Ralf, Euer Saisonstart in Bahrain ist missglückt. Wie groß ist die Hoffnung, dass die Probleme relativ schnell gelöst werden können?

Ralf Schumacher: Das kann ich momentan nicht beantworten. Ich war vor Bahrain fest davon überzeugt, dass wir das Problem lösen würden, aber das ist dort nicht geschehen. Deshalb kann ich dazu nichts sagen. Ich fliege am Sonntag zurück nach Europa und teste in Le Castellet. Für diesen Test haben wir uns ein Programm zurecht gelegt, um die Probleme zu lösen.

Wenn Du hinter jemanden herfährst, der schneller ist als Du: Spürst Du wo Du Zeit auf ihn verlierst?

Ralf Schumacher: Das Problem ist: Wenn jemand bedeutend schneller ist, dann kann man gar keine ganze Runde hinter ihm herfahren. Man sieht zwar Tendenzen wie gut ein Auto an den unterschiedlichen Stellen liegt, aber es ist schwierig. Man sieht fast mehr, wenn man sich am Fernseher die Onboard-Bilder ansieht.

Betrifft Euer Problem mehr die Hinterreifen oder die Vorderreifen?

Ralf Schumacher: Unser Problem ist eher um das Auto herum. Hinten macht es sich meistens durch Übersteuern und schlechte Traktion bemerkbar. Aber wir hatten in manchen Kurven auch Untersteuern, so dass man manchmal vorne und hinten keinen Grip hatte.

Wie steht es nach diesem Fehlstart um Euer Saisonziel?

Ralf Schumacher: Das Ziel ist das gleiche. Ich hatte ja nicht gehofft, dass ich in diesem Jahr Weltmeister werde. Wenn wir so weiterfahren, fahren wir dieses Jahr natürlich nicht um die WM. Aber das Team hat dennoch seine Vorteile. Wir sind hoch motiviert zu gewinnen und ich habe schon andere Teams erlebt, die in ein Loch gefallen sind. Es ist aber klar, dass wir um Siege mitfahren wollten und wollen. Davon sind wir momentan zu weit entfernt.

Hattest Du Dir den Weg so lang und steinig vorgestellt?

Ralf Schumacher: Es soll keine Entschuldigung sein, aber in diesem Jahr liegen die Teams so eng zusammen, dass es sehr schwierig für uns ist. Aber dennoch sollten wir besser sein. Das letzte Jahr war ausgezeichnet. Deshalb waren die Erwartungen für 2006 wesentlich höher. Wir werden dem schon noch gerecht werden.

Wie groß ist die Gefahr, dass in Japan jemand die Geduld verliert und Köpfe rollen?

Ralf Schumacher: Ich bin kein Japaner, aber ich glaube nicht daran. Grundsätzlich werden in einer solchen Organisation Gründe dafür gesucht, warum etwas nicht funktioniert. Das beginnt beim Fahrer und endet beim Reifenmann. Personelle Konsequenzen erwarte ich nicht.

Wie nah ist Japan am Team dran? Bemerkt Ihr deren Einfluss überhaupt?

Ralf Schumacher: Bei uns ist Japan allgegenwärtig. Im Zeitalter der Computer gibt es keine Distanzen mehr. Es gibt einen Führungskreis von Toyota Japan, der sich permanent mit Tokio austauscht und meiner Meinung nach unterschätzen viele die Möglichkeiten die Toyota besitzt. Sie haben eine sehr genaue Vorstellung davon, wie die Erfolgskurve auszusehen hat. Bei diesen Investitionen ist das aber verständlich.

Gab es nach Bahrain eine Negativreaktion?

Ralf Schumacher: Da brauchte von außen nichts zu kommen, um uns daran zu erinnern, dass es an der Zeit ist besser zu werden. Unser neues Auto hat mit den Änderungen den gewünschten Schritt nach vorne gebracht und angesichts des kühlen Winters haben wir damit gerechnet, dass wir bei den Rennen in wärmeren Gefilden keine Probleme haben würden.

Im letzten Jahr hast Du gesagt, dass Euer Auto zu nett gewesen ist. Habt Ihr jetzt das gleiche Problem?

Ralf Schumacher: Ich bin bekanntermaßen vorher bei Williams gefahren und da hat unser Auto immer die Reifen aufgefressen. Dieses Problem haben wir mit keiner Änderung wegbekommen. Der Toyota tendiert hingegen traditionell dazu den geringsten Reifenverschleiß zu haben. Mit den neuen Reifen von Bridgestone, die scheinbar mehr Temperatur vertragen als Michelin, hilft uns diese Charakteristik nicht. Speziell auf Strecken, die kalt sind und den Reifen nicht stark beanspruchen. Deshalb sind unsere Reifen nie in dem Temperaturbereich, in dem der Reifen richtig arbeitet.

Williams und Ferrari hatten bei den Wintertests die gleichen Probleme, sagten aber ähnlich wie Ihr immer, dass es mit der Temperatur schon besser werden würde. Wieso klappt es bei denen und bei Euch nicht?

Ralf Schumacher: Bei Williams habe ich das nicht gehört. Bei Ferrari konnte ich diese Aussagen überhaupt nicht nachvollziehen. Aber scheinbar hatten sie Recht. Ich war jedenfalls sehr erstaunt darüber.

aufgezeichnet von Karin Sturm