Viel gibt es zum Kanada GP nicht zu sagen. Die interessanteste Entwicklung waren die vielen Fehler, die im Laufe des Rennens gemacht wurden. Der Grund dafür war der extreme Gummiabrieb, der die Strecke neben der Ideallinie zierte. Sobald man auf den Gummi kam, hat man sofort Zeit verloren oder sich sogar gedreht. Dies wurde Jenson Button und Kimi Räikkönen zum Verhängnis. Nur Fernando Alonso kam, wie schon so oft in diesem Jahr, ungeschoren davon und eilte einem weiteren Sieg entgegen.
Quasi der Kies in der Suppe wäre es gewesen, wenn die Auslaufflächen in Montreal nicht asphaltiert oder mit grünen Gitterplatten versehen worden wären. Dann wären die Fahrer für ihre Fehler richtig bestraft worden - so konnten sie meistens relativ unbeeinträchtigt weiterfahren. Mit den guten alten Kiesbetten wäre vielleicht nur eine Handvoll Autos ins Ziel gekommen, aber das kann ja auch seinen Reiz haben.
Die etwas andere Halbzeitbilanz
Zur Halbzeit finden sich überall erste Bilanzen, Rückblicke und Analysen. Wir wollen unsere Halbzeitbilanz einmal nicht mit den drei Top-Fahrern Fernando, Michael und Kimi beginnen, diese haben ohnehin ihre gewohnte Leistung gezeigt. Dahinter gab es jedoch einige Fahrer, die entweder überrascht oder enttäuscht haben.
Die Entdeckung der Saison ist für mich Nico Rosberg. Er hat bei Williams auf Anhieb gute Ergebnisse eingefahren und Mark Webber Paroli geboten. Das ist schon eine ordentliche Vorstellung für einen F1-Neuling. Webber halte ich nach wie vor für einen guten Rennfahrer, der durch den furiosen Einstieg von Nico etwas in den Hintergrund gedrängt wurde. Wahrscheinlich liegen ihm auch die neuen Reifen und das neue Qualifying-Format nicht so gut wie das Einzel-Qualifying der Vorjahre.
Bei Red Bull wird momentan viel über die Fahrerpaarung für 2007 spekuliert. Christian Klien hat sich in diesem Jahr deutlich steigern können, aber leider auch viel Pech gehabt. David Coulthard kann seinerseits auf ein Jahrzehnt F1-Erfahrung zurückgreifen und dadurch viele Situationen wie den Podestplatz von Monaco zum positiven wenden. Aus meiner Sicht dominiert keiner der beiden RBR-Piloten den anderen; sie sind trotz des Erfahrungsunterschieds relativ ausgeglichen.
Ausgeglichener als erwartet geht es bei BMW Sauber zu. Vor Saisonbeginn haben nur wenige Jacques Villeneuve zugetraut, dass er mit Nick Heidfeld mithalten könnte. Allerdings darf man nicht vergessen: Jacques war schon einmal Weltmeister und hat das Autofahren ganz sicher nicht verlernt. Das hat er in dieser Saison mit guten Leistungen unter Beweis gestellt. In den letzten Jahren kämpfte er mit dem Auto, der Presse sowie dem Qualifying-Format, aber jetzt ist er wieder da.
Seine Zukunft im Team dürfte von mehreren Aspekten abhängen, wobei nicht nur die sportlichen zählen werden. Mit Robert Kubica steht ein junger und talentierter Ersatz aus den eigenen Reihen parat. Ob Jacques noch ein Jahr für BMW Sauber fahren darf, dürfte sowohl von seinen Gehaltsforderungen als auch von den Marketingplänen BMW's in Nordamerika respektive Polen und Osteuropa abhängen. Mit Robert haben sie einen schnellen Piloten, der Strecken zügig lernt, keine Fehler begeht und gutes Feedback gibt. Durch all diese Eigenschaften des Polen wird es für Villeneuve sicher nicht einfacher 2007 im Team zu bleiben.
Ein ganz besonderer Härtefall ist in diesem Jahr Honda, die vor Saisonbeginn viel herumgetrommelt, bislang aber noch nichts erreicht haben. Derzeit ist Rubens Barrichello schneller als Jenson Button, aber sollte es einmal hart auf hart kommen, dürfte der Brite wieder die Oberhand haben. Momentan befindet er sich angesichts der enttäuschenden Situation in einem kleinen Motivationsloch, das sich durch Erfolge schnell verflüchtigen sollte.
Damit sind nur noch die drei zweiten Fahrer der drei Top-Teams übrig: Fisichella, Massa und Montoya. Zum Kolumbianer braucht man nach dem Montreal-Rennen nicht mehr viel zu sagen. Für ihn sieht es rabenschwarz aus. Die Türen bei Toyota, Red Bull und Williams sind fast zu und bei den Top-Rennställen gibt es ohnehin keinen Platz für ihn. Seine letzte Chance dürfte in einer Rückkehr nach Nordamerika liegen.
Felipe leistet bei Ferrari gute Arbeit, ist teilweise ähnlich schnell wie Michael und macht nicht mehr ganz so viele Fehler wie in den vergangenen Jahren. Er ist definitiv ein gleichwertiger Ersatz für Rubens Barrichello. Bei Renault hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Giancarlo gegen Fernando kein Land sieht. Für Fisico ist das eine schwierige Situation. Wenn man nur ein bisschen hinter dem Teamkollegen liegt, kann man sich noch irgendwie herankämpfen, aber bei so einem Abstand, kann es schnell frustrierend werden. Vor einigen Jahren hätte sicherlich niemand damit gerechnet, dass ein unbekannter Spanier aus Oviedo, der gerade für Minardi sein F1-Debüt gegeben hat, eines Tages den hoch gelobten Giancarlo Fisichella (sowie den Rest der Formel 1-Welt) in Grund und Boden fahren würde...

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