Hätte Technik eine Seele, könnte man wohl so etwas wie Todesangst in den Gesichtern der jungen 2,4 Liter V8-Motoren erkennen. Da die Maschinen aber weder eine Seele, noch ein Gesicht aufweisen, bleibt das große Bangen den zuständigen Ingenieuren überlassen. Denn am kommenden Wochenende steht für die Motorentechniker der weitaus schwierigere Teil der ersten Grand Prix-Doppelpackung auf dem Programm - in Sepang soll es an allen drei Tagen jeweils bis zu 34 Grad Lufttemperatur haben. Andere Prognosen wiederum sprechen von milderen Temperaturen und sogar von einer hohen Regenwahrscheinlichkeit - doch auch dann stünde den V8-Aggregaten eine harte Zeit bevor.
Eine Ausfallsorgie gab es beim Einstand der neuen Aggregate zwar nicht zu beklagen - dennoch mussten insgesamt bereits vier Achtzylindermotoren ausgetauscht werden. Weil die Motoren von BMW Sauber-Pilot Jacques Villeneuve und Giancarlo Fisichella (Renault) während des Rennens ihr Leben aushauchten, dürfen JV und GF ungestraft in Sepang mit einem neuen Motor antreten. Der Ferrari-V8 von David Coulthard wartete mit seinem Ableben auf die Zielflagge, verendete in der Auslaufrunde - das hat zur Folge, dass der Motorenwechsel mit einer Rückversetzung um zehn Startplätze bestraft wird. Viertes Motorenopfer ist Ferrari-Neuzugang Felipe Massa - die Scuderia entdeckte Anomalien bei der Analyse des Bahrain-Aggregats. Auch Massa wird zurückgereiht.
Weil in Bahrain die Gluthitze ausblieb, steht der wahre Belastungstest für die neue Motorengeneration erst bevor. Denis Chevrier von Renault erklärt: "In Bahrain war es längst nicht so heiß wie erwartet, etwa um die 25 Grad. Da treten selbst im europäischen Sommer höhere Temperaturen auf. Aus dieser Perspektive steht uns die Feuerprobe noch bevor."
15 Prozent mehr Vollgas
Zudem werden die Achtzylinderaggregate prinzipiell mehr gefordert als ihre Vorgänger - Chevrier: "Die Anforderungen sind durch den Wechsel auf V8-Motoren signifikant gestiegen." Der "Sepang International Circuit" verstärkt die Problematik - Chevrier klärt auf: "Das Streckenlayout mit seinen vielen Highspeed-Kurven bringt es mit sich, dass die Fahrer 15 Prozent mehr Vollgas geben als vergangenes Jahr mit den V10."
Ferrari-Chefrenningenieur Mattia Binotto beleuchtet einen weiteren Aspekt, der die moderne Formel 1 in Verlegenheit bringen könnte: "Normalerweise kannst du, wenn es nötig ist, Öffnungen am Auto hinzufügen, wenn sich ein Kühlproblem einstellen sollte. Doch das bedeutet auch, dass dabei die aerodynamische Effizienz auf dramatische Art und Weise reduziert wird. Die Verbesserung der Kühlung ist daher normalerweise eine lange andauernde und komplizierte Angelegenheit, basierend auf der im Windtunnel geleisteten Arbeit und gefolgt von ausgiebigen Testfahrten auf der Strecke. Wenn wir jetzt ein Kühlproblem hätten, könnten wir in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit lediglich eine Basislösung erarbeiten. Also mehr Löcher im Bodywork. Oder mehr Schutz für den Motor. Beides reduziert den Speed des Autos." Hinzu würden auch noch Vibrationen kommen, die beim V10 nicht aufgetaucht sind.
Binotto bestätigt die Mehrbelastung des V8 und ergänzt: "Es sind auch die durchschnittlichen Drehzahlen pro Runde beträchtlich gestiegen - der Motor dreht höher und der Fahrer fährt öfter mit Vollgas." Lauert also schon der Motorensensenmann in Sepang? Kommt es doch noch zu einer Ausfallsorgie? Denis Chevrier: "Es wird ein hartes Wochenende für die Achtzylinder - aber anschließend werden wir sehr viel genauer wissen, wo wir in Sachen Zuverlässigkeit stehen und was wir den V8-Motoren zumuten können."

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