Straßen statt Strecken, Häuser statt Tribünen, Leitplanken statt Auslaufzonen, Meer statt Kies, Fahrkönnen statt Aerodynamik, Glamour statt Langeweile: Wenn der Formel 1-Tross nach Monaco kommt, ist alles ein bisschen anders. Nicht umsonst betonen alle Mitglieder seit Jahren: Monaco hat seine eigenen Gesetze. Hier können Underdogs zu Punkteanwärtern, Nachzügler zu Podiumskandidaten und Außenseiter zu großen Siegern werden. Der kleinste Fehler kann das Rennen beenden und das Qualifying ist wieder wichtiger als die Strategie. Monaco ist einzigartig - Monaco ist einfach anders.
Super Aguri: Die Zielankunft von Monaco?
In Monaco ist alles anders, deshalb beginnen wir unsere Rennvorschau diesmal von der anderen Seite der WM-Tabelle. Für Super Aguri wird im Fürstentum hauptsächlich eines anders sein: Sie hoffen mit einer Zielankunft im Leitplankendschungel ein kleines Wunder vollbringen zu können. Die Chancen darauf stehen aber selbst zu Füßen des Casinos schlecht. Die Fahrer werden erneut Takuma Sato und Franck Montagny sein - vorerst ist es jedoch der letzte angekündigte Auftritt des Franzosen. Das Ziel muss wie immer lauten: Beide Autos ins Ziel bringen und hoffen...

MF1 Racing: Der Fortschritt von Monaco?
Seit dem Saisonbeginn predigen die Verantwortlichen von MidlandF1, welche tollen Fortschritte sie erzielen konnten und um wie viel sie ihren Konkurrenten näher gerückt wären. In Monaco möchten sie nun endlich davon profitieren: Unter normalen Umständen sind WM-Punkte für MF1 illusorisch - aber in den Straßen von Monte Carlo ist bekanntlich alles möglich. Sollten Tiago Monteiro und Christijan Albers ins Ziel kommen - und vielen ihrer Kollegen dieses Vergnügen verwehrt bleiben -, könnte es an diesem Wochenende so weit sein. Dann würde das Punktekonto erstmals klingeln. Die Konkurrenz ist jedoch auch auf dem Wundermarkt sehr groß...
Toro Rosso: Das Wunder von Monaco?
Denn ausgerechnet der Erzrivale von MF1-Teamboss Colin Kolles, könnte im Fürstentum zur lange befürchteten Höchstform auflaufen. Schon vor Saisonbeginn wurde STR unterstellt, dass das Team aufgrund seiner limitierten V10-Motoren einen Vorteil haben könnte. Obwohl dies nicht der Fall gewesen ist, war die 'Gefahr' eines starken Abschneidens der Italiener noch nie so groß wie in Monaco. Und zwar nicht nur, weil dort alles möglich und anders ist - sondern auch, weil der Cosworth-V10 Tonio Liuzzi und Scott Speed mit mehr Drehmoment versorgt. Kommt es also diesmal zum prophezeiten Podestplatz? Die ersten sechs Rennen lassen vermuten: Nein. Aber da ist ja noch der Monaco-Faktor.

Red Bull Racing: Das Hollywood von Monaco?
Red Bull Racing hat im letzten Jahr nur wenige Dinge vom Vorgängerteam Jaguar Racing übernommen. Eines davon war der Hollywood-reife Werbe-Auftritt in Monaco. Ohne die Sturmtruppen und Darth Vader geht es in diesem Jahr um gute Leistungen auf der Strecke: Christian Klien und David Coulthard haben einiges nachzuholen - und die Strecke im Fürstentum könnte ihnen gerade recht kommen, um ihr Performance-Defizit zu vertuschen. Nur die Zuverlässigkeit muss auf dem harten Kurs halten was die Bullen versprechen.
Toyota: Die B-Version von Monaco?
Mit dem TF106B soll alles besser werden: Noch bevor der TF106 sein erstes Rennen gefahren hatte, kündigten die Japaner seinen Nachfolger für den Monaco GP an. Wie nötig sie ihn haben würden, konnten sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen. Einen besonders großen Zeitvorteil bringt der neue weiß-rote Wagen laut Ralf Schumacher allerdings nicht. Dennoch war Toyota bei den letzten Tests schnell unterwegs. Ob dies allein auf das Auto zurückzuführen war, wird sich aber wohl erst nach Monaco herausstellen - auf einer richtigen Rennstrecke.

