Ralf, es läuft bislang nicht so, wie Du Dir das vorgestellt hast: Wie gehst Du mit der Situation um?

Ralf Schumacher: Das ändert ja nichts an der Tatsache, dass man es so schnell wie möglich wieder hinbiegen möchte. Bahrain war natürlich ein Desaster und in Malaysia habe ich etwas Pech gehabt. Aber der Rennspeed war dort schon okay.

Siehst Du also Licht am Ende des Tunnels?

Ralf Schumacher: Hier ist es eine andere Situation, aber da wir andere Reifen haben, gehe ich davon aus, dass wir halbwegs dabei sein können.

Konntet Ihr zwischen den Rennen etwas Entscheidendes verbessern oder geht das erst in Europa?

Ralf Schumacher: Nicht wirklich. Das geht erst in Europa. Wir haben in Paul Ricard Reifen getestet und konnten einige interessante Dinge mitnehmen, aber innerhalb von ein paar Tagen geht nicht so viel.

Würde Euch ein drittes Auto wie im letzten Jahr mit Ricardo Zonta viel mehr helfen?

Ralf Schumacher: Das wäre natürlich eine Hilfe, aber bei Toyota fahren wir im Vergleich zu den anderen Stammfahrern noch die meisten Runden. Ich glaube nicht, dass ein drittes Auto unser Problem verbessert hätte.

Was ist in realistisches Ziel für den Australien GP?

Ralf Schumacher: Ein Platz zwischen 4 und 8 wäre hier realistisch.

Wann werdet Ihr in der Saison dort ankommen, wo Ihr eigentlich schon jetzt sein wolltet?

Ralf Schumacher: Es ist schwierig einzuschätzen wie gut wir uns weiterentwickeln und was die anderen Teams machen werden. Wir sind momentan sehr weit weg von Renault. Beim letzten Rennen waren es nur acht Zehntel, aber das ist noch immer eine Welt. Unser Ziel ist es nach wie vor in diesem Jahr ein Rennen zu gewinnen. Bis wir das erreichen können, liegt aber noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns.

So schlimm wie die Prognosen nach Bahrain aussahen, sieht es jetzt aber nicht mehr aus?

Ralf Schumacher: Wir können alles natürlich beschleunigen, indem wir Reifen entwickeln die uns helfen. Grundsätzlich wird es aber nicht einfach sein. Wir müssen die Konstruktion verstehen lernen: So wie wir Jahre lang bei Williams nicht verstanden haben, warum wir Reifen auffressen, ist es für uns jetzt schwierig zu verstehen, warum wir die Reifen nicht so gut aufheizen können. Das wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Ein normaler Mensch versteht wahrscheinlich überhaupt nicht, warum Toyota ein Problem hat die Reifen auf Temperatur zu bringen. Kannst Du das einmal erklären?

Ralf Schumacher: Wenn ich es erklären könnte, könnte ich das Problem auch beheben. [lacht] Es gibt einfach Autos die mit ihren Reifen von der Fahrwerksgeometrie her wesentlich härter umgehen als wir. Sie rutschen mehr und bringen den Reifen eher auf Temperatur. Aber das genau zu erklären ist sehr schwierig.

Wie möchte Toyota den Leuten erklären, dass das Team mit dem größten Budget und den meisten Mitarbeitern dieses Problem einfach nicht in den Griff bekommt?

Ralf Schumacher: Wir wollen das Problem ja gar nicht erklären, wir wollen es nur ändern. [lacht wieder] Grundsätzlich glaube ich nicht, dass wir ein größeres Budget haben als Ferrari oder Mercedes. Zudem bekommen es auch andere Teams wie Mercedes seit einiger Zeit nicht auf die Reihe um die WM zu fahren. Die Formel 1 ist eben sehr komplex, sonst wäre es ja viel einfacher Rennen zu gewinnen. Die meiste Zeit verbringt man in der Formel 1 damit sein Auto zu verstehen. Das kann man aber nicht für Geld kaufen: Hier geht es um Erfahrungswerte. Es müssen die richtigen Leute zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Und wir haben einfach noch eine Menge zu lernen.

Kann man das Reifenproblem mit einer veränderten Fahrweise lindern?

Ralf Schumacher: Nur bedingt. Eigentlich geht es fast gar nicht. Wenn man weiß, dass man mit dem Reifen nicht zu viel rutschen sollte, kann man etwas vorsichtiger an die Sache herangehen. Unser Hauptproblem war aber wohl, dass wir den Reifenwechsel unterschätzt haben: Wenn man nach fünf Jahren den Reifenpartner wechselt, dann kann man innerhalb von vier Monaten nicht alles herausholen. In Bahrain haben wir gesehen, dass Ferrari als einziges Bridgestone-Team richtig schnell war. Williams kam zwar auch gut zurecht, aber dieses Problem kommt ihnen eher entgegen.

In wie weit seid Ihr Euch denn sicher, dass Ihr nur Reifenprobleme und nicht noch andere habt?

Ralf Schumacher: Wie gut das Auto ist werden wir noch herausfinden. Aber es ist klar, dass wahrscheinlich auch das Auto verbesserungswürdig ist. Das größere Problem ist zurzeit der Umgang mit den Reifen. Das liegt aber nicht an den Reifen, sondern an uns.

Du hast vorhin gesagt, dass Euch acht Zehntel auf Renault fehlen. Lassen sich diese auf Auto und Reifen aufteilen?

Ralf Schumacher: In Malaysia war sicherlich der Reifenanteil geringer. Da haben uns zu Renault bestimmt fünf Zehntel am Auto gefehlt. Aber Renault ist ja sowieso im Moment eine Liga für sich.

Wie schätzt Du das Kräfteverhältnis hier ein?

Ralf Schumacher: Das ist schwer zu sagen. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich mich damit gar nicht befassen. Da könnte meine Prognose wieder ein Griff ins Klo werden. In Bahrain ist Ferrari um den Sieg mitgefahren, in Malaysia waren sie verhältnismäßig im Nirgendwo - das ist alles sehr schwierig einzuschätzen.

Am Pressegespräch nahm für motorsport-magazin.com Karin Sturm teil.