Egal ob Indy 2005 oder Indy 2006 - im Mittelpunkt standen immer runde Sachen. Im letzten Jahr waren es die Reifen, in diesem Jahr ist es die Fußball-WM; und erneut die Reifen. Nach dem Michelin-Debakel des Vorjahres blickt die F1-Welt gespannt auf die Steilkurve des Indianapolis Motor Speedway - dort zerschellten 2005 Ralf Schumachers Toyota und die Hoffnungen der Fans auf ein spannendes oder zumindest ein richtiges Rennen.
2006 ist also Wiedergutmachung angesagt: Auf und neben der Strecke. Die wichtigste Voraussetzung dafür sind natürlich funktionsfähige und haltbare Reifen aus Tokio und Clermont-Ferrand. Mit einer Wiederholung des Indy-Fiaskos ist glücklicherweise nicht zu rechnen. Allerdings könnte eine zu vorsichtige Reifenwahl der Franzosen der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Dank seines US-Ablegers Firestone und der vorhandenen Daten ist Bridgestone in Indy traditionell besonders stark.
Renault: Es läuft rund

Egal wie viel Mühe sich Fernando Alonso gibt, seine Tiefstapelei lenkt nicht davon ab, dass Renault auch in Indianapolis der große Favorit ist. Sollte nicht der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Michelin sich bei der Reifenwahl zu konservativ verhalten hat, dürften die Gelb-Blauen auch in Indy nicht zu stoppen sein. Im internen Kampf gegen Giancarlo Fisichella braucht sich Alonso keine Gedanken zu machen - der Italiener dürfte zwar gegen ihn fighten, kommt aber meistens erst gar nicht in diese Situation. Alle Zeichen deuten auf Saisonsieg Nummer 7 hin.
Ferrari: Rund soll's laufen
Nichtsdestotrotz geben sich Ferrari und Michael Schumacher noch nicht geschlagen: Die Roten wollen nun mit einem Rennen Verspätung, die bereits für Montreal angekündigte Aufholjagd starten. Die große Hoffnung liegt in den Reifen: Bridgestone besitzt dank Firestone perfekte Daten über die Asphaltoberfläche des IMS und konnte daraus schon 2005 Vorteile ziehen. Unter normalen Bedingungen sollte Renault aber erneut stärker sein.
McLaren: Noch runder soll's laufen
Die große Gefahr für Ferrari lauert dahinter: In Montreal sah sich McLaren Mercedes als zweite Kraft hinter Renault, diesen Aufwärtstrend möchte man in Indy fortsetzen. Schließlich sollen noch in diesem Jahr Siege gefeiert werden. An der Motivation des Fahrerduos gibt es allerdings leichte Zweifel. Juan Pablo Montoya fiel in Montreal vor allem durch wilde Actioneinlagen auf und Kimi Räikkönen wurden nach Rennende abermals Differenzen mit dem Team nachgesagt. Sollte es nicht rund laufen, könnte das zu Problemen führen. Angesichts der letzten Rennen seit Monaco ist jedoch davon auszugehen, dass McLaren auch in Indy, um Podestplätze fahren kann.
Honda: Alles andere als rund

