Mein erster Einsatz als Freitagsfahrer für das MF1 Racing Team ist jetzt schon eine Weile her, aber der Nachhall in den Medien ist noch heute zu spüren. Lob tut einem Rennfahrer immer gut und positive Berichte liest man selbstverständlich lieber als negative.
Es wird aber leider nicht immer objektiv berichtet, beziehungsweise reichen die Infos der Presse oft nicht für eine objektive Berichterstattung aus. Ich weiß, was ich kann und ich arbeite wirklich sehr hart an meinem Ziel. Mich muss niemand motivieren oder antreiben. Ich will meinen Weg machen und brauche dafür auch die Unterstützung der Presse. Denn die Macht und die Möglichkeiten der Presse sollte man nicht unterschätzen.
Positive Rückmeldungen auf meine Leistungen sind für mich also sehr wichtig. Aber am Ende arbeite ich seit Beginn meiner Karriere mit meinem Manager und Förderer Manfred Zimmermann zusammen und wir waren und sind überzeugt, dass wir es schaffen werden. Ganz wichtig war und ist die positive Unterstützung von Capri Sonne und Medion. Beide haben von Anfang an meine Karriere begleitet und immer an mich geglaubt. Und ohne solche Partner hilft auch das größte Talent nicht. Ich glaube es ist für meine Förderer noch wichtiger die Bestätigung in der Presse zu bekommen als für mich.
Besonders schön ist es jedoch, wenn man von seinem Teamkollegen gelobt wird. Tiago Monteiro sagte in einem Gespräch mit motorsport-magazin.com in Silverstone einige schöne Dinge über meine Leistung vom Nürburgring. Er ist ein super netter Teamkollege, der mich sehr offen im Team aufgenommen hat. Ich finde es fair, wenn er meine Leistung lobt und bin auch ein wenig stolz darauf. Aber leider ist der Nürburgring Schnee von gestern und interessiert nicht mehr wirklich. In Magny Cours geht es wieder bei Null los, ganz im Gegenteil: die Erwartungen sind nun bei allen Beteiligten deutlich höher. Was mich aber nicht stört, sondern eher antreibt.
Ich bin nicht böse
Es gab sogar die Hoffnung auf einen Einsatz beim letzten Rennen in Montreal, aber da es Fahrer gibt die für ihre Freitagseinsätze ordentlich zahlen, kann ich Colin Kolles nicht böse sein, wenn er in der jetzigen Situation auch auf die Einnahmen schaut. Aber sicher wäre ich sehr gerne in Kanada gefahren.
Glücklicherweise dauert es nicht mehr lange bis zu meinem nächsten Auftritt beim Frankreich GP. Denn es wird Zeit wieder ins Cockpit zu steigen. Ich freue mich riesig auf Magny Cours und hoffe dass der M16 dort gut funktioniert und ich an die guten Ergebnisse vom Nürburgring anschließen kann.
Nach dem Europa GP musste ich zwar zurück nach Japan, aber wir stehen in ständigem Kontakt zum Team. Jetzt konnte ich mich in Kanada über alles informieren und bin wieder voll im Bild. Auch wenn es auf den ersten Eindruck nicht so aussieht, aber das Team hat einen großen Sprung gemacht - leider gilt das auch für die anderen.
Ich will den Titel
Genauso gut läuft es für mich in Japan. Mein Rennwochenende in Motegi verlief absolut perfekt. Wir haben jetzt alles zusammen, um erfolgreich zu sein. Es gab ein paar Probleme mit den Reifen, die wir aber gelöst haben. Seitdem läuft es rund und ich habe dreimal in Folge gewonnen, die schnellste Rennrunde gefahren und führe mit 50 Punkten Vorsprung die Meisterschaft an.
Ehrlich gesagt, habe ich mit einem solchen Saisonstart gerechnet. Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen nach der Vizemeisterschaft in der F3 Euroserie. Ich fahre bei Tom's Toyota im besten Team und da muss die Meisterschaft das Ziel sein. Auch wenn mit Reid, Carbone, Asmer und Streit wirklich gute Leute in der Meisterschaft unterwegs sind und es sicher kein Selbstläufer wird. Auch mein Teamkollege Oshima ist ein verdammt schneller Bursche.
Mein Saisonziel ist somit klar: Der Titel in Japan muss her. Lewis Hamilton war in der F3 Euroserie das Maß der Dinge, aber auch dort hätte es 2005 enger werden können. Leider fehlte mir noch etwas die Erfahrung und ich habe 2005 Fehler gemacht, die den einen oder anderen Sieg gekostet haben. Sonst behaupte ich, hätte es schon letztes Jahr zumindest enger werden können.
Ich konnte die Vorderräder nicht mehr sehen
Im August werde ich in der japanischen Super GT Meisterschaft mein Tourenwagen-Debüt geben. Nach meinem ersten Test muss ich sagen, dass die Umstellung von einem Formel-Wagen auf ein Auto mit Dach schon groß ist. Auf einmal sieht man die Vorderräder nicht mehr, sitzt auf der rechten Seite und muss mit links schalten. Das Auto ist bei weitem nicht so präzise wie ein Formel-Fahrzeug. Aber es hat Spaß gemacht und ich war auch schnell. Also haben sie mich eingeladen das 1.000-Kilometer-Rennen von Suzuka zu fahren. Ich bin schon gespannt wie es wird. Vor dem Rennen werde ich noch einen Test bestreiten, um weitere Erfahrungen zu sammeln.
Vorerst soll dieser Einsatz aber eine Ausnahme bleiben. Meine Konzentration geht für 2007 in Richtung Formel 1. Wir versuchen alles einen Platz für das nächste Jahr zu bekommen. Sei es als fester Freitagsfahrer oder auch als Stammfahrer; sollte sich das nicht verhindern lassen...

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