Nick, wo reihst Du Euch momentan im Feld ein?

Nick Heidfeld: Wir sind weit hinter Renault, aber im Mittelfeld ist es recht eng. Beim letzten Qualifying haben wir es nicht in die Top10 geschafft, aber wenn wir zwei Zehntel schneller gewesen wären, wären wir Siebter gewesen. Und zwei Zehntel sind keine Welt. Es gibt natürlich viele Diskussionen um die Reifenfrage, besonders was Bridgestone betrifft. Mit Michelin sind wir gut bedient. Anscheinend braucht Bridgestone in diesem Jahr höhere Temperaturen, was bislang nicht der Fall gewesen ist. Die Vorhersagen liegen um die 17 Grad für dieses Wochenende. Deshalb müssen wir abwarten, wie die Bridgestones sich dann schlagen.

Sind die Motorenprobleme gelöst?

Nick Heidfeld: Wir arbeiten daran das Problem einzuengen und zu lösen. Wir sind nicht das einzige Team mit Motorenproblemen, was aber keine Ausrede sein darf. Denn die Probleme haben uns einige Punkte gekostet. Dementsprechend wichtig ist es das Problem zu lösen.

Wie wird das geschehen?

Nick Heidfeld: Das hängt von BMW ab. Sie analysieren das Problem in München und lassen die Motoren auf dem Prüfstand laufen. Allerdings lagen nur zwei Wochen zwischen Malaysia und Australien. Da ist es nicht immer ganz so einfach alles von einem auf den anderen Tag zu ändern.

Wird Euch dieses Problem länger beschäftigen oder reicht die Pause bis Imola aus um es zu beseiteigen?

Nick Heidfeld: Ich glaube schon, dass es bis Imola behoben sein wird. Allerdings hoffe ich natürlich, dass mein neuer Motor schon hier problemlos funktionieren wird.

Wie läuft der Aufbau des Teams?

Nick Heidfeld: Es läuft sehr gut. Ich bekomme da am Rennwochenende ehrlich gesagt nicht so viel mit. Es fangen aber permanent neue Leute im Team an. Beim letzten Test habe ich einige neue Leute gesehen, die eingearbeitet wurden und das funktioniert alles problemlos.

Wie schätzt Du das aktuelle Kräfteverhältnis ein?

Nick Heidfeld: Renault ist nach wie vor ganz klar am stärksten. Obwohl Jenson beim letzten Rennen nicht so weit weg war, konnte Alonso ihn noch überholen. Dennoch ist Honda stark. Überrascht hat mich McLaren Mercedes. Sie hatten bei den Tests viele Probleme, konnten diese aber noch rechtzeitig lösen. Bei den ersten beiden Rennen kamen sie noch nicht richtig in Fahrt, aber wenn das einmal klappt, dann werden sie vorne dabei sein. Williams ist auch überraschend stark. Gerade mit den Bridgestone-Reifen hätte man sie nach den Wintertests nicht so gut eingeschätzt. Aber das könnte sich bei niedrigeren Temperaturen wieder relativieren, da sie hier möglicherweise noch einige Probleme haben könnten.

Und was ist mit Ferrari?

Nick Heidfeld: Ferrari war beim ersten Rennen stark, beim letzten Rennen haben sich mich in die andere Richtung überrascht: Da hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie so schwach sein würden. Michael stand beim Start hinter mir und ich dachte, dass er schnell an mir vorbeikommen und weit vor mir ins Ziel kommen würde. Aber das war glücklicherweise nicht der Fall. Ich konnte ihn gut hinter mir halten und ohne den Motorschaden hätte ich sowohl Michael als auch Felipe hinter mir halten können. Unsere Pace war etwas besser als die von Michael, der wohl Probleme hatte. Wenn Felipe von vorne gestartet wäre, wäre er wahrscheinlich knapp vor mir ins Ziel gekommen. Aber das war nicht so stark, wie man es von Ferrari erwarten würde.

Du sagst Williams habe Dich überrascht. Gilt das umso mehr, weil Du letztes Jahr für sie gefahren bist?

Nick Heidfeld: Wir hatten im letzten Jahr eine starke Saison, waren aber bei weitem nicht so stark, wie wir das erhofft hatten. Beim letzten Rennen sind sie jetzt mit beiden Autos aus der zweiten Reihe gestartet und hatten die schnellste Runde beim Auftaktrennen: Das hätte ich nicht erwartet.

Wird es beim Europa-Auftakt große Veränderungen am Kräfteverhältnis geben?

Nick Heidfeld: Nach den ersten beiden Rennen kann man recht gut sehen, wer wo steht. Hier wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Reifen bei niedrigeren Temperaturen verhalten. Das wird auch richtungsweisend für Imola, wo sich aber noch einmal einiges ändern könnte, denn dort bringen alle Teams neue Pakete. Auch wir werden dann ein neues Aerodynamikpaket haben. Deshalb kann sich dort alles ein bisschen verschieben. Aber ich erwarte keine Riesenveränderung.

Du bist letzte Woche zu den Tests nach Le Castellet zurückgeflogen. Hast sich das gelohnt?

Nick Heidfeld: Ja klar. Wir haben in erster Linie Reifen getestet, sowohl Konstruktionen als auch Mischungen, und einige kleinere Dinge am Auto. Jeder Test bringt etwas, sonst würde man ihn nicht machen. Es war natürlich etwas stressig, aber ich wollte ohnehin nach Hause um bei meiner Tochter und meiner Freundin sein zu können.

Am Pressegespräch nahm für motorsport-magazin.com Karin Sturm teil.