Der Silverstone GP war wieder einmal ernüchternd - aber irgendwie war es schon vorher klar: viele Überholmanöver durfte man nicht erwarten. Aber was war der Grund für die Langeweile? Liegt es an den Autos, an den Strecken, an den Bremsen oder sind unsere Ansprüche einfach nur zu hoch?
Die Antwort auf diese brennende Frage ist wohl: Von allem etwas. Es liegt sicherlich an den Strecken - denn Bahrain oder Malaysia haben in dieser Saison bereits bewiesen, dass Überholmanöver durchaus noch nicht ausgestorben sind. Auch die Autos müssen noch immer als Sündenbock herhalten - ihre Aerodynamik ist zu "schmutzig" und ihre Bremsen zu stark, um Ausbremsmanöver zu ermöglichen.
Ehre wem Ehre gebührt
Generell muss man wieder einmal Fernando Alonso und Renault loben. Sie sind einfach immer einen Tick besser als die anderen. Bei Ferrari ist man zwar nie mit einem zweiten Platz zufrieden und Michael fährt sicherlich nicht nur mit um Vizeweltmeister zu werden, aber man sollte auch daran denken, dass vor Saisonbeginn nur wenige den Roten eine solche Auferstehung zugetraut haben. Damals galten McLaren und Honda als große Herausforderer von Renault.
Die Franzosen nehmen jetzt fast jene Position ein, die Ferrari vor zwei Jahren innehatte. Vielleicht sind sie nicht ganz so überlegen wie Ferrari anno 2004, aber ihre Zuverlässigkeitsserie erinnert schon stark an die rote Dominanz. Allerdings muss man dabei bedenken, dass ein so überlegener Fahrer und ein so dominantes Team weniger Fehler machen - sowohl fahrerisch als auch technisch. Sie können mit etwas mehr Flügel fahren und laufen trotzdem nicht Gefahr überholt zu werden - dafür liegt ihr Auto aber besser. Das beste Beispiel dafür ist GP2-Seriensieger Lewis Hamilton. Auch er fährt wie Fernando Alonso nie ganz am Limit und könnte immer noch einmal eine Schippe zulegen, wenn es denn nötig wäre...
Unwahrscheinlichkeitsrechnung
Damit es soweit kommt, müssten Michael Schumacher und Ferrari enorm Gas geben. Ohne Ausfälle von Alonso ist es für Schumacher quasi unmöglich noch den Titel zu holen. Um ihre klitzekleine Titelchance noch zu wahren, wäre ein Riesensprung nötig. Noch größer als ihn BMW Sauber in Silverstone schaffte. Für die Überraschungsteams von Monaco, sprich Williams, Red Bull & Co, ging es diesmal wieder zurück zur Normalität. Das zeigt die Überlegenheit von Renault: Egal ob sie auf einer der schnellsten oder einer der langsamsten Strecken antreten, die Gelb-Blauen sind überall schnell.
So dürfte es auch in Montreal und Indianapolis kommen, wo die nächsten beiden Überseerennen anstehen. Dort wird der Spannungsfaktor aber wieder etwas höher sein: Niemand hat hier getestet, das Kräfteverhältnis ist also noch nicht allzu sehr in Stein gemeißelt und die streckennahen Mauern verzeihen keinen Fehler, was vor allem im Qualifying wieder für Chaos sorgen könnte.

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