Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen neuen Star: Ob die Mehrzahl der Einwohner Abu Dhabis die Herren Coulthard, Liuzzi oder Klien kennt, ist weder überliefert noch anzunehmen. Aber Michael Ammermüller ist für die Araber ein Star. In der letzten Woche beherrschte der Red Bull Nachwuchspilot die Schlagzeilen der lokalen Presse.
Im Rahmen des Red Bull Air Race in Abu Dhabi verzauberte Ammermüller die Zuschauermassen sowie sich selbst mit einer Demonstrationsfahrt in einem Formel 1-Boliden. Wie es sich für ein Red Bull Event gehört, war es jedoch keine normale Showrunde in den Straßen von Abu Dhabi. Es war ein Vergleichsduell zwischen einem Red Bull F1-Auto und einem Red Bull Air Race Flieger entlang der 2,5 km langen Küstenprunkstraße Corniche.

Während im Flugzeug der ungarische Nationalheld Peter Besenyei Platz nahm, setzte sich der letztjährige Formel Renault und diesjährige Arden GP2-Pilot in jenen F1-Boliden, den Robert Doornbos bereits für seine Showrunden in Saudi Arabien benutzte.
Das größte Problem war die Synchronisation des Show-Duells: Damit Flugzeug und F1-Auto parallel an der Küste entlang fliegen respektive fahren konnten, musste sich der Flieger mit rund 200 bis 250 km/h von hinten heranschleichen. Von Ammermüller verlangte das ein perfektes Timing.
Die Vorgabe für ihn lautete mit exakt 200 km/h in die Zielrichtung zu brausen. Damit Ammermüller dieses selbst auferlegte Speedlimit einhalten konnte, wurde sein Lenkraddisplay so modifiziert, dass ausschließlich die Geschwindigkeit angezeigt wurde. In einem normalen F1-Auto wäre es hingegen genau umgekehrt: Der aktuelle Speed ist das letzte was angezeigt wird. Hier sind die Drehzahlen und Temperaturen viel wichtiger als der reine Speed.
"Eigentlich war mir das ein bisschen zu langweilig", sagte Ammermüller, der das Speedlimit genau einhielt und somit schon ab dem ersten offiziellen Versuch das richtige Timing fand. "Zum Glück gab es noch den Weg zurück ohne Flugzeug", grinste er. Schon auf dem ersten Weg zurück zum Ausgangspunkt ließ er seinen Boliden mit weit über 300 km/h richtig fliegen.
"Das Problem war das Timing zu finden, weil ich den Flieger ja nicht sehen konnte, da er über mir war. Hören konnte ich ihn aber auch nicht, weil der Lärm in einem F1-Auto so ohrenbetäubend ist, dass man sonst gar nichts hört."
Hinzukam die mörderische Hitze in den Straßen von Abu Dhabi, die über dem Asphalt nur so flimmerte. Die Toyota-Verantwortlichen hätten sich angesichts ihrer Reifenprobleme bei diesen Temperaturen die Hände gerieben. Der Grip der Fahrbahn war dennoch extrem gering.

Für den relativ unerfahrenen Nachwuchspiloten war es deshalb eine große Herausforderung unter diesen Bedingungen zum ersten Mal in ein F1-Auto zu steigen. Schließlich besitzt er nur wenig Erfahrung mit einem so PS-starken Auto von einigen wenigen GP2-Testtagen.
Vor seiner ersten Ausfahrt stand Michael Ammermüller quasi wie ein kleines Kind vor dem Weihnachtsbaum: Die Mechaniker erklärten ihm lange und ausführlich das Auto, führten Checks durch, nahmen den Sitz rein und raus, maßen die Pedale ab und erklärten ihm die Elektronik. Trotz der Reizüberflutung in mitten der Hitze nahm Ammermüller die vielen Informationen interessiert auf und blieb trotz des großen Rummels um ihn herum vollkommen cool.
Bei seiner ersten Ausfahrt erhöhte sich das Herzklopfen aber doch: Würde er es schaffen loszukommen ohne den Motor abzuwürgen? Der Beifall der Hundertschaft von Fans, die zuvor noch im - eigentlich abgesperrten Bereich - unzählige Fotos mit ihm machten und ihm die Hand schüttelten, bewies: Ammermüller legte einen echten F1-Start ohne Probleme hin.
"Es ist schade, dass ich nur geradeaus mit einem leichten Linksknick fahren durfte", dürstete es ihn logischerweise nach mehr. "Ich würde schon gerne einmal das Auto auf einer echten Rennstrecke ausprobieren." Aber auch auf der Küstenpromenade von Abu Dhabi hatte Michael seinen Spaß: "Es war toll, dass es noch ein 'echter' Motor war", strahlte er über den Zehnzylinder im Heck seines Wagens. "Es ist einfach Wahnsinn, wenn du im 7. Gang noch einmal aufs Gaspedal steigst und denkst es nimmt überhaupt kein Ende."
Obwohl Ammermüller derzeit keinen Gedanken an die Formel 1 verschwendet, hofft er, dass dies nicht die einzige Gelegenheit für ihn war mit einem F1-Auto zu fahren. Vorerst konzentriert er sich jedoch voll auf die anstehende GP2-Saison, in welcher er es aufgrund seiner geringen Erfahrung im Kampf gegen erfahrene F1-Piloten oder Testfahrer schwer genug haben wird.
Von seinem kleinen F1-Ausflug in Abu Dhabi ging es für weitere GP2-Tests direkt nach Le Castellet. In Folge eines verspäteten Fluges (vielleicht hätte er sich von den Air Race Kollegen fliegen lassen sollen) versäumte er allerdings den ersten Testtag in Südfrankreich. "Aber der Spaß war es wert."



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