Es war jener Abend vor jenem Tage im Januar, an dem der gestrenge Winter noch einmal nach Spanien zurückkehrte. Da saß ein schelmisch grinsender Christian Klien vor dem Diktiergerät und erklärte, dass er in der anstehenden Saison sicherlich "den Onkel David ein bisschen ärgern" wolle. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Klien konnte Coulthard nicht nur ärgern, sondern in den beiden ersten Saisonläufen sogar in den Schatten stellen - schließlich war er es, der es jeweils in das Top 10-Qualifying geschafft hat. Schließlich war er es, der gleich im ersten Rennen einen WM-Punkt an Land ziehen konnte. Im dritten Lauf jedoch konnte Coulthard in Sachen WM-Punkte kontern, nachdem er nachträglich auf Rang 8 vorgereiht wurde, weil ihn Toro Rosso-Pilot Scott Speed unter Gelb überholt hatte. Das Punkteduell steht derzeit bei 1:1. Im Quali-Duell führt Klien 2:1.
Angeheizt wird das teaminterne Duell bei Red Bull Racing von den Entscheidungsträgern, die in letzter Zeit immer wieder erklärt haben, dass sie nach den vielen Investitionen, dem Engagement von Stardesigner Adrian Newey und vielen weiteren Maßnahmen einen Toppiloten im 2007er-Auto sitzen haben wollen. Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat bereits die Angel ausgeworfen - von Juan Pablo Montoya war die Rede, ja sogar Michael Schumacher soll kontaktiert werden.
Für Christian Klien ist deshalb klar, dass nur einer der beiden RBR-Stammpiloten im Team bleiben kann - gegenüber der APA erklärte der Hohenemser mit Wohnsitz Schweiz: "Nur einer von uns zweien wird weiterkommen. Es ist ein Duell zwischen uns beiden. Der Schnellere wird bleiben." Mit seiner eigenen Leistung zeigte sich Klien zufrieden: "Bis jetzt habe ich mich gut geschlagen. Ich habe mir kaum etwas vorzuwerfen."
Verbesserte Standfestigkeit, neue Aerodynamik
Wie alle Teams hat auch Red Bull Racing in der letzten Woche im spanischen Montmelo einige Neuerungen getestet: "Die Standfestigkeit ist verbessert und aerodynamisch haben wir im vorderen Wagenbereich etwas verändert." Klien weiß natürlich, dass "auch die Konkurrenz nicht geschlafen hat, alle liegen sehr eng beisammen".
Wie schon in den ersten Saisonläufen möchte es Klien am Samstag diesmal unbedingt wieder in die Top 10-Session schaffen: "Unser Ziel ist ganz klar ein Startplatz unter den ersten Zehn. Das wäre dann auch die Basis für weitere WM-Punkte."
Der Druck, den Mateschitz und sein Konsulent Helmut Marko in letzter Zeit vermehrt mit öffentlichen Aussagen verstärkt haben, stört Klien nicht. Die offene Fahrerfrage sei derzeit keine zusätzliche Belastung für ihn, betonte Klien: "So früh fallen kaum Fahrer-Entscheidungen für die nächste Saison, aber natürlich brauche auch ich Resultate." In einem Telefonat betonte er unlängst, dass es "für einen Sportler doch schön ist, wenn einem Druck auferlegt wird".

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