Platz zwei in der WM-Wertung in seiner ersten Formel 1-Saison 1996 und der Titelgewinn ein Jahr später sind für Jacques Villeneuve mittlerweile nur noch schöne Erinnerungen. Ende 1998 verließ Villeneuve Williams um im neuen BAR-Team seines Freundes und Managers Craig Pollock sein Glück zu versuchen und danach lief nicht mehr viel für den ehemaligen Indy-Car-Champion und Formel 1-Weltmeister. Sein letzter Podiumsplatz in der Formel 1 liegt inzwischen fast fünf Jahre zurück. Der dritte Platz beim Grand Prix von Deutschland in Hockenheim sah ihn bisher zum letzen Mal auf dem Podium.

Trotz aller Enttäuschungen ist der Kanadier fest entschlossen, sich ein zweites Mal nach oben zu kämpfen. "Ich habe einige sehr schöne Erinnerungen, hauptsächlich aus den ersten paar Jahren, danach weniger," sagte er vor dem Grand Prix von Australien. "Aber es gibt immer noch hin und wieder, auch in Zeiten, ein oder zwei seltsame Rennen, in denen alles läuft und man ein gutes Wochenende hinbekommt", erzählte Villeneuve weiter. "Gute Erinnerungen gibt es normalerweise mindestens einmal im Jahr, die sind aber meistens außerhalb des Autos."

Vergangenes Jahr unterschrieb Villeneuve bei Sauber einen Zweijahresvertrag, musste nach der Übernahme des Teams durch BMW jedoch lange darum bangen, ob die Bayern ihn auch behalten würden. Auch wenn sein Vertrag Ende dieses Jahres endgültig ausläuft, beabsichtigt der 34-jähre keineswegs, sich aus dem Grand Prix-Sport zurückzuziehen. "Ich hoffe ganz sicher, dass ich weiter dabeibleibe," erklärte er. "Ich bin noch nicht bereit, aufzuhören, aber das liegt nicht an mir, es kommt auf eine ganze Reihe anderer Faktoren an." Villeneuve ist sicher, dass er noch immer das Zeug hat, zu gewinnen, wenn er das richtige Auto hat. "Ganz bestimmt. Ich kann immer noch von der ersten Runde an schnell fahren und das ist alles, worauf es ankommt."

Jacques Villeneuve kennt auch aus eigener Erfahrung, wie schwer es sein kann, nach sehr erfolgreichen Jahren das Team zu wechseln und die Probleme, denen man sich unerwartet gegenübersehen kann. Deshalb wagt er auch schon mal eine Prognose, dass es Fernando Alonso ebenfalls nicht ganz leicht haben wird, wenn er 2007 zu McLaren geht. "Solange er die richtigen Leute um sich hat und er mental stark ist, kann er gute Rennen fahren," orakelte Villeneuve. "Was aber eine Auswirkung haben kann ist, wenn sich die Leute im Team ändern, man plötzlich ein schlechtes Auto hat oder man das Team wechselt. Man ist dann auf einmal nicht mehr in seinem schützenden Kokon - und genau das ist es, was ihm nächstes Jahr passieren wird."

Jetzt freut sich Jacques Villeneuve aber erst mal auf das Renne in Down Under und wie bei vielen anderen seiner Kollegen, ist der Kurs im Albert Park auch eine seiner Lieblingsstrecken. "Ich komme immer gerne hierher, denn das ist eine Strecke, auf der ich immer gut zurechtgekommen bin, vor allem im Qualifying, und da wir konkurrenzfähiger in die Saison gestartet sind als letztes Jahr, ist es aufregend, hier her zu kommen." Das neue Qualifying scheint Jacques Villeneuve sowieso besser zu liegen als das Einzelzeitfahren der letzten Jahre und er ist daher auch ein großer Verfechter des neuen Reglements. "Es fühlt sich gar nicht an wie Qualifying, weil man sich nicht mehr auf die eine schnelle Runde konzentriert. Man steigt nur ins Auto und fährt diese Runde, fährt zwei oder drei Minuten und greift dann noch einmal an."

Trotzdem könne man das eine oder andere noch verändern um es noch interessanter zu machen. Speziell in der letzten Session, wenn die schnellsten zehn Auto rundenlang nur fahren um möglichst viel Benzin zu verbrennen für die eine, schnellste Runde, die über den Startplatz entscheidet. "Es ist aufregend," meint der Kanadier. "Das k.o.-System ist gut, aber ich bin mir nicht so sicher bei den letzen 20 Minuten, wo die Autos nur langsam in der Gegend rumfahren um Sprit zu verbrennen, das sollen die Fans entscheiden, ob das gut ist oder nicht."