Was genau beim GPDA-Meeting am Freitag Abend in Silverstone gesagt wurde, was Michael Schumacher seinen Kollegen wirklich erzählte und wie die darauf reagierten das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. "Wir haben die Dinge geklärt", meinte David Coulthard - was auch immer darunter zu verstehen sein mag. Alexander Wurz betonte nur, man habe das Ganze voneinander getrennt, weil "die GPDA ja in erster Linie für Sicherheitsfragen da ist".
Eines ist sicher: Das Unbehagen bei vielen seiner Kollegen über den Repräsentanten Schumacher an der Spitze der GPDA ist deshalb nicht weg, die Einschätzung des Monaco-Zwischenfalls als Absicht auch nicht. Aber den Schritt, einen weiteren Eklat zu wagen und eine Abstimmung durchzusetzen, um ihn abzuwählen, ging man dann doch nicht.
Was teilweise als die übliche "Feigheit im Angesicht des Feindes" interpretiert wurde, teilweise auch als ein "Sieg Schumachers über seine Kritiker", die "sich eben doch nicht trauen, ihm ins Gesicht zu sagen, was man vorher öffentlich herumgetönt hat", ist ein bisschen komplizierter. Sicher zogen einige "den Schwanz ein", ließen sich wohl auch von David Coulthard, der ja gerade versucht, mit Ferrari für 2007 ins Gespräch zu kommen, beeindrucken, der seit Monaco deutlich Stimmung für Schumacher zu machen versuchte, der allen erzählte, dass es sich die GPDA nicht leisten könne, ihn abzulösen.
Aber davon einmal abgesehen führten einige Piloten, speziell Mark Webber, der ja im Vorfeld mit am lautesten Kritik geübt hatte, schon vor dem GPDA-Meeting Einzelgespräche mit Schumacher. Webber diskutierte mit ihm bereits am Donnerstag 20 Minuten lang unter vier Augen, wollte aber über Inhalte nicht viel verlauten lassen: "Nur soviel - ich bin zufrieden mit dem, was ich ihm gesagt habe." Das Meeting selbst verließ Webber dann schon nach wenigen Minuten, "weil sich da ja doch wieder alles nur im Kreis gedreht hat."
Das Zögern über einen deutlichen Schritt, einen tatsächlichen Abwahl-Versuch, erklärt sich auch aus ein paar diffizilere Hintergründen der GPDA: Schumachers Einsatz dort in Sicherheitsfragen an sich ist unbestritten, sein starker Einfluss, der größer ist als der aller anderen Fahrer, auch. Niemand wird von den Autoritäten, sei es FIA, FOM oder die Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Dabei ist auch die interne Machtbasis, die er sich durch sein Engagement aufgebaut hat, groß. Schumacher finanziert das GPDA-Büro in Monaco - übrigens in einem Gebäude eingemietet, an dem David Coulthard finanziell beteiligt ist, er fliegt auch schon mal mit seiner Privatmaschine an einen GP-Kurs, um eine Streckeninspektion vorzunehmen, ohne das der GPDA als Spesen in Rechnung zu stellen, seine Pressesprecherin Sabine Kehm fungiert bei den GPDA-Meetings oft als Protokollführerin.
Einige seiner Rivalen durchschauen zwar, dass dieser Einsatz nicht nur völlig uneigennützig ist, dass Schumacher selbst davon auch profitiert, nicht nur durch das erreichte Ziel verbesserter Sicherheit, sondern auch durch die politischen Beziehungen und Kontakte, die er sich dadurch aufgebaut hat und die sich bei Bedarf als nützlich erweisen können. Trotzdem gilt es für sie, auch abzuwägen, was ein neuer Eklat, den eine spektakuläre Abwahl Schumachers sicher bedeutet hätte, für eine Wirkung auf die zukünftige Effektivität der GPDA gehabt hätte. Aber vielleicht sollte man mit einer endgültigen Beurteilung bis zum türkischen Grand Prix Ende August warten. Dort in Istanbul stehen dann sowieso turnusmäßig die Neuwahlen der GPDA-Direktoren an. Und David Coulthard deutete schon einmal an, dass er sich durchaus vorstellen könnte, dass es dort zu Veränderungen kommen könnte, "ganz normal und regulär - und ja auch durchaus im Interesse der Sache, einmal neue Leute an der Spitze zu haben."

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