Vor sieben Tagen war die deutsche Sportwelt noch in Ordnung: Pole Position und Sieg für Michael Schumacher in Indianapolis, Halbfinal-Einzug für die deutsche Nationalelf bei der WM im eigenen Land. Die Hupen und Trompeten der schwarz-rot-goldenen Begeisterung schwappten sogar bis ins Fahrerlager nach Indy. Doch am Dienstag kam der Dämpfer: 0:2 gegen Italien - ausgerechnet Italien. Michael Schumacher kostete dies in der Universalwährung von Ferrari zwei Pizzas, die deutschen Fans kostete es die zuvor schier grenzenlose Euphorie.

Plötzlich wurden in der Boulevardpresse Tipps zur Frustbekämpfung angepriesen, die fast noch skurriler waren, als die "vertical wings", die BMW Sauber zeitgleich in Jerez testete. Viel "dunkle Schokolade", "Bier trinken mit Freunden" und "wilder Sex" sollten die Enttäuschung über das WM-Aus vertreiben. Einen Hoffnungsschimmer gab es dennoch: "Suchen Sie neue Ziele. Zum Beispiel: Jetzt gucken wir wieder zusammen Formel Eins."

Aber der nächste Dämpfer folgte auf dem Fuße: Sowohl Michael Schumacher als auch Felipe Massa redeten Tage nach ihrem Doppel-Erfolg von Indy ihre Chancen auf eine Wiederholung in Magny Cours klein. Indy sei noch nicht der erhoffte Wendepunkt gewesen. Wenn Michelin in Frankreich wieder zur Normalform auflaufe, und davon ist auszugehen, werde Renault wieder der Top-Favorit sein. Das sehen auch die meisten Experten und natürlich die Franzosen rund um Flavio Briatore selbst so.

Gibt es 2006 doch einen WM-Titel für Deutschland?, Foto: Sutton
Gibt es 2006 doch einen WM-Titel für Deutschland?, Foto: Sutton

Die schwarz-rot-goldenen Hoffnungen auf wenigstens einen Weltmeistertitel im Jahr 2006 sterben deswegen aber noch lange nicht. Schließlich konnten auch die Fußballer im Spiel um Platz 3 in Stuttgart eine weitere Wende herbeiführen und das Land abermals in Ekstase versetzen. Wenn das einer Mannschaft gelingen konnte, der vor Beginn der WM noch nicht einmal das Achtelfinale zugetraut wurde, dann sollten Fußball-Fan Michael Schumacher und Ferrari doch auch die Formel 1-WM noch ein bisschen spannender gestalten können. Nico Rosberg ist jedenfalls davon überzeugt: "Da kann noch so viel passieren; für mich ist noch nichts entschieden", machte er den schwarz-rot-goldenen Anhängern Mut.

Den Anfang des roten Wendepunktes könnte das WM-Finale in Berlin darstellen. Schließlich könnte dieses statt Frankreich gegen Italien auch genauso gut Renault gegen Ferrari heißen. Aber nicht nur ein italienischer Sieg könnte die Moral der Ferrari-Mechaniker heben, Fernando Alonso selbst sagte auf den Fußball bezogen: "Wenn es drauf ankommt, scheiden wir (Spanien) immer aus." Für die Deutschen gilt hingegen im übertragenen Sinne einer alten Gary Lineker-Weisheit: "Formel 1 ist, wenn 22 Autos im Kreis fahren und am Ende gewinnt immer Michael Schumacher..."

Das kommt Ihnen alles zu sehr an den Haaren herbeigezogen vor? Dass sind dann wohl die Nebenwirkungen des FIA-GPMA-Streits, der dieser Tage in seine nächste und hoffentlich letzte Runde geht. Ein Wendepunkt scheint hier aber noch immer nicht erreicht zu sein. Nachdem die Hersteller bereits in Indianapolis die Deadline für die Abgabe ihres Regel-Vorschlags verstreichen ließen und sich auf das Meeting der F1-Kommission am Mittwoch vertagten, gab es nun erneut eine Fristverlängerung bis zum Frankreich GP. Böse Zungen könnten nun behaupten: Bevor sich die Hersteller untereinander und mit der FIA einstimmig auf ein gemeinsames Motorenreglement einigen, schafft Ferrari doch noch den Wendepunkt oder gewinnt Deutschland seinen vierten Fußball-WM-Titel; das kann aber bekanntlich frühestens 2010 gelingen...