"An der Spitze bewegen sich zwei Teams schneller fort als alle anderen." Mit dieser Feststellung spricht BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen seinen Kollegen von McLaren, Honda, Toyota und Williams aus der Seele. Zumindest Honda und McLaren wollten zu diesem Zeitpunkt der Saison eigentlich mit den beiden Spitzenteams um Siege kämpfen. Doch stattdessen gilt Theissens Analyse: "Ferrari und Renault haben stärker zugelegt als alle anderen."

Seine BMW Sauber Truppe könne zumindest "mit den übrigen Teams" schritt halten. "Aber der Abstand zur Spitze ist in den letzten zwei Rennen größer geworden. Im Qualifying konnten wir den Abstand ungefähr halten - aber im Rennen waren sie schneller."

Die vier genannten Konkurrenten sehen den Grund in den beweglichen Flügeln der beiden Spitzenteams. "So wie es von einigen Teams dargestellt wird, ist es gar nicht", bremst Theissen die Konkurrenten aus. "Es gibt unterschiedliche Ausprägungen und Grade der Flexibilität - aber im Prinzip wendet es sowieso jeder an. Solche Ankündigungen sind zwar prägnant, aber man sollte nicht zu viel darauf geben."

Wie also deutet er die Aussagen der anderen, die nun schon bald mit ihren eigenen flexiblen Flügeln viele Zehntel gutmachen möchten? "Nachdem die FIA keinen großen Riegel vorschiebt, wird man auf diesem Gebiet mehr Entwicklungseinsatz zeigen." Der einzige Vorteil davon sei ein "höherer Top-Speed". Wie groß dieser Vorteil aber ist, hänge von der "Ausprägung" der Flexibilität ab.

Bei BMW Sauber konzentriert man sich derweil auf das Gesamtpaket - allerdings wird es keine B-Version wie bei Toyota geben. "Wir konzentrieren uns auf kontinuierliche Fortschritte und nicht auf ein neues Auto während der Saison", sagt Theissen. "Wir ziehen es vor, relativ kleine Pakete zu schnüren, um neue Dinge schnell ans Auto zu bringen. Aber das ist eine Philosophiefrage."

Hersteller zu Kompromiss bereit

Eine andere Philosophiefrage stellt sich hinter den Kulissen: Wie soll das Motorenreglement für 2008 aussehen? "Wir sind intensiv bei der Arbeit", so Theissen. Dies schließe alle Motorenhersteller ein - auch Ferrari und Cosworth. "Wir bereiten einen Vorschlag für die FIA vor. Darin sind Maßnahmen enthalten, die das Kostensenkungsziel erreichen, dabei aber sehr wohl den Homologationsgedanken umsetzen, ohne gleich den gesamten Motor zu homologieren. Ich hoffe, dass wir den Vorschlag an diesem Wochenende fertig stellen und nächste Woche an die FIA überreichen können."

Zuletzt hatte Max Mosley auf diesem Gebiet keine Kompromissbereitschaft angedeutet. Theissen ist aber zuversichtlich. "Mit gutem Willen, kann man immer etwas ändern. Wenn alle Hersteller es unterstützen, hat der Vorschlag auch gute Chancen angenommen zu werden."

Und wie sieht es mit neuen Aerodynamik-Regeln aus? Gibt es einen Weg wieder mehr Überholmanöver zu ermöglichen? "Die Aerodynamik ist der Bereich, auf dem man am ehesten etwas unternehmen kann, um Überholmanöver zu ermöglichen", weiß Theissen. "Es gibt momentan zwei Studien dazu, von der FIA und den Teams, und demnächst werden erste Tests auf der Strecke stattfinden." Spätestens dann wird sich zeigen, was der schräge CDG-Wing von Max Mosley wert ist.