Kimi Räikkönen scheint sich von seinem Arbeitgeber McLaren-Mercedes innerlich bereits endgültig verabschiedet zu haben, Juan Pablo Montoya drängt sich durch seine momentanen Leistungen aber nicht gerade dafür auf, im nächsten Jahr den Platz neben Fernando Alonso bei den Silberpfeilen zu bekommen. Dazu die kürzlich gefallene Bemerkung von Teamchef Ron Dennis, McLaren-Mercedes werde vielleicht schon in Monaco Grundlegendes über die neuen Strukturen und Zukunftskonzepte sagen...
Manches spricht dafür, dass bei den Silbernen einiges in Bewegung geraten ist - und dass es bei dieser Ankündigung um mehr gehen könnte als um die sofortige Festlegung des zweiten McLaren-Mercedes-Piloten für 2007.
Gehen die Silbernen jetzt doch einmal daran, ihr seit Jahren aufgebautes Nachwuchs-Programm auch in der Formel 1 umzusetzen? Vielleicht sogar mit einem zweiten Team? Das Thema des McLaren-B-Teams, geführt von Jean Alesi unter dem Namen Direxiv, war ja noch nie wirklich vom Tisch. Alesi und der Chef von Direxiv, einer japanischen, aber in Monaco ansässigen Finanzgesellschaft, waren seit einigen Rennen immer vor Ort. In Barcelona fanden zwischen ihnen und Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone wieder lange Gespräche statt - im McLaren-Mercedes-Motorhome.
"Jean hat bei seinen Plänen weiterhin die volle Unterstützung von Ron Dennis - und da läuft schon einiges", erfuhr motorsport-magazin.com beim DTM-Lauf in Oschersleben aus dem direkten geschäftlichen Umfeld des Franzosen.
Ein großes Problem ist ja, dass im Moment zumindest ab 2008 die 12 fixen Teamplätze in der Formel 1 vergeben sind. Eine Lösung könnte darin bestehen, dass Direxiv mittelfristig die japanische "Missgeburt" Aguri aufkauft - jenes im Herbst 2005 aus reiner PR-Not geborene Honda-Zweitteam, aus dem der japanische Mutterkonzern ja anscheinend mangels Erfolgsaussichten gern so schnell wie möglich wieder aussteigen möchte. Und ohne das Honda-Geld bliebe Aguri Suzuki wohl gar nichts anderes übrig, als zu verkaufen.

In einer solchen Konstellation hätten die Silbernen dann mehr Platz für ihre Nachwuchsleute. Für Lewis Hamilton, der ja im Moment in der GP2-Serie Furore macht, zum Beispiel, aber auch für Gary Paffet, den DTM-Champion von 2005 und jetzigen McLaren-Testpiloten. Eventuell neben dem früheren McLaren- und jetzigen Williams-Testfahrer Alexander Wurz, der ja über seine Frau Julia, die mit ihrer Agentur sehr viel PR-Arbeit für Direxiv macht, beste Kontakte hat. Und den man sicherlich sehr gerne wieder im erweiterten Silberlager begrüßen würde. Vor allem mit Blick darauf, dass er dann aus seinem Williams-Jahr 2006 alle Erkenntnisse über die Bridgestone-Reifen mitbringen würde, die ja ab 2007 zum Einheitspneu in der Formel 1 werden.
Formel-1-Insider würden sich auch nicht wundern, sollte bald ein zusätzlicher Name im Kreis der McLaren-Zukunftsstars auftauchen: Bruno Senna. Ron Dennis, so hört man, ist äußerst interessiert daran, den Neffen des 1994 in Imola tödlich verunglückten Ayrton Senna, der ja in sechs McLaren-Jahren drei WM-Titel für das Team gewann, ganz genau zu beobachten und frühzeitig an sich zu binden.
Der 22-Jährige, in Monaco übrigens passender Weise vor Ort, da als Gaststarter im Porsche Supercup unterwegs, macht in seinem überhaupt erst zweiten kompletten Rennjahr derzeit in der britischen Formel 3 Furore, gewann drei der ersten vier Rennen und führt überlegen mit 28 Punkten Vorsprung die Meisterschaft an. Mit Mercedes-Motoren, im Team von Kimi Räikkönen und dessen Robertson-Management...
Der große Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der zum Beispiel auch im Herbst 1995 für Jacques Villeneuve den Deal mit Williams einfädelte, zieht wohl auch bereits an einigen Strippen. Er könnte sich strategisch für die PR der Formel 1 unter Garantie nichts Besseres vorstellen als wieder einen gelben Senna-Helm im McLaren. Das wäre auf jeden Fall noch eine Steigerung gegenüber einem Bruno Senna, der über seine Connections zu Gerhard Berger erst einmal bei Toro Rosso landen könnte, wie schon seit einiger Zeit spekuliert wird...
Wer von den "Jungen" dann am Ende 2007 in der McLaren-Mercedes-Familie wo fährt, wer vielleicht noch nicht als Stammfahrer, sondern nur als Testpilot zum Einsatz kommt, das müsste McLaren dann jetzt noch nicht entscheiden. Da könnte man erst einmal ausgiebige Tests für alle ansetzen, vergleichen - und dann erst im Winter 2006/2007 endgültig die Cockpits vergeben...

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