Liebe motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser,
In Barcelona haben wir einen sehr starken Fernando Alonso und ein sehr starkes Renault-Team gesehen. Diese Performance ist jedoch auch auf die vielen Kilometer während der Wintertests zurückzuführen, denn so standen den Franzosen im Vorfeld viele Informationen zur Verfügung. Ferrari hat dagegen nicht so viel in Barcelona getestet, wie Renault.
Allerdings fehlten Michael Schumacher im Qualifying nur drei Zehntelsekunden. Zieht man nun in Betracht, dass er fünf Runden länger draußen geblieben ist, hatte er bei einem Verbrauch von 2,8 Litern pro Runde mehr oder weniger zehn Kilogramm mehr Sprit an Bord, als Fernando Alonso.
Mit weniger Sprit wäre also durchaus die Pole oder Platz zwei drin gewesen und ein anderer Rennverlauf wäre ebenfalls denkbar gewesen. Aber insgesamt war Alonso doch der Stärkste in Barcelona, genau wie Schumacher in Deutschland der Schnellste war. Für beide Fahrer war es ohnehin ein Heimrennen und vor heimischem Publikum zu fahren ist sowieso eine Motivation. Da kann man noch einen Tick schneller fahren.
Nun steht uns mit Monaco ein Grand Prix bevor, wo alles passieren kann. Selbst eine Pole von Jenson Button und ein Sieg des Briten sind möglich. Button hat bereits nach dem Spanien GP gesagt, dass er sich nun sehr auf Monaco freut. Ich frage mich, ob er dabei an den GP oder die Frauen denkt? Jedenfalls sind Schumacher und Alonso die Top-Favoriten. Button kann sicherlich eine Rolle um den Sieg mitspielen, aber er wird es nicht einfach haben. Seine Chance liegt im Qualifying, doch im Rahmen der Strategien werden Renault und Ferrari am Honda vorbeiziehen.
Über das Qualifying wird im Moment wieder sehr viel diskutiert. Man muss eine freie Runde hinbekommen. Was viele vergessen ist, dass es früher genau so war. Und trotzdem standen Senna, Piquet und Konsorten auf der Pole Position. Es besteht in Monaco die Gefahr von einem langsameren Auto aufgehalten zu werden, aber es ist für alle Fahrer gleich. In Monaco braucht man Glück und eine freie Runde. Aber wie gesagt: Es handelt sich um ein neues/altes Thema. Früher war es bereits so und ich bin mir sicher, dass die Zuschauer eine tolle Qualifikation sehen werden.
In Anbetracht der WM hatte ich gehofft, dass Kimi Räikkönen noch eine Rolle spielen könnte. Aber er war auf dem Nürburgring und in Spanien nicht schnell genug; McLaren ist grundsätzlich nicht schnell genug. Es ist genau wie 2005 und 2004, als McLaren zu Beginn der Saison Schwierigkeiten hatte und dann einem Rückstand in der WM hinterher eilte. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie in der zweiten Saisonhälfte siegen werden, aber der Rückstand ist bereits da. Selbst für Schumacher wird es schwer, geschweige also für McLaren. Denn Alonso bleibt innerhalb des Limits und macht wenig Fehler.
Am Wochenende in Brünn im Einsatz
Für mich geht es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach Tschechien, genauer gesagt nach Brünn. Dort bestreite ich mit der Gillet Vertigo das Rennen in der FIA GT Meisterschaft.
Unser letztes Rennen in Silverstone verlief nicht so gut, zumal es sich gleichzeitig um unseren Roll-Out handelte. Wir haben ein neues Auto auf der Basis des alten gebaut und das führt anfangs nun mal zu Problemen.
Es ist auch schade, dass wir als einziges Team in der G2 Klasse starten. Dennoch haben wir einen Schritt nach vorne erzielt. Normalerweise fahren wir diese Saison mit einem 4.0 Liter Motor. Der ist aber noch nicht fertig und deshalb setzen wir vorläufig einen 3.6 Liter Motor ein, der jedoch für Brünn modifiziert wurde. Im darauf folgenden Rennen kommt unser neuer 4.0 Liter Motor zum Einsatz.
Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden, nur haben wir es im Rennen nicht zeigen können. Der Start meines Teamkollegen Renaud Kuppens war in Ordnung und er lieferte eine gute Leistung im Nassen, sowie anschließend im Trockenen ab. Doch rund 30 Minuten, nachdem ich das Steuer übernommen hatte, brach die Antriebswelle. Für uns war es ein neues Problem, aber wir hatten im Grunde genommen keine andere Wahl, denn die Antriebswelle war zu lang. Wir hatten also die Möglichkeit nicht zu fahren oder zu fahren mit dem Risiko auszufallen.
Ansonsten bin ich mit dem Team ganz zufrieden. Es handelt sich um ein sehr professionelles Team und wir arbeiten an einem langfristigen Projekt. Ich hoffe, dass wir 2007 in der GT2 Klasse fahren dürfen. Dazu müssen wir genug Autos verkaufen und daran arbeitet Tony Gillet. Das ist aber nicht einfach. Gillet hat in den letzten 12 Jahren rund 25 Autos verkauft. Für die GT1 Klasse muss man beispielsweise 25 Autos pro Jahr verkaufen - in der GT2 Klasse sind es ein paar mehr. Es ist nicht einfach, aber es ist sehr wichtig, dass wir alle 10 Rennen bestreiten und eine professionelle Basis haben. Dann ist für nächstes Jahr vielleicht etwas möglich.

diese Formel 1 Kolumne