Formel 1 / Rennbericht

Australien GP: Alonso der Triumphator beim Chaos GP

Sieg für Fernando Alonso - Von einem normalen Rennen kann man beim Australien GP 2006 aber keineswegs sprechen!
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Drittes Rennen, dritter Sieg: Renault marschiert weiter in Richtung Titelverteidigung. Nach dem ersten Doppelsieg der Franzosen seit einer halben Ewigkeit in Malaysia, mussten sich die Gelb-Blauen in Melbourne jedoch mit nur einem Fahrer auf dem Podium zufrieden geben. Giancarlo Fisichella konnte seinen Vorjahreserfolg nicht wiederholen. Stattdessen war es abermals sein Teampartner Fernando Alonso der mit einer fehlerfreien Vorstellung einen nie gefährdeten Sieg einfuhr - seinen zweiten in diesem Jahr. Den spektakulären Schlusspunkt eines verrückten Rennens setzte Jenson Button nur wenige Meter vor der Ziellinie mit einem kapitalen Motorschaden liegen blieb und somit seinen fünften Platz verlor!

Der Start Spektakulärer kann ein Grand Prix kaum beginnen: Auf dem Weg in die Startaufstellung drehte sich Juan Pablo Montoya beim Aufwärmen seiner Reifen eingangs der Start und Zielgerade. Da kurz danach Giancarlo Fisichella seinen Motor am Start abwürgte, ging es in eine zweite Einführungsrunde. Während Montoya 4 auf seinen Startplatz zurückkehrte, musste Fisichella aus der Box starten. Allerdings sollte der Italiener nicht sehr weit kommen: Schon in der ersten Kurve drehte auch er sich, auf der Jagd hinter dem Feld. Vorne blieb Jenson Button in einem harten Duell gegen Fernando Alonso an der Spitze. Danach ging es Schlag auf Schlag: Vorne lieferten sich die beiden McLaren ein knallhartes Duell. Dahinter schossen sich Jarno Trulli und David Coulthard gegenseitig ab. Der Schotte musste ins Kiesbett ausweichen, der Italiener drehte sich und schied schon in Runde 1 aus. Bereits in Kurve 1 wurde Felipe Massa im Startgetümmel zwischen Christian Klien und Nico Rosberg eingeklemmt. Massa landete in der Mauer, Rosberg wurde der Frontflügel abgerissen und Klien bog wenige Runden später mit einem Folgeschaden in die Mauer ab.

Der Re-Start Beim fliegenden Start ging es nicht ganz so chaotisch zu: Allerdings kam es gleich zu mehreren Platzwechseln! Vorne schnappte sich Alonso den Pole-Sitter Jenson Button und fuhr diesem in den nächsten Rennen auf und davon. Button musste sich gegen Räikkönen zur Wehr setzen, konnte sich aber vor dem Finnen halten. Einige Plätze weiter hinten lieferten sich Mark Webber, Ralf Schumacher, Juan Pablo Montoya und Nick Heidfeld ein packendes Duell, in dessen Verlauf sich die knapp hintereinander liegenden Autos mehrfach gegenseitig überholten.

Der 2. Re-Start Die Säuberungsarbeiten nach dem harten Einschlag von Christian Klien in die Streckenrandbegrenzung brachten nach nur sieben Runden bereits die zweite Safety-Car Phase. Für Fernando Alonso verlief der zweite Re-Start so perfekt wie der erste: Der Spanier fuhr dem Feld auf und davon. Dahinter setzte sich Kimi Räikkönen gegen Jenson Button durch, der sich in den Folgerunden gegen Juan Pablo Montoya wehren musste.

Der 3. Re-Start Kaum war das Rennen wieder freigegeben, kam das Safety Car schon wieder auf die Strecke! Bis dahin hatte sich an der Reihenfolge nichts verändert: Alonso konnte Platz 1 vor Nick Heidfeld halten. Der Deutsche musste sich jedoch Kimi Räikkönen im McLaren geschlagen geben.

Der 4. Re-Start Beim vierten Mal klappte alles reibungslos: Vorne verschafften die bereits überrundeten Midland-Piloten Alonso einen Vorsprung auf seine Verfolger und dahinter blieben alle besonnen genug einen weiteren Unfall zu vermeiden.

Die Zwischenfälle Nach dem Chaos der ersten Runden kam es nach 33 Runden zur dritten Safety-Car Phase. Ausgelöst wurde diese von Michael Schumacher, der seinen Ferrari auf einer Bodenwelle eingangs der Start- und Zielgeraden verlor und heftig in die Mauer einschlug. Die verstreuten Kleinteile des 248 F1 sorgten für den nächsten Einsatz von Bernd Mayländer. Die nächste Safety Car Phase löste Tonio Liuzzi aus, der mit seinem STR1 wie so viele seiner Kollegen hart in die Mauer einschlug. Ein solches Ende konnte Juan Pablo Montoya verhindern: Dennoch stellte der McLaren-Pilot seinen MP4-21 nach einem Fastabflug auf der Zielgeraden ab.

