dem Podium zu enden. Dafür muss man aber zuerst die erste Runde überstehen, was uns diesmal nicht gelang.
Mit Gary Paffett, Lewis Hamilton, Jamie Green & Co haben Sie momentan wieder einmal viele junge Talente in Ihren Reihen. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis dieser tollen Nachwuchsarbeit von McLaren und Mercedes?
Norbert Haug: Die Nachwuchsarbeit gehört zu unserem Motorsportkonzept. Manchmal wird uns dabei vorgeworfen, dass die von uns entdeckten Talente später nicht bei uns fahren. Das kann passieren, wenn man Nachwuchs ausbildet, nicht immer ist zur richtigen Zeit der richtige Platz frei, es gibt eben nur zwei Fahrer in einem Formel 1-Team. Wir wählen immer die bestverfügbaren und sollten wir einen Fahrer für die Konkurrenz ausgebildet haben, dann ist das so wie im richtigen Leben, da wechselt auch mal einer von BMW zu Mercedes oder umgekehrt. Nichts für den Nachwuchs zu tun und nur zu versuchen, die reifen Früchte zu pflücken, wäre aber niemals eine Alternative für uns.



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