Das neue Qualifying wurde von den Fans und den Formel 1-Journalisten mehrheitlich frenetisch bejubelt - doch Jacques Villeneuve verblüfft mit einer anderen Perspektive - und zwar jener aus dem Cockpit: "Das Qualifying ist sehr stressig - es fühlt sich gar nicht an wie ein Qualifying. Denn du arbeitest überhaupt nicht daran, eine perfekte Runde zu fahren. Du drehst einfach nur deine Runden, zwar mit neuen Reifen - aber es fühlt sich nicht wie ein Quali an. Lustig, es ist jene Zeit, in der wir vor dem Rennen die meisten Runden drehen - doch wir dürfen dabei den Wagen nicht abstimmen. Aber die Fans mögen es - also warum nicht?" Der Weltmeister des Jahres 1997 vermisst das Feilen am Boliden: "Es wäre schon nett, wenn man ein bisschen an dem Wagen arbeiten könnte."

Weil sein Motor im Rennen hochging, darf Villeneuve in Sepang mit neuem Aggregat antreten - einziger Wermutstropfen: "Weil ich im Quali ausgeschieden bin, habe ich mir 12 Runden erspart. Die wollte ich eigentlich am kommenden Wochenende aufbrauchen, doch die haben wir mit dem neuen Motor verloren." Ja, der Rundengeiz - so spannend und elektrisierend der Saisonstart auch war - dieses Geizen um jede gefahrene Runde, um das Motörchen zu schonen - damit werden sich dennoch viele Fans nicht wirklich anfreunden können. Mediziner würden vielleicht sagen: Der Körper namens Rennsport leidet immer noch an gewissen Abstoßungssymptomen - gegenüber dem eingepflanzten, von der FIA gespendeten Organ namens Rundensparen...

Ein nachdenklicher Ralf Schumacher hofft auf eine bessere Reifenwahl., Foto: Sutton
Ein nachdenklicher Ralf Schumacher hofft auf eine bessere Reifenwahl., Foto: Sutton

Überwiegend ist jedoch die Freude, welche dieser Saisonstart mit sich brachte - bei Toyota allerdings gab es keinen Grund zum Lachen. Ralf Schumacher reagiert professionell und spricht von der "vielen Arbeit", die man "zu erledigen" habe. Und: Schumacher stellt eine Möglichkeit in den Raum, dass man Toyota womöglich schon in Sepang wieder weiter vorne sehen könnte - er spricht von einer falschen Reifenwahl, die man in Bahrain getroffen habe. Dass man jedoch nur die richtige Mischung erwischen und sogleich den Riesensprung an die Spitze schaffen könnte - daran glaubt auch Schumacher nicht: "Lasst uns hoffen, dass wir ein bisschen weiter vorne sein werden."

David Coulthard findet es "ein bisschen seltsam", dass er am kommenden Wochenende zehn Startplätze hinzuaddieren muss, weil sein Motor nach der Ziellinie hochging. Der Schotte räumt aber auch ein: "Ich weiß, dass diese Regeln für alle gleich sind, aber man könnte diesen Passus ja noch einmal überdenken." Dafür begrüßt Coulthard die Tatsache, dass es nun einen ständigen FIA-Kommissar gibt.

Die britischen Hoffnungsträger namens Button und Coulthard., Foto: Sutton
Die britischen Hoffnungsträger namens Button und Coulthard., Foto: Sutton

Jenson Button rechnet noch einmal vor, was geschehen wäre, wenn er beim Start des Bahrain-GP keine Probleme mit der Kupplung gehabt hätte und er somit nicht auf Rang 9 zurückgeschleudert worden und in den Verkehr geraten wäre. Dass solche Rechnungen wenig bis gar nichts bringen, weiß auch Button. Und so freut sich der Brite wie alle Formel 1-Freunde darüber, dass es in diesem Jahr "viele schnelle Autos" gibt. Er betrachtet seinen Honda als "siegfähig" und sein Ziel ist es, endlich den ersten Sieg zu feiern. Er sagt: "Wir haben ein Siegerauto und wenn ich damit nicht siegen sollte, wäre das natürlich eine Frage, über die man sprechen müsste."

Am Ende spricht David Coulthard noch einmal über das Problem der Zweiwochenendmotoren. Über das Problem, dass die Piloten der dritten Autos unlimitiert ihre Runden drehen dürfen, während die Einsatzpiloten so wenig wie möglich auf die Strecke geschickt werden. Für die Einsatzfahrer ist das - natürlich - eine unangenehme Beschneidung. "Ich wäre viel lieber öfter auf der Strecke - und die anderen Piloten natürlich auch." Doch leider: "Wir alle sind definitiv eingeschränkt", bedauert der Schotte. Er hält im Übrigen trotz Jubel und Begeisterung für den neuen Modus das alte Qualifying, welches vor der Reformflut 2003 zur Anwendung kam, für das beste.

Und dann spricht David Coulthard einen doch recht bemerkenswerten Satz aus: "Ich akzeptiere, dass mit dem alten Modus die Schnellen vorne und die Langsamen hinten landeten - doch so würde man also nur wenig Rennsport sehen."