Die Überholmanöver Eines der ersten Überholmanöver abseits der vielen der vielen Starts zelebrierte Tonio Liuzzi, als er Michael Schumacher düpierte und dem Deutschen danach wegfuhr. Aber nicht genug: Danach musste sich Schumacher nach einem schweren Verbremser auch noch mit dem zweiten Toro Rosso auseinandersetzen. Im Gegensatz zu Speed hatte der fliegende Fisichella auf seiner Aufholjagd keinerlei Problem den Ex-Champion zu überholen.

Die Boxenstopps Kein Glück für Montoya: Nach seinem Dreher in der Einführungsrunde, musste sich der Kolumbianer während der dritten Safety Car Phase hinter seinem Teamkollegen anstellen. Da das Team eine Reparatur an Räikkönens Frontflügel vornehmen musste.

Die Strategien Entgegen den Erwartungen war keiner der Spitzenpiloten mit einem extrem schweren Auto auf einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs. Stattdessen hielten die Top-Leute zweimal an ihren Boxen.

Die Reifen Vor dem Rennen hieß es, dass sich nur Bridgestone bei den kühlen Bedingungen im Albert Park warm anziehen müsste. Doch am Ende kämpften alle Fahrer beider Marken darum ihre Pneus auf Temperatur zu bringen. Erschwert wurde dieser Vorgang durch die vielen Safety Car Phasen, die den Reifen die Temperatur entzogen und zusammen mit dem geringen Grip des Kurses für die vielen Unfälle sorgte.

Die Ausfälle Schon nach wenigen Runden waren vier Fahrer draußen: Massa war mit seinem Ferrari in die Mauer abgebogen, Rosberg hatte seinen Heckflügel verloren, Trulli sich gedreht und Klien in Folge der Startkollision in die Mauer gekracht. Der nächste Ausfall betraf den Lokalmatadoren: Mark Webber musste seinen FW28 in Führung liegend am Streckenrand abstellen! Die nächsten beiden Ausfälle gehörten wieder der unsanften Art an: Michael Schumacher und Tonio Liuzzi schlugen hart in die Mauer ein. Bei Tiago Monteiro versagte hingegen die Technik: Der Portugiese stellten seinen M16 antriebslos in er Box ab. Ein paar Meter weiter drüben, rollte Juan Pablo Montoya mit seinem Chrompfeil an der Boxenmauer aus. Jenson Button hätte sich sicherlich auch gewünscht an der gleichen Stelle wie Montoya stehen zu bleiben: Leider explodierte sein Honda-V8 aber einige hundert Meter vorher, womit Button wenige Meter vor der Ziellinie mit rauchendem Heck ausrollte und alle Punkte verlor.

Das Mittelfeld 12 Fahrzeuge schafften es bis ins Ziel - dass Button noch als Zehnter gewertet wurde, dürfte dem Briten dabei völlig egal gewesen sein. Hinter ihm kreuzten Ide, Sato und Albers die Ziellinie, vor ihm kam Coulthard auf dem undankbaren 9. Platz ins Ziel.

Die Punkteränge Der letzte Punkteplatz ging also nicht an den Red Bull Piloten, sondern an Rookie Scott Speed, der mit seinem STR1 den Wagen des Schwesterteams hinter sich hielt. Davor belegte Rubens Barrichello Rang 7. Die Plätze 5 und 6 gingen an Giancarlo Fisichella und Jacques Villeneuve. Knapp an einem Podestplatz gescheitert ist Nick Heidfeld auf Platz 4.

Das Podium Besser verlief das Rennen für den zweiten Deutschen im Ziel: Ralf Schumacher fuhr überraschend mit seinem Toyota auf den dritten Platz und bescherte den Japanern erstmals in diesem Jahr einen Grund zum Jubeln! Gegen den zweitplatzierten Kimi Räikkönen hatte er aber keine Chance. Der Finne kam zwar nur 1,8 Sekunden hinter dem Sieger Alonso ins Ziel, hatte jedoch keine Möglichkeit den Spanier zu gefährden. Teilweise zeichnete dafür ein Problem an seinem Frontflügel verantwortlich, das ihn über lange Zeit des Rennens einbremste und wertvolle Sekunden kostete.

Der Sieger Alonso zum Zweiten: Nach seinem Auftaktsieg in Bahrain sicherte sich Fernando Alonso in Melbourne zum zweiten Mal die volle Punktzahl. In den Schlussrunden konnte er es sich sogar leisten es langsam angehen zu lassen und seinen Boliden zu schonen. Schließlich muss sein Motor auch noch in Imola ran.

Die WM-Wertung Mit 28 WM-Punkten führt Alonso damit souverän die Fahrerwertung an. Hinter ihm liegt das Feld eng beisammen. Kimi Räikkönen und Giancarlo Fisichella liegen gleichauf als beste Verfolger. In der Team-WM festigte Renault seinen Spitzenplatz vor McLaren. Den größten Sprung machte Toyota, die dank Ralf Schumachers Podestplatz an einigen Konkurrenten vorbeizogen.


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