In den fünf Monaco-Grands Prix seit der Rückkehr von Michelin in die Formel 1 fiel die Kugel im Kurvenroulette rund um das Casino viermal auf die Hausfarbe Blau und nur einmal auf Rot - 2001, dem Comeback-Jahr. Einen Selbstläufer erwartet Nick Shorrock, Formel 1-Direktor von Michelin, aber überhaupt nicht: "In der aktuellen Situation mit zwei fast gleichwertigen Rivalen kann der kleinste Fehler den Ausschlag geben", warnt der Brite. "Du musst jedes Wochenende auf den Punkt richtig liegen."

Die Vorbereitungen auf den Großen Preis von Monaco werden dadurch erschwert, dass es praktisch keinen vergleichbaren Kurs gibt. Die Umbaumöglichkeiten des "High Technology Test Track" Paul Ricard - wo Michelin vergangene Woche mit mehreren Partnern testete - haben dies einfacher gemacht, doch Eigenheiten bleiben: "Die Straßen von Monte Carlo bestehen aus einem bunten Asphalt-Patchwork. Wegen der häufigen Neuasphaltierungen können wir manchmal nur raten, welche Effekte das haben wird", lautet Shorrocks Erfahrung.

Das Zauberwort heißt Konstanz

"Es ist bekannt, dass in Monaco das Qualifying immens wichtig ist. Das spricht für eine eher weiche Mischung. Trotzdem dürfen wir die Konstanz und Haltbarkeit nicht vernachlässigen: Am Ende eines Turns noch Reserven zu besitzen, kann den entscheidenden Vorteil bringen", fasst Shorrock die Anforderungen im Fürstentum zusammen. "Der Reifen muss es unseren Partnern erlauben, um die Pole Position zu kämpfen, und gleichzeitig auch nach mehreren Runden noch dasselbe Niveau halten."

Auch die geringen Durchschnittsgeschwindigkeiten und die nicht besonders aggressive Fahrbahnoberfläche sprechen für eine weiche Bereifung. "Allerdings müssen die Hinterräder immer wieder Traktion liefern für das Beschleunigen aus den langsamen Kehren heraus. Ist die Traktionskontrolle dafür nicht optimal justiert, kann das den Verschleiß beschleunigen", warnt Shorrock. "Und wenn die Hinterreifen stärker abbauen als die vorderen, beginnt das Auto zu übersteuern. Wir müssen also den Verschleiß managen, und darin war Michelin immer gut."

Um seinen Partnern für den anspruchsvollen monegassischen Straßenkurs optimale Reifenlösungen anbieten zu können, absolvierte Michelin jüngst umfangreiche Testfahrten in Vallelunga und in Le Castellet. "Dabei kamen verschiedene Neuentwicklungen zum Einsatz, die auf einer detaillierten Datenanalyse der zurückliegenden Grands Prix basieren", so Shorrock weiter. "Für den Monaco-Grand Prix haben wir zudem einen neuen Intermediate im Programm, sodass wir auf sämtliche Witterungsverhältnisse optimal vorbereitet sind. Ich bin sicher, dass wir erneut ein spannendes und sportlich hochklassiges Wochenende erleben werden."

Ein Sieg zum silbernen Jubiläum?

Für Martin Whitmarsh, Geschäftsführer von McLaren-Mercedes, besitzt der Grand Prix von Monaco eine besondere Bedeutung: "Vor 40 Jahren feierte unser Team in Monte Carlo sein Formel 1-Debüt. Am Steuer saß Firmengründer Bruce McLaren. Seitdem waren wir im Fürstentum immer sehr erfolgreich. Insgesamt 13 Siege in Monaco machen uns in dieser Statistik zum erfolgreichsten Konstrukteur. Diesen eindrucksvollen Rekord möchten wir weiter ausbauen."

"Der enge und winklige Kurs mit seinem niedrigen Grip-Niveau verlangt nach weicheren Gummimischungen unserer Michelin Reifen als auf jeder anderen Strecke. Während viertägiger Testfahrten in Le Castellet simulierten wir die Verhältnisse so gut wie möglich und konzentrierten uns gemeinsam mit Michelin auf die Reifenauswahl für das kommende Wochenende. Dabei erzielten wir äußerst positive Resultate."