Williams: Die Flexiblen von Monaco?
Dem FW28 fehlt es an Speed. Deshalb kündigten die Mitternachtsblauen schon in Spanien an, dass nun auch sie einen flexiblen Flügelweg beschreiten werden. Ob dies schon im Fürstentum der Fall sein wird, ist nicht bekannt. Das Flügelwerk spielt hier trotzdem eine entscheidende Rolle: Nirgends sonst, wachsen den Autos so viele Flügelchen, Winglets und Barge Boards wie hier. Wenn dann auch noch Getriebe und Motor halten und Mark Webber sowie Nico Rosberg keine Fehler begehen, könnte Williams vielleicht endlich seinem Ruf als Geheimfavorit gerecht werden.
BMW Sauber: Die Bayern von Monaco?
Nicht gerade spektakulär, aber dafür umso ehrlicher waren die Leistungen der Weiß-Blauen in den letzten Rennen. Nachdem mittlerweile auch Nick Heidfeld zu alter Form zurückgefunden zu haben scheint, kann BMW Sauber mit beiden Piloten Punkte anpeilen. Nur eines spricht dagegen: Die zahlreiche und starke Konkurrenz. Aber die eliminiert sich in Monaco ja gerne einmal von selbst...

Honda Racing: Die Sieger von Monaco?
Im letzten Jahr musste British American Racing in Barcelona und Monaco pausieren - die Strafe für das Tankvergehen von Imola. Ausgerechnet bei jenem Rennen, bei dem sie sich einen Sieg ausgerechnet hatten, und beim Saisonhighlight in Monte Carlo. Eine Strecke auf der die Weißen sich auch in diesem Jahr gute Chancen auf eine gute Platzierung ausrechnen. Jenson Button und Rubens Barrichello konnten zuletzt jedenfalls einen Aufwärtstrend verzeichnen.
McLaren: Das Comeback von Monaco?
Nicht viel ging bei den Silberpfeilen in den letzten Rennen. Da könnte ihnen der verrückteste Grand Prix des Jahres gerade recht kommen. Nach dem aerodynamisch anspruchsvollen Circuit de Catalunya, spielt die Performance des Autos in Monaco keine so große Rolle. Hier kann der Fahrer noch einen Unterschied ausmachen - und mit Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya besitzt man von dieser Sorte ja keine besonders schlechten. Mit ein bisschen Glück, könnten die Silbernen also an die Spitze zurückkehren - zumindest für ein Wochenende.

Ferrari: Der König von Monaco?
In der Saison 2001 stand Michael Schumacher zum letzten Mal auf der obersten Treppe des Fürstentums. Mit seinem sechsten Sieg könnte er in diesem Jahr mit dem Monaco-Rekordsieger Ayrton Senna gleichziehen. Die Chancen scheinen gut zu stehen: Bridgestone bringt neue weiche Gummis mit, Ferrari ist wieder erstarkt und der Performance-Vorteil von Renault aus Barcelona könnte hier verschwunden sein. Für Michael Schumacher und Felipe Massa heißt es nun die beiden wichtigsten Zutaten zusammenzubekommen: Einen guten Startplatz und eine gute Strategie.
Renault: Der Prinz von Monaco?
Nach zwei Niederlagen gegen Ferrari quartierte sich Renault in Barcelona wieder an der Spitze des Feldes ein - und gab diese Position auch bei den Tests in Le Castellet nicht aus der Hand. Somit gehen Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella abermals als große Favoriten in ein Rennwochenende. Der R26 sollte auch in Monaco gut liegen und die Voraussetzungen für den nächsten Sieg sind gelegt. Aber ganz so einfach geht es in Monaco natürlich nicht...



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