Versprochen ist Versprochen. Nun ja, in der Formel 1 ist bekanntlich vieles anders - ganz besonders, wenn es sich um den FIA-Präsidenten und dessen Regeln handelt.
"Nur wer sich rechtzeitig für die WM 2008 anmeldet, darf auch an den Diskussionen über das technische Reglement teilnehmen." Mit diesem Satz, wollte Max Mosley die fünf abtrünnigen Hersteller der GPMA dazu bewegen, sich innerhalb der vorgezogenen Anmeldefrist für die F1-Saison 2008 einzuschreiben. Der Lockvogel der Regelmitbestimmung hat gewirkt: Alle fünf Teams unterschrieben artig und wollten danach mitreden.
Dies geschah in der neuen Sporting Working Group, in welcher sogleich Mosleys Motoreneinfrierung mehrheitlich abgelehnt wurde. Das neue System hatte gesiegt: Die ehemalige Einstimmigkeit wurde umgangen und dank des Reglements, hätte diese Entscheidung nur noch zurückgenommen werden können, wenn sie "gegen das allgemeine Wohl des Motorsports" verstoßen hätte.
Darüber ob dies der Fall ist, lässt sich sicherlich streiten. Eines ist aber klar: Es war auf alle Fälle gegen den Willen des FIA-Präsidenten, der sofort eines seiner beliebten Faxe in die F1-Welt verteilte. "Mit der Einschreibung akzeptiert ein Team die Regeln als gegeben", schrieb Mosley. "Sobald Anmeldungen akzeptiert wurden, darf die Sporthoheit keine Regeländerungen zulassen, welche die Kosten erhöhen." Deshalb könne man die Einfrierung der Motoren nicht mehr stoppen. Schließlich würde das die Budgets der Teams "signifikant" erhöhen.

Demnach könne man nur noch Feintuning an den Regeln vornehmen, aber keine einschneidenden Änderungen wie die Motorenformel mehr über die Haufen werfen. Bis zum 30. Juni könnten die Teams jedoch Feintuning-Vorschläge mit einer einfachen Mehrheit in der Sporting Working Group durchsetzen - man möchte hinzufügen: so lange es in Mosleys Sinne ist...
Höchstinteressant sind in diesem Zusammenhang einige Zeilen, die Max Mosley am 22. März in einem Schreiben an die fünf GPMA-Mitglieder verfasste: "Obwohl das sportliche Reglement für 2008 nun fix ist, kann jedes Element davon durch eine einfache Mehrheit der eingeschriebenen Teams in der Sporting Working Group (Anhang 5) geändert werden. Diese Änderung würden die F1 Kommission oder der World Motor Sport Council nur ablehnen, wenn sie gegen die allgemeinen Interessen der Formel 1 oder des Motorsports wären."
Versprochen ist versprochen - vielleicht aber nur im Sinne von: ein anderes Wort gemeint zu haben...
Flexibel muss man sein
Während Max Mosley also wieder einmal die Verärgerung der Hersteller auf sich zog, sorgte zumindest Bernie Ecclestone für wohl gesonnene Gesichter: Er unterzeichnete zusammen mit dem Rechteinhaber CVC die von den GPMA-Mitgliedern gegengezeichnete Absichtserklärung über die Zukunft der Formel 1.
Hinter den geschäftlichen Kulissen läuft also alles auf eine versöhnliche Einigung hinaus. Hinter den reglementtechnischen Kulissen wird noch erbittert gekämpft. Und hinter den sportlichen Kulissen könnten bald viele bewegliche Flügel zum Vorschein kommen.
Spätestens seit dem letzten Wochenende scheint in der Formel 1 das Motto zu gelten: Flexibel muss man sein - vom Heck- bis zum Frontflügel.
Da ausgerechnet die beiden führenden Teams unter Verdacht stehen, das Reglement besonders flexibel und ihre Flügel bis in die Grauzonen hinein beweglich zu gestalten, sprechen nun auch McLaren, Williams, Toyota und Honda davon, auf diesem Gebiet Boden gutmachen zu wollen.
"Es ist ganz klar, dass unser Auto nicht schnell genug ist", gestand beispielsweise Sir Frank Williams, "und es ist möglich, dass dieser mangelnde Speed darauf zurückzuführen ist, dass wir einige Dinge, die andere Teams getan haben, noch nicht getan haben, da wir dachten, dass sie verboten wären."

Aber in der Formel 1 rechtfertigt der Speed alle Mittel: "Alle Teams müssen sich an die gleiche Regelinterpretation angleichen, wenn sie konkurrenzfähig sein möchten", sagte Honda-Technikdirektor Geoffrey Willis. "Renault und Ferrari sind sehr gut und wenn sie jemand einholen möchte, muss dies schnell geschehen."
Vielleicht bastelt Max momentan wieder einmal am falschen Reglement - dem zukünftigen von 2008; während 2006 noch einige Schlupflöcher Kostenexplosionen bei der flexiblen Forschung an Front- und Heckflügeln hervorrufen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass die Sicherheit darunter nicht gerade verbessert wird. Schon gleich gar nicht, wenn Super Aguri & Co schon seit Saisonbeginn kleine, weiße Flügelchen auf der Strecke verstreuen. Oder wie Ralf Schumacher es ausdrückt: "Irgendwann fliegen uns die Dinger um die Ohren."



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