Schon vor dem Wochenende hegt man bei Honda keine großen Hoffnungen auf einen Erfolg in Indianapolis. Erst in der Woche nach dem Rennen könne man in Europa neue Teile testen, die den RA106 für Magny Cours schneller machen sollen. In Indy dürften somit ein paar WM-Pünktchen das Maximum darstellen. Und selbst für die müssen sie hart kämpfen: Neben Honda balgen sich auch BMW Sauber, Toyota, Williams und Red Bull Racing um die letzten Punkteränge. Die Erfolgschancen der Weißen sind derzeit eher gering einzustufen.
BMW Sauber: Rundum glücklich
Flügel hin, Flexibilität her: BMW Sauber ist seit Silverstone auf dem aufsteigenden Ast. Jetzt gilt es diesen Trend auch in Indy zu bestätigen. Ohne den Mauerkuss von Jacques Villeneuve hätte man in Montreal die doppelte Zielankunft von Silverstone wiederholen und den Nummer-4-Status in der Teamrangordnung noch eindrucksvoller bestätigen können. Sollte man an diesem Wochenende von den Qualifying-Problemen aus Kanada verschont bleiben, könnte sogar noch mehr drin sein als nur ein, zwei Pünktchen.
Toyota: Runder Punkt
Mit spitzer Zunge formuliert könnte man fragen: Ob Ralf Schumacher es in diesem Jahr ohne Crash durch den Indy GP schafft? In den letzten beiden Jahren verbuchte der Deutsche auf dem IMS zwei heftige High-Speed-Unfälle. Da ist es kein Wunder, dass der Kurs nicht gerade zu seinen Lieblingsstrecken zählt. Toyota kommt dennoch mit einer guten Erinnerung in den Nudeltopf zurück: Hier holte Jarno Trulli im Vorjahr die (unwichtigste) Pole Position (des Jahres). Aufgrund des Reifendebakels durfte er aber nicht auf dem ersten Startplatz Stellung beziehen. Nicht wenige munkeln deshalb, dass Jarno gar nicht sehr viel mehr Runden hätte drehen können, da Toyota ihn bestenfalls mit einem Hauch von Benzin im Tank auf die Qualifying-Runde geschickt hatte... Eine Wiederholung der Pole erscheint zwar unrealistisch, aber ein gutes Ergebnis liegt für Toyota allemal im Bereich des Möglichen. In Kanada wussten die Weiß-Roten jedenfalls zu überzeugen.
Williams: Es könnte runder laufen

Eine falsche Reifenwahl verhagelte Mark Webber den Kanada GP. Für Indy gelobt das Team Besserung: Diesmal sollen die richtigen Bridgestones aus dem Laster gezaubert werden. Wie gut die Blauen dann abschneiden können, bewies Nico Rosberg mit seinem sechsten Startplatz, mit dem er noch nicht einmal hundertprozentig zufrieden war. Für Nico heißt es in Indy die Kollision mit Juan Pablo Montoya zu vergessen und einen neuen Anlauf zu nehmen. Vielleicht sind dann die lange erhofften WM-Punkte für Williams drin.
Red Bull: Zurückrunden
Bei RBR wird momentan mehr über die Fahrerpaarung für 2007 als über das aktuelle Formtief gesprochen. In Montreal konnte sich David Coulthard zwar einen Punkt erkämpfen, aber von der Zielsetzung regelmäßige Zähler einzufahren sind die roten Bullen weit entfernt. Dies dürfte sich angesichts der starken und mannigfaltigen Konkurrenz auch in Indy nicht ändern.
Toro Rosso: Kein Rundenrekord
Es gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton, dass einer der beiden STR-Piloten vor dem Rennwochenende ausdrücklich betont, wie schwierig es sein Team aufgrund des fehlenden Speeds auf den Geraden haben wird. Während sich diese Beschwerden in Kanada als Luftblasen erwiesen (die STR1 waren weit vorne in den Top-Speed-Listen zu finden), dürfte es in Indianapolis zutreffen: Durch ihre limitierten V10-Motoren besitzen Scott Speed und Tonio Liuzzi einen Leistungsnachteil auf der langen Geraden im Ovalteil. Obwohl man zuletzt näher an das Schwesterteam herangerückt ist, dürften WM-Punkte auch in Indy nicht in greifbarer Nähe liegen - zumindest nicht unter normalen Umständen.

Midland: Überrundet
Noch immer gibt es keine Entscheidung über einen möglichen Verkauf des Teams. Auf der Rennstrecke konnte MF1 Racing beim Heimrennen von Teambesitzer Alex Shnaider in Montreal nicht ganz so überzeugen wie zwei Wochen zuvor in Silverstone. Die Kollision der beiden Stammpiloten sorgte für den Rest. Eine Wiederholung des Podestplatzes von 2005 ist in diesem Jahr auszuschließen.
Super Aguri: Oft Überrundet
Gerne wären Aguri Suzuki und seine Truppe im letzten Jahr in Indianapolis gestartet. Dann hätte das Feld nicht nur 8 statt 6 Autos beinhaltet, sondern Super Aguri auch eine reelle Chance auf WM-Punkte gehabt. So bleibt alles beim Alten: Die weißen Oldtimer von Takuma Sato und Franck Montagny werden auch in Indy nicht mehr als ein Feldauffüller sein.



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