Als die Formel 1 im Jahr 2000 erstmals auf den heiligen Asphalt des Nudeltopfs von Indianapolis rollte, wurden die USA noch als heiliges Marketing-Mekka gepriesen. Nach Jahre langer Abstinenz aus dem Rennkalender schien der US Grand Prix endlich ein adäquates Heim gefunden zu haben. Mittlerweile wurden die USA durch China als das gelobte Marketingschlaraffenland abgelöst und die Ereignisse des Jahres 2005 lassen die Zukunft des Indy GP dunkel aussehen.
"Ich hoffe, dass sie uns mit offenen Armen empfangen werden", sagt Michael Schumacher stellvertretend für alle Fahrer und den gesamten F1-Zirkus; auch wenn sich so mancher Fahrer seit Monaco nicht mehr durch den Deutschen vertreten sehen möchte. "Man sollte die F1 nicht nur aufgrund eines Ereignisses im letzten Jahr beurteilen."
Werden die amerikanischen Fans der Königsklasse also den Mini Prix des Vorjahres verzeihen? "Ich gehe davon aus, dass alle, die die Formel 1 mögen und ihre sportliche Leistung schätzen, auch in diesem Jahr kommen werden. Wer sie nicht mag, wird zu Hause bleiben. Insofern werden wir viele begeisterte Fans erleben, die gerne den WM-Zweikampf sehen möchten."
Eine kleine Hilfe könnte der erste Heim-GP von Scott Speed sein. "Durch ihn werden sicherlich einige Fans mehr hier sein", ist Schumacher sicher. "Aber wenn ein Landsmann um den Sieg fahren würde, würde es sicher noch mehr helfen."
Remake ausgeschlossen
Die 'bösen Buben' von Michelin haben jedenfalls nichts unversucht gelassen, um die amerikanischen Fans zu entschädigen. "Wir haben 20.000 Zuschauern die Tickets ersetzt, zusätzlich 100.000 Tickets für die Fans gekauft, insgesamt hat uns die Wiedergutmachungs-Aktion 20 Millionen Dollar gekostet", betonen die Franzosen, die eine Wiederholung der Ereignisse von 2005 rigoros ausschließen.
"Wir haben alles tausendmal analysiert und verstehen jetzt, was in Indy das Problem mit unseren Reifen war", sagte Motorsportchef Nick Shorrock. "Das kann, darf und wird auch nicht mehr vorkommen. Dafür haben wir in Monza und Le Castellet die Indy-Reifen schonungslos getestet - es wird diesmal kein Problem geben."
Für Indy könnte es trotzdem schon zu spät sein. Zwar deuteten die Verantwortlichen des Indianapolis Motor Speedway jetzt erstmals öffentlich an, dass sie an einer Vertragsverlängerung interessiert sind, aber Bernie Ecclestone lässt nicht so leicht mit sich handeln - vielleicht wohl wissend, dass er Amerika braucht, dabei aber trotzdem noch einen guten Deal herausschlagen kann.
Who needs to be in America?
"Es spielt keine Rolle, ob die Formel 1 in den USA fährt oder nicht", sagte Bernie der Times und widersprach damit seinen eigenen Aussagen vieler Jahre. "Was bekommen wir von Amerika? Nichts als Ärger! Wenn man um fünf nach 12 'Guten Morgen' sagt, wird man gleich verklagt. Wir haben nie irgendwelche Sponsoren an Land gezogen. Das Fernsehen hat sich nie für uns interessiert - da haben wir in Malta mehr Zuschauer. Warum also sollten wir uns so viele Gedanken über Amerika machen? Open-Wheel-Racing hat sie noch nie interessiert. Sie sprechen nur von ihren riesigen NASCAR-Zuschauerzahlen, aber wir haben allein in Italien mehr Zuschauer als sie mit ihrer gesamten NASCAR-Serie."
Dennoch sei Mr E. offen für Gespräche. "Aber ich bin nicht bereit dazu ein Rennen in Amerika zu subventionieren", schiebt der knallhart kalkulierende Geschäftsmann nach. Derweil werden die Spekulationen über und möglicherweise sogar Verhandlungen mit potenziellen anderen US-Austragungsorten weitergehen. "Amerika hat einen gewissen Wert für die Verkaufsstrategien der Werke und es wäre sicherlich interessant ein zweites Rennen hier zu haben", sagt Michael Schumacher, "aber ob andere Länder nicht auch eine gewisse Berechtigung darauf haben. überlasse ich jedem selbst. Letztlich gibt es auch in Amerika nur 10 Punkte für den Sieg."
An diesem Wochenende zählt ohnehin nur eins: "Wir wollen den Zuschauern eine gute Show bieten." Darin stimmen alle Fahrer und Verantwortlichen überein. Diesmal möchte niemand mit geschlossenen Autofenstern abreisen müssen